Aufsätze | Jahrbuch 2000

Sozialer Wandel in der Gesellschaft der Mennonitenkolonien im Chaco
Jacob Harder (1)

Einleitung

"Die Mennoniten im Chaco haben sich offensichtlich für den Fortschritt entschieden", bemerkte vor einigen Jahren ein aus Deutschland entsandter GTZ(2)-Experte, als er nach dem Sinn und Zweck seines Einsatzes im Chaco gefragt wurde. Damit wurde wohl hauptsächlich die Akzeptanz des wirtschaftlichen und technologischen Fortschritts angesprochen. Offen blieb die Frage des sozialen Wandels im Allgemeinen. Dass sich aber auch in der Lebensweise der Mennonitenkolonien ein relativ rascher Wandel vollzieht, das fällt jedem auf, der die Entwicklung aufmerksam verfolgt.

Sozialer Wandel in der Mennonitengesellschaft im Chaco, das soll der Gegenstand meiner Ausführungen sein. Was hat sich verändert und warum? Das ist die Kernfrage dieser Darstellung. Ein bisschen Theorie des sozialen Wandels muss dabei auch bedacht werden, um das Thema besser zu verstehen. Es erscheint mir jedoch wichtig, dass wir zunächst ein paar grundlegende Feststellungen machen:

Zur Theorie des sozialen Wandels

Es geht mir bei diesem Punkt nicht um eine detaillierte Darstellung und Unterscheidung der verschiedenen Theorien oder Erklärungsmodelle(4) für sozialen Wandel. Diese sollen hier aber doch kurz angesprochen werden um klarzustellen, womit wir uns in dieser Arbeit beschäftigen.

Als erstes Erklärungsmodell wäre die im Zuge des Positivismus des 19. Jahrhunderts entstandene Entwicklungstheorie zu nennen, die sich an die Evolutionstheorie anlehnte. Nach diesem Modell wird sozialer Wandel so erklärt, dass alle Gesellschaften notwendigerweise gewisse Phasen oder Etappen durchlaufen bis hin zum heutigen modernen Stand der Kultur. Diese Erklärungsweise wurde von der Zyklus-Theorie abgelöst, die zwar die Etappen der Entwicklung beibehält, aber einräumt dass diese sich wiederholen können.

Beide Theorien sind zwar größtenteils überholt, scheinen aber auch Sinn zu machen, wenn wir bedenken, dass nach der Aufklärung auch wieder das Irrationale überwiegen kann, nach demokratischen Ansätzen wieder die Diktatur herrscht usw.

Ein weiteres Modell, die Gleichgewichtstheorie, geht davon aus, dass Gesellschaft und Kultur aus einer Vielzahl von Einzelsegmenten besteht, unter denen ein Gleichgewicht besteht. Immer dann, wenn in einem Teil, meinetwegen in der Gewerbestruktur oder in der Familie, eine Veränderung eintritt, führt diese zu einem Ungleichgewicht im ganzen System, und die Folge ist ein Wandel in anderen Bereichen, bis wieder Gleichgewicht herrscht. Auch diese Theorie scheint zunächst logisch zu sein, es ist aber eine allzu mechanistische Erklärung. Menschen sind dynamische Wesen in jeder Hinsicht. Davon geht eine weitere, nämlich die Konