Aufsätze | Jahrbuch 2000

Zwischen Tradition und Restitution
Perspektiven für einen katholisch-mennonitischen Dialog (1)
Gundolf Niebuhr


1. Einführung

Kürzlich flatterte mir eine köstliche Anekdote in die Hände(2): „Es waren einmal zwei Mennoniten, die als einzige einen Schiffbruch überlebten. Sie retteten sich auf eine unbekannte Insel. Nach einiger Zeit wurden sie gefunden. Zum Erstaunen der Retter hatten diese Zwei immerhin drei mennonitische Gemeinden mit eigenen Gebäuden gegründet. Auf die Frage nach dem Warum antworteten sie: `Der eine geht in die eine Gemeinde, der andere in die andere.' Und warum die dritte? - `Das ist die Gemeinde, in die wir beide nicht gehen!'"

Die Übertreibung zu humoristischem Zweck in dieser Erzählung ist offensichtlich, und doch ist ein Körnchen Wahrheit dabei, welches seine historischen Wurzeln hat. Im folgenden Aufsatz wird auch auf diesen Aspekt Bezug genommen.

Notwendigerweise muss das Folgende einen sehr zusammengefassten Überblick darstellen, auch wenn wir dabei Gefahr laufen, nicht alle relevanten Themen anzusprechen; noch weniger, sie gebührend zu entwickeln.

Bevor wir jedoch, ins Thema einsteigen, ein paar semantische Definitionen, um Missverständnisse zu vermeiden: Sind Mennoniten(3) eine Ethnie, sind sie eine Kirche oder eine kirchliche Konfession? In unserem Land ist es durchaus üblich, sie als Ethnie darzustellen, was auf ganz erklärlichen Ursachen beruht. Sie wanderten als geschlossene Gruppe ein, sie hatten ihre Kultur, ihre Sprache, ihren Glauben. Sie hatten blaue Augen, blondes Haar und noch andere Eigenschaften. Auch Mennoniten konservativer Prägung kamen ins Land und fielen noch stärker auf durch ihre einheitliche Kleidung, durch ihre isolierte Lebensweise, immer mit einem Hauch von Misstrauen und Distanz der anderen, der „fremden" Bevölkerung gegenüber. Für den Beobachter war und ist es natürlich zu schlussfolgern, dass es sich hier um eine eigenständige Gruppe handelt, mit eigener Kultur, eigenen Werten, kurz, mit eigenen Wesenszügen. Von daher erhielt der Ausdruck „Mennonit" im Mund des Volkes einen ausschließlich ethnisch-kulturellen Inhalt, wodurch die Tatsache verdunkelt wird, dass er in Wirklichkeit ein konfessioneller Terminus ist. Gegenwärtig befinden sich die meisten Mennoniten in Afrika, Indien, Indonesien u. a., und die Mennoniten weißer Hautfarbe sind, zahlenmäßig, nicht mehr in der Mehrheit.

Konfessionelle Bezeichnungen werden selten selbst gewählt; sie werden meistens von außen auferlegt. Im Fall der Mennoniten war es die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, als zunehmend der Name des Menno Simons den Mitgliedern der täuferischen Bewegung angehängt wurde, vor allem in Norddeutschland. Die Betroffenen tolerierten anfänglich und akzeptierten schließlich diese Tatsache. Jedoch war diese Akzeptanz nicht universal. In der Schweiz nennen sie sich bis heute die „Taufgesinnten" und in Holland die „Doopsgezinde" - derselbe Begriff. Sie bezeichnen sich also als diejenigen die von der Taufe, d.h. der Erwachsenentaufe (damals eine zweite, also Wiedertaufe), überzeugt sind.

Eine weitere terminologische Erklärung, die hier implizit schon gemacht wird, ist der Begriff „Konfession" (Kirche oder kirchliche Gemeinschaft wären Synonyme) statt „Sekte". In Paraguay war und ist es üblich, vor allem in kirchlichen Kreisen, die Mennoniten als eine von vielen „Sekten" anzusehen. Ich ziehe es vor, diesen Begriff nicht zu brauchen, einmal wegen der negativen Konnotationen, aber auch weil der historisch-theologische Hintergrund das nicht rechtfertigen würde. Weil Mennoniten die erste Freikirche darstellen, die während der Reformation in Europa entstand, kann man sie nicht mit den Kriterien beschreiben, die für Sekten aus dem 19. und 20. Jahrhundert charakteristisch wären. Der Begriff „Sekten" ist heutzutage kompliziert, und wir wollen ihn hier nicht vertiefen, zumal genügend gute Literatur darüber vorhanden ist.

Theologisch-liturgische Wesenszüge der radikalen Reformation

Die sozialen, politischen und vor allem die religiösen Turbulenzen des 16. Jahrhunderts sind allgemein bekannt. Und in dieser turbulenten Epoche steht die Wiege der Täuferbewegung. Die Mennoniten, die Brüder in Christus (die auch an der Mennonitischen Weltkonferenz beteiligt sind) und die Baptisten bis zu einem gewissen Grad, sehen sich als kirchlich-theologische Erben dieser Bewegung im 16. Jahrhundert, heute oft die radikale Reformation genannt.

Die Merkmale dieser Bewegung? Es ist auffallend, dass Mennoniten über vier Jahrhunderte hinweg keine besonderen Bemühungen machten, ihre Lehren zu definieren oder zu verteidigen. Der Glaube wurde durch ein Leben praktischer Jüngerschaft sichtbar, durch einfache Liturgie und eine Gemeindeordnung, die dem Leben in der ländlichen Dorfgemeinschaft entsprang. Alle Ämter wurden weitgehend von Laien geführt. Anfänglich, in den Jahrzehnten nach der ersten Taufe im Grebelkreis, gab es sehr wohl kreatives und kompetentes theologisches Denken. Aber im späten 16. Jahrhundert versandeten diese Bemühungen zunehmend unter dem Druck der starken Verfolgung, dem Verlust von geistigen Führern und den wiederholten Migrationen auf der Suche nach toleranten Fürstentümern. Kurz gesagt, man schaffte eine eigene Tradition und lebte nach ihren Vorgaben, nachdem die chaotische, aber auch kreative Phase der Reformation verebbt war. Erst das 20. Jahrhundert hat eine Renaissance anabaptistischer Studien erlebt. Anlaß dazu war teilweise die Identitätskrise der Mennoniten in Nordamerika, hervorgerufen durch die fundamentalistisch-modernistische Kontroverse zu Beginn des Jahrhunderts.

In Europa war das Anliegen mehr die Befreiung vom alten Stigma, welches den Nachkommen der Täuferbewegung anhaftete. Durch Tragödien, wie die von Münster, hatten sich Vorurteile sowohl in den Universitäten als auch in der Volksmentalität eingebürgert. Diese Vorurteile fanden z.B. im Roman „Ursula" von Gottfried Keller ihren Ausdruck, in dem die Anhänger der Täuferbewegung als von einem fremden Geist besessen dargestellt werden, der ihnen den eigenen Willen zerstört.

Trotz des Risikos unzulässiger Verallgemeinerungen wollen wir in ein paar Zügen das religiös-intellektuelle Klima nachzeichnen, welches zur Reformation führte und welches auch dieser Bewegung seine Fußspuren einprägte.

Das Hochmittelalter war Zeuge einer nie dagewesenen Institutionalisierung der Kirche gewesen. Die Hierarchie war z.T. hermetisch vom Volk abgesondert und hielt natürlich das Monopol über die Austeilung der gnadenspendenden Sakramente. Ab dem 14. Jahrhundert, verzeichnen wir einen gewissen Gegenstrom der sich, sehr vorsichtig zwar, im Mystizismus der „Deutschen Theologie" und bei Autoren wie Johannes Tauler, Meister Eckhart und Thomas von Kempen manifestierte. Auch der dritte Orden der Franziskaner, welcher erheblichen Einfluss auf die frühe Täuferbewegung hatte, gehört zu dieser institutionskritischen Bewegung.

Der akademische Humanismus, mit seinem Motto „Ad Fontes" spielte eine wesentliche Rolle bei der Herabwertung der heiligen Tradition und forderte die Restitution von Werten der Antike, spezifisch der griechisch-römischen Kultur. Diese Forderung wurde in der radikalen Reformation in Richtung Neues Testament - Urkirche verlagert, in der Hoffnung, dass es möglich sei, das Ideal der Urgemeinde wiederzugewinnen.

Die schon erwähnten Tendenzen, der Missbrauch kirchlicher Macht, der Ablasshandel und andere Faktoren mehr taten das ihrige zur Schaffung des persistenten antiklerikalen Klimas in Nordeuropa an der Schwelle zum 16. Jahrhundert Diese zähe Antipathie, zusammen mit der allgemeinen religiösen Intoleranz der Epoche schafften das Szenario für die Feindschaft und Polemik, die der kollektiven Erinnerung ihren Stempel aufgedrückt haben, wie auch in fast sämtlichen Dokumenten die uns aus dieser Zeit überliefert sind.

Die „radikale Reformation" begann mit der Reformation. Alle prominenten Figuren sind anfänglich Sympathisanten von Luther oder Zwingli. „Ad Fontes" war auch ihr Motto. Die Gruppe in Zürich empfand es als große Enttäuschung, als Zwingli mit dem Magistrat dieses Kantons eine Kompromisslösung einwilligte. Die Reformen sollten nicht überstürzt durchgeführt, und vor allem sollte die Kindertaufe vorläufig beibehalten werden. Für die eifrigen Vertreter des Grebelkreises war dies ein Verrat am Evangelium, denn sie waren schon überzeugt davon, dass nach Vorgabe des NT die Kirche vom Staat getrennt sein müsse, dass die Kirche auf der freiwilligen Mitgliedschaft beruhen und folglich nur Erwachsene getauft werden dürften. Die Tatsache, dass sowohl Luther als auch Zwingli mit den politischen Machthabern Kompromisse eingingen, um die Reform durchzuführen, dürfen wir als Hauptursache für den Dissens der Täuferbewegung ansehen. Was ihnen das Evangelium sagte, wollten sie befolgen, nicht was die weltlichen Machthaber als passend erachten würden. Man dürfe von der weltlichen Macht keine Anweisungen für die Reformation einer Kirche erwarten, die sich ganz der Botschaft des Evangeliums verpflichtet weiß. Ein fieberhaftes Studium des NT, das erst seit Kurzem in Deutsch vorlag, begann 1523-24, zusammen mit begeisterten theologischen Diskussionen. Dieser Prozess legte die Grundlage für die Abspaltung des Grebelkreises, welche durch die erste öffentliche Erwachsenentaufe in Zürich erfolgte.

Vier lehrmässige Überzeugungen dieser Bewegung könnte man wie folgt formulieren:
  • Trennung von Kirche und Staat.
  • Eine Kirche basiert auf dem freiwilligen Beitritt, wobei sich ein jeder zu einem Leben der Heiligkeit und der gegenseitigen Ermahnung verpflichtet.
  • Erwachsenentaufe, um eine solche Kirche zu symbolisieren und auch zu konstituieren.
  • Ein Leben der Nachfolge, genährt und orientiert durch die gemeinschaftliche Bibellese. Die Bibel wurde als einzige normative Quelle für Glauben und Leben in der Kirche angesehen. In der Ethik betonte man die Trennung von der korrupten Welt. Die Ablehnung von Gewalt und Eid gegenüber der Obrigkeit waren wesentlicher Bestandteil dieses Lebensprojektes. Die Nächstenliebe, Solidarität, die sich in Diakonie und karitativen Diensten ausdrückt, war im Nachhinein immer ein starkes und positives Element der mennonitischen Tradition.

  • Andere Eigenschaften der Täuferbewegung, haben wir mehr im liturgisch-sakramentalen Bereich zu suchen. Die harte Konfrontation mit der katholischen und auch mit der protestantischen Kirche mündete in eine Atmosphäre tiefen Mißtrauens gegen all die Elemente, welche man der Entwicklung der Tradition in nach-apostolischer Zeit zuschrieb. Mehr noch, die Täufer nahmen eine ablehnende Haltung gegenüber Tradition und Lehramt der Kirche ein, so wie sie sich seit Kaiser Konstantins Erklärung des Christentums zur Staatsreligion ergeben hatten. Dieses Ereignis vom Jahr 313 wurde zum Schlüssel für die Interpretation der Kirchengeschichte aus täuferischer Perspektive. Daher erscheint es folgerichtig, dass für das Jahr 2000 bei der dritten Dialogrunde zwischen MWK und Vatikan dieses Thema in den Vordergrund gerückt wurde.

    Mitte des 17. Jahrhunderts erschien in Holland der sogenannte Märtyrerspiegel, ein groß angelegtes Werk, von Thielemann van Braght kompiliert, in dem diese Perspektive der Kirchengeschichte den roten Faden bildet. Der Fall der Kirche kam, als sie nicht mehr eine verfolgte Minderheit war, sondern statt dessen, Macht und Prestige gewann. - Als die Kirche, um sich selbst zu schützen, zu den Waffen griff. - Als sie von Verfolgte zur Verfolgerin wurde. Die wahren Christen sind da zu suchen, wo die Erwachsenentaufe praktiziert wurde, wo man Verfolgung litt, und wo man die Gewalt ablehnte. So etwa lautete die fundamentale Überzeugung des Autors, und die ins Feld geführten Märtyrerbiographien dienten dazu, diese Sicht zu unterstreichen.

    Der Märtyrerspiegel hat eine weitreichende Wirkungsgeschichte im späteren Mennonitentum zu verzeichnen, denn er wurde als devotionales Werk gelesen, oft als direkte Ergänzung zur Bibellese.

    Eine solche Neu-Interpretation der Geschichte erklärt, wieso eine solch starke Ablehnung gegenüber Lehren, Hierarchie, Sakramenten und Liturgie der traditionellen Kirche herrschte. Alles was man nicht im NT zu finden glaubte, wurde mit Misstrauen bedacht, in manchen Fällen total verworfen. Einfacher Gottesdienst, ohne Sakramente, ohne strukturierte Liturgie, zentriert auf die Predigt des Wortes, oft von Laien geleitet, war das Produkt dieser Entwicklung. Die Architektur der Kirchengebäude verlor alle Bedeutung, denn man versammelte sich in Privathäusern, im Wald oder in irgendeinem geeigneten Gebäude. Während der Phase der Institutionalisierung des Mennonitentums kristallisierte sich ein Kirchenregiment heraus, das weitgehend auf Laien baute und welches die Autonomie jeder Lokalgemeinde postulierte. Dies ist das typische (obwohl nicht das einzige) Modell unter Mennoniten geblieben.

    Bei der Suche nach Beziehungen und Dialog will dies beachtet sein. Allgemein gesprochen gibt es keine Autoritäten die repräsentative Entscheidungen treffen können, wenn sie nicht ausdrücklich im Auftrag ihrer Lokalgemeinde handeln. Jedoch ist diese Gegebenheit nicht immer und überall gültig. Es gibt zuzeiten geistliche Führer mit Charisma, die eine breite Anerkennung finden. Es gibt Konferenzen mit einer gewissen Autorität, und bei den konservativen Gruppen besitzen die Ältesten eine beachtliche Autorität in der Gemeinde. Trotzdem ist das grundsätzliche Modell des Kirchenregiments der Kongregationalismus.

    Dies wirkt sich nachteilig aus, gerade im Bereich der ökumenischen Beziehungen, weil es keine repräsentative Hierarchie gibt. Aber die Münze hat auch eine Kehrseite: Wenn eine „Grass roots"-Bewegung da ist, wenn eine Überzeugung in den Gemeinden heranreift, dann ist keine Hierarchie da, die sie bremsen könnte.

    Außer den erwähnten Schwerpunkten der Lehre, welche der Bewegung ihre Identität verliehen, akzeptierte man ohne Vorbehalte die traditionell christlichen Credos, vor allem das Apostolikum, aber auch das Nicäno-Konstantinopolitanum. Die christlich konfessionelle Basis blieb somit ohne Modifikationen, mehr oder weniger selbstverständlich übernommen.

    Die Christologie von Menno Simons und einiger seiner Mitarbeiter ist durch die Jahrhunderte wiederholt kritisch unter die Lupe genommen worden, mit dem Hinweis, dass sie eigentlich doketistisch war. Im 20. Jahrhundert haben mehrere mennonitische Theologen sich mit dem Thema befasst(4). Da Menno ein Theologe war, konnte er sich vorsichtig ausdrücken. Er kannte die delikaten Bereiche der Christologie, und man kann aus seinen lehrmäßigen Thesen keinen direkten Doketismus ableiten. Eher könnte man von doketistischen Tendenzen in seinen Schriften sprechen, die von seiner großen Leidenschaft herrühren, die Kirche rein und unbefleckt zu erhalten.

    Wie dem auch sei, der Einfluss von Mennos Lehre war bei den späteren mennonitischen Bekenntnissen nicht der einzige Faktor. In den üblichen schriftlichen Bekenntnissen wird meist die Formel von Nicäa (weniger die von Chalcedon) geborgt, um die Natur Jesu Christi zu beschreiben.

    Spätere theologische Einflüsse

    Wenn wir die unterschiedlichen Gruppen und Untergruppen der Mennoniten heute beobachten, wird offensichtlich, dass es keine einheitliche und lineare Entwicklung gegeben hat. Einflüsse aus dem Bereich der großen Kirchen und andere Umweltfaktoren hinterließen ihre Spur, aus der sich eine gegenwärtig heterogene Denomination entwickelt hat. Das 19. Jahrhundert war eine Zeit starker Einflüsse aus dem evangelikalen Bereich Europas. Baptisten aus England oder Deutschland, Pietisten aus Süddeutschland und auch die Erweckungsbewegungen in Amerika übten einen starken Einfluss aus. Das Feindbild des Traditionalismus, während der Reformation mit solcher Leidenschaft abgelehnt, präsentierte sich nach und nach in der eigenen Mitte. Das 17. und 18. Jahrhundert war die Zeitspanne, in der die typische ländliche abgesonderte Eigenidentität geschmiedet wurde, welche viele Mennoniten schließlich als gut, ja als unerlässlich für ihren Glauben erachteten. Parallel dazu nahm allerdings das religiöse Leben starre Formen an, die mit der Zeit dann doch wieder als trockene Tradition angesehen wurden. Im 19. Jahrhundert, angeregt durch die erwähnten evangelikalen Erweckungsbewegungen, wurden Stimmen im Mennonitentum laut, die ähnliche Erneuerung forderten. Das Phänomen der Massenevangelisationen nach dem Vorbild von Moody, Finney und anderen Amerikanern wurde populär. Zellen mit Erweckungsbestrebungen entstanden, Spannungen nahmen zu und führten in einigen Fällen zur Fragmentierung und zur Bildung neuer mennonitischer Gemeinden. Eine der bekanntesten davon war die Mennoniten Brüdergemeinde (1860 in Russland entstanden), mit betonter Präsenz in Paraguay heute.

    Dort wo das Mennonitentum unter solchen Einfluss kam, versuchte man die steife Traditionsgebundenheit durch besondere Betonung auf die Bekehrung zu überwinden. Die „Krisenbekehrung", der „Bußkampf" waren im Pietismus psychologisch geladene Begriffe, die dann auch unter Mennoniten zum Kriterium wurden, um in ihrer eigenen Gemeinschaft zu unterscheiden zwischen den „wahren Christen" und den „Traditionellen". Die welche in Erweckungsversammlungen so zu einer neuen Bekehrung gelangt waren, konnten die „Traditionellen" kaum noch als Christen anerkennen. Es hat in der Mennonitengeschichte Perioden bitterer Spannung gegeben, zwischen Tradition und Erweckung, Tradition und Restitution. Aggressive missionarische Praktiken haben normalerweise ihren Ursprung in solchen Szenarien.

    Es ist hier von Bedeutung, auf die Form des Diskurses zu achten wie sie sich bis in das Vokabular hinein äußert, welche bei diesen Gruppen üblich ist. Mangelndes Verständnis dafür ist der Grund für Missverständnisse, Konfrontation und oft auch Druck auf die Zuhörer, wenn wir die Situation auf dem Missionsfeld beobachten. „Sind Sie ein wirklicher Christ? - Haben Sie eine Bekehrung erlebt? - Haben Sie eine persönliche Begegnung mit dem Herrn gehabt? - Sind Sie sicher, ein Kind Gottes zu sein"? usw. In Gemeinschaften, wo man das Christ-werden mehr als graduellen erzieherischen Prozess ansieht, einen Prozess des Hineinwachsens, des Reifens, stiftet ein solcher Diskurs meist Verwirrung. Ebendies passiert selbst innerhalb der mennonitischen Gemeinschaft. Die mehr traditionellen Gruppen haben ihre eigene Form einer graduellen Einführung ihrer Kinder und Jugendlichen ins Christentum. Es beginnt nicht mit der Taufe, wohl aber mit der Erziehung im Heim, gefolgt von ausgedehntem katechetischem Unterricht, und erst danach folgt die Taufe. Es ist eben diese institutionalisierte Form des Prozesses, der von den Erneuerungsgruppen als fehlendes geistliches Leben interpretiert wird, und es passiert nicht selten, dass eine Gruppe von Mennoniten zum Missionsobjekt einer anderen Gruppe erklärt wird. Die Gründe dafür wurzeln, theologisch gesehen, in der erwähnten Dialektik.

    Die aufrichtige Motivation bei solchen „Bekehrungsversuchen" will konstatiert und respektiert sein. Die Missionare, oft Jugendliche, die an solchen kurzfristigen missionarischen Kampagnen teilnehmen, haben das aufrichtige Bedürfnis, ihr Bekehrungserlebnis, ihren neu gewonnenen Glauben mit anderen Menschen zu teilen. Es besteht kein Zweifel, dass solche begeisterten Aktivitäten zur Reifung des eigenen Glaubens beitragen. Für die Zielgruppen solcher Aktivitäten ist eine gesunde Identität als Christen ausschlaggebend. Proselytistische Aktionen könnten zu Aktionen der Begegnung und des Dialogs werden, vorausgesetzt, die Menschen würden in ihrem christlichen Selbstbewusstsein nicht schwanken.

    Ein Verständnis für das dabei verwendete Vokabular wäre natürlich höchst wünschenswert. Eine Haltung zu kultivieren, die freundlich aber entschieden die Erklärung von Begriffen verlangt, ist in diesem Kontext sehr hilfreich. Sie stimuliert die Reflexion, der missionarische Eifer wird gebremst, und im günstigen Fall können beide, Missionare und Missionierte, durch solche Begegnung wachsen.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Same für nachträgliche Spaltungen schon als ein Erbgut der radikalen Reformation mitgegeben war. Grund dafür war das Misstrauen gegenüber der Tradition und die Zuversicht dass man zu den als authentisch empfundenen Quellen zurückkehren könne. Im 19. Jahrhundert nahmen solche Erneuerungsbemühungen nicht nur die apostolische Zeit, sondern auch das 16. Jahrhundert als Kriterium, als Referenz für den idealen Zustand, den zu restaurieren die Aufgabe lautete. Das angestrebte Ideal wiederherzustellen war die Triebfeder hinter solchen Bemühungen. Mein Geschichtsprofessor(5) bemerkte wiederholt, dass die aus der radikalen Reformation hervorgehenden Gruppen Schwierigkeiten hatten, die Tatsache zu akzeptieren, dass für die Äste der Weg zu den Wurzeln durch den Stamm geht. Sich davon zu trennen ist letztlich nicht die Lösung, denn der Kreis schließt sich immer wieder, indem solche Gruppen wiederum ihre Institutionen und ihre Tradition entwickeln, die dann bald wieder als erstarrt und geistlich verarmt empfunden wird - ja vielleicht noch ärmer wird, weil dieser Tradition von vornherein kein theologischer Wert beigemessen wird. Darauf erfolgt Misstrauen, Unzufriedenheit und erneuter Bruch mit der eigenen Tradition. Dies einzusehen wäre für mennonitische Gemeinden eine heilsame Lektion die man sich stellenweise bereits angeeignet hat. Im katholischen Lager wird die kritische Auseinandersetzung mit der Lehrtradition auch weiterhin Aufgabe der Theologen sein. Diese im Dialog mit protestantischen Kirchen zu realisieren, würde mehr Licht auf die Rolle der Tradition in der christlichen Theologie werfen. Die Perspektive „Tradition versus Restitution" erscheint mir jedenfalls ein Annäherungspunkt zu sein, über welchen man Anschauungen vergleichen und zu einem Dialog kommen kann. Die Rolle der Tradition, das ihr innewohnende Potential zur Erneuerung, wird heute zum aktuellen theologischen Thema. Das zu debattieren ist heute unsere Aufgabe. Das positive Potential der Restitutionsbestrebungen mit ihrem starken Anliegen, die Kirche rein und treu zu erhalten, darf dabei nicht übersehen werden.

    Kurz gesagt, während der letzten 150 Jahre haben zusätzlich zu strukturierenden Prozessen von innen, verschiedene evangelikale Einflüsse von außen auf das Mennonitentum eingewirkt, so dass die eigene historische Identität stellenweise geschwächt wurde. Die unschlüssige Haltung vieler Gemeinden auf dem Missionsfeld (ob unter Indianern oder nationaler Bevölkerung), wie sie sich nennen wollen, mag von mangelnder konfessioneller Identität der Missionare herrühren. „Wir sind evangelische Christen", ist eine sehr übliche Äußerung. „Evangelische Kirche so und so", oder auch Konferenzen, die sich mit diesem Etikett kennzeichnen, ist das übliche bei uns. In den USA ziehen viele Gemeinden es vor, sich einfach als „Bibel-Kirche" oder „Kirche Gottes" zu bezeichnen, - alles Hinweise auf eine geschwächte historisch-konfessionelle Identität, die Gefahr läuft, den eklektischen und oft inkohärenten Charakter verschiedener lehrmäßiger Strömungen, Ideologien und Werte zu ignorieren, die heutzutage ihre Zuflucht unter dem breiten Schirm des „Evangelischen" gefunden haben.

    Mennoniten weltweit und ökumenische Perspektiven

    Die polarisierte und paralysierte Beziehung zwischen Mennoniten und Katholiken bestand praktisch unverändert, bis zur Zeit des II. Vatikanischen Konzils (1963-65). Es war in Kanada und in den USA, wo sich zuerst eine entspanntere Atmosphäre bemerkbar machte, gefolgt von gradueller Annäherung und gegenseitiger Neugier. Die liturgische Erneuerung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die öde Landschaft der eigenen Gottesdienste war ein Thema für manche Mennonitengemeinden. Die erwähnte Bewegung führte zu Kontakten mit katholischen Christen in ihrer Nachbarschaft. Gemischte Hauskreise bildeten sich, man organisierte gemeinsame geistliche Rüstzeiten, und mir sind Fälle bekannt, in denen Mennonitengemeinden mit liturgischer und selbst sakramentaler Neustrukturierung ihrer Gottesdienste tiefgreifende Erfahrungen machten. In Kansas verrichteten meine Frau und ich einen Sommer lang pastorale Arbeit in einer mennonitischen Kirche, die, ihrem Aussehen nach, der Stolz irgendeiner Pfarrei gewesen wäre. Nur die Jungfrau und die Heiligen fehlten, sonst war alles da, selbst der Altar, die Kerzen und die biblischen Szenen in den farbenfrohen Fenstern.

    Ein weiterer Kontaktbereich war die Zivilbewegung und das Friedenszeugnis während der Vietnamperiode. Mennoniten und Katholiken in den USA, beides Minderheiten, stemmten sich gegen die kulturell dominante Denkrichtung und entdeckten dabei eine gute Dosis Gemeinsamkeiten in ihren Ideen und Zielen. Zusammenarbeit in der Förderung ziviler Rechte und karitativer Projekte ermöglichte einen weiteren Schritt der Annäherung. In einem kürzlich erschienenen Aufsatz stützt der Autor(6) die Forderung nach Pluralismus auf die täuferische Betonung der Gewissensfreiheit und die Ablehnung jeglicher Gewaltmittel - was eine friedliche Koexistenz mit anderen religiösen Überzeugungen voraussetzt.

    Bei der Vollversammlung der MWK in Kalkutta, Januar 1997, wurden offizielle Beziehungen zwischen dem Vatikan und den mennonitischen Kirchen hergestellt. Gegenwärtig wird in einem Zyklus von fünf jährlich stattfindenden Dialogrunden diese Beziehung vertieft(7).

    Ökumene auf lokaler Ebene

    Die Frage stellt sich: Wieso bahnen sich anderswo harmonische Beziehungen an, während in unserem Land noch nichts dergleichen zu verzeichnen ist? Dazu lässt sich keine einfache Antwort geben, und es bleibt die Aufgabe beider Seiten, vielleicht nicht so sehr die Antwort selbst, sondern Annäherungspunkte zu suchen. Dabei bleibt (wie schon erwähnt) zu beachten, dass die Entscheidungsstrukturen kongregational sind, auch die MWK kann letztlich keine bindenden Entscheidungen für spezifische Gemeinden und Konferenzen treffen. Sie kann nur Empfehlungen weiterleiten. Aber wie schon erwähnt wurde, beherbergen kongregationale Strukturen auch ihren Teil Hoffnung, denn wo eine Idee heranreift, sind bald die Bedingungen für Veränderung geschaffen, obwohl solche Schritte in nächster Zukunft vielleicht nicht spektakulär sein werden.

    Tatsache ist, dass momentan die Vision und der Wille zur Suche nach harmonischen Beziehungen zu anderen Kirchen weitgehend fehlen. Die Denkweise der älteren Generation ist noch weitgehend vom Antagonismus der präkonziliaren Periode bestimmt. Man sucht Konfrontation statt Dialog. Man nützt die Konfrontation zu proselytistischen Zwecken. Man hebt doktrinelle Unterschiede hervor, um den „Opponenten" möglichst mit Argumenten zu überzeugen.

    Auf katholischer Seite wurde bis vor Kurzem die Notwendigkeit ökumenischer Beziehungen zu evangelischen Gemeinden auch kaum registriert. Für beide Seiten ist es von daher gesehen eine Pioniersituation. Wir sind gegenwärtig Zeugen der ersten bescheidenen Schritte und versuchen neues Terrain zu kartographieren. Proselytistische Haltungen sind dabei ein offensichtliches Hindernis. Wo soll man beginnen? Es mag sein, dass sich Resignation bemerkbar macht, wenn man sich auf fehlenden Willen, Bedingungen und Strukturen fixiert. Aber ich meine, dass es auch die abenteuerliche Erfahrung des ökumenischen Unternehmens ist, zu sehen, wie sich Wege öffnen, wo bisher kein Weg sichtbar war. Wo erst einmal die Bereitschaft da ist, finden sich Annäherungspunkte, die man vorher nicht vermutet hätte. Solche Erfahrungen sind dann wie die Blumen am Wegrand, welche die Gegenwart des Heiligen Geistes in dieser Sache andeuten.

    Einige theologische und praktische Winke möchte ich weitergeben, die mir realistisch zu sein scheinen.

    1. Es ist ein Mandat des Evangeliums, die harmonischen, geschwisterlichen Beziehungen zwischen den Kirchen zu suchen. Daher ist es keine Option. Es ist eine Aufgabe, die nicht dem Geschmack und Gutdünken einzelner Personen oder Gemeinden überlassen werden kann.

    2. Selbst da, wo es ein unilaterales Bemühen ist, bleibt es die Aufgabe, diese Beziehung zu suchen. Der Heilige Geist führt uns hier auf Durststrecken, es kann eine einsame und undankbare Arbeit sein - es bleibt dennoch Aufgabe.

    3. Die volle eucharistische Kommunion ist das schlussendliche Ziel dieser Suche. Bevor man das erreicht, gibt es jedoch eine erstaunliche Vielfalt von Erfahrungen und Aktivitäten, die man mit anderen teilen kann, die man gemeinsam ausleben kann. Dies ist Terrain, welches erforscht werden will.

    4. Wir sollten danach trachten, das alte Dekret „Cujus regio, ejus religio(8)" zu überwinden. Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Die Kirche ist weltweit präsent. Die alte territoriale Denkweise (die immer schon theologisch wacklig war) ist überholt. Es ist Zeit zu kooperieren; es kann nicht ein jeder seinen „claim" abstecken, um ihn dann zu verteidigen.

    5. In einer Atmosphäre von Proselytismus müsste die pastorale Arbeit nicht abrupt aufhören, wenn Personen sich „bekehren" und in eine andere Kirche hinüberwechseln. Erlauben Sie mir, ein paar günstige Haltungen anzudeuten, die man fördern könnte. Dies dient nicht dazu, den „modus procedendi" irgendeiner Gruppe zu rechtfertigen oder vorzuziehen, sondern lediglich um Grenzen, Barrieren flüssiger zu machen, damit sie ihren Absolutheitscharakter verlieren und eine ökumenische Brise wehen kann.
    a) Aus erster Hand die Kirche kennenlernen, in die z.B. ein Mitglied der Familie übergetreten ist.
    b) Der Familie dieser Person Beistand leisten, Toleranz wecken, Vorurteilen und Feindschaft vorbeugen.
    c) Wo man es wünscht, eine gewisse pastorale Begleitung erwägen. Wo Zweifel herrschen bezüglich des vom Kirchenrecht her Zulässigen, kann das in Arbeitsgruppen erforscht werden. Solches wird besonders notwendig, wenn es sich um eine Kirche handelt, die schon im offiziellen Dialog mit Rom steht.
    d) Bei der Ausbildung von Katechisten von vornherein eine ökumenische Orientierung einplanen. Konstruktive Formen des Dialogs sollten erarbeitet werden und fruchtlose Polemik, sowie Angst vor Kontakten sollte überwunden werden.
    e) Gemischte Kreise für Studium und Diskussion bilden, in denen man z.B. Enzykliken wie „Unitatis Redintegratio" „Ut Unum Sint" und das Direktorium für Prinzipien und Normen über Ökumene(9) oder ähnliche Dokumente durcharbeiten würde. Es liegt großer theologischer Reichtum in diesen Dokumenten. Zu begrüßen wäre es, wenn sich Bischöfe und Priester darum bemühen würden, dieses Wissen unter das Volk zu bringen. Solche Initiative gilt natürlich für beide Seiten des Dialogs.
    f) Bei der Jugend vor allem sollte man, für Gelegenheiten sorgen, in denen gemeinsame Projekte durchgeführt werden. Das kann Nachbarschaftshilfe sein, Katastrophenhilfe, Einsätze in Altenheimen, Gefängnissen oder Kinderheimen. Solche Einsätze eignen sich besonders gut für Gemeinsamkeit.
    g) Das gegenwärtige Jubeljahr ruft besonders dazu auf, Gebetszellen zu bilden, wo man Gott darum bittet, Hunger und Durst nach Einigkeit in seiner Kirche zu wecken. Nach einem Jahrtausend beschämender Trennungen in der Kirche ist dies ein dringliches Anliegen.


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    Literaturverzeichnis
    - Bender Harold J. ed.: The Mennonite Encyclopedia (4 vols.), The Mennonite Publ. House, Scottdale, PA, 1982.
    - CEMTA, Hrsg.: Menno Simons. Ein Symposium zu seinem 500. Geburtstag, San Lorenzo, 1996.
    - Dyck Cornelius J.: An Introduction to Mennonite History, Herald Press, Scottdale PA, 1981.
    - Dyck Cornelius J.: Spiritual Life in Anabaptism, Herald Press, Scottdale PA, 1995.
    - Goertz Hans J.: Umstrittenes Täufertum, Vandenhoeck & Ruprecht, 1975.
    - Klaassen Walter: Anabaptism: Neither Catholic nor Protestant, Conrad Press, Waterloo, 1981.
    - Klaassen Walter: Selecciones Teológicas Anabautistas, Herald Press, Scottdale PA, 1981.
    - Kraus Norman C.: Jesus Christ, our Lord, Herald Press, Scottdale PA, 1987.
    - Löwen John H.: Mennonite Confessions of Faith, Institute of Mennonite Studies, Elkhart IN, 1985.
    - Yoder John H.: Textos Escogidos de la Reforma Radical, Ed. La Aurora, Bs. As. 1976.

    Fussnoten:
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    Die Frage nach der Beziehung zwischen den christlichen Kirchen ist in Paraguay eine relativ neue Frage. Die isolierte Lage, das weite Feld, jahrzehntelange Missionsarbeit im „eigenen Bereich" ließen diese Fragen bisher nicht akut werden. Wo sich dennoch Problembereiche - Proselytismus, gefolgt von Spaltungen in den Gemeinschaften z. B. - bemerkbar machten, wo Fragen auftauchten, versuchte man durch Beteuerung des eigenen guten Willens, durch Hinweise auf wirtschaftlichen Erfolg oder auch schlicht, indem man das Problem ignorierte, damit fertig zu werden. Eine gewisse Verständigung zwischen den Kirchen, gegenseitige Anerkennung und Kooperation anzustreben, ist nicht nur politische, sondern auch theologische Notwendigkeit. Im Chaco Paraguays realisieren Mennoniten und Katholiken eine parallel laufende Missionsarbeit. Dazu kommt, dass diese beiden Kirchen besondere Verständigungsschwierigkeiten haben, weil sie seit dem Bruch im 16. Jahrhundert kaum miteinander gesprochen haben. Auch bei gutem Willen ist es daher nicht gesagt, dass man sich gegenseitig versteht und anerkennen kann. Eine gezielte Annäherung ist Voraussetzung, wenn dies erreicht werden soll. Von den Oblatenmissionaren im Chaco kam in den letzten 15 Jahren wiederholt der Wunsch, die Mennoniten besser zu verstehen in der Hoffnung, dass ein ähnlicher Wunsch auch bei Mennoniten Echo finden würde. Bei der jährlichen Rüstzeit aller Mitarbeiter des Apostolischen Vikariates des Pilcomayo im Januar dieses Jahres wurde ein Tag reserviert, um besonders über ökumenische Verständigung nachzudenken. Dabei ging es vor allem darum, die Mennoniten als Freikirche zu verstehen, die Problembereiche in der Verständigung zu identifizieren, missionarische Konzepte zu vergleichen und Wege für ein harmonisches Miteinander zu erkunden. Folgender Aufsatz ist einer von zwei Vorträgen, die von mennonitischer Seite bei dieser Gelegenheit gebracht wurden, und deren Themen dann weiter in Arbeitsgruppen diskutiert wurden.
    Enns, Fernando in: Mennonitisches Jahrbuch 2000, S. 41
    Statistiken zu Mennoniten weltweit finden sich unter www.mwc-cmm.org
    E. g. Kraus, Norman C.: Jesus Christ our Lord, Herald Press, Scottdale PA, 1987
    Martin,Dennis 1984 - 1990 Professor für Kirchengeschichte am AMBS, Elkhart.
    Enns, Fernando in: Mennonitisches Jahrbuch 2000, S. 41ff.
    Bei der Vollversammlung des Exekutivkomitees der MWK in Guatemala, Juli 2000, wurde eine Zwischenbilanz dieser Bemühungen erstellt.
    Konkordat zwischen Lutheranern und Katholiken, vom 25. Sept. 1555 in Augsburg.
    Diese und andere Dokumente sind unter www.vatican.va abrufbar.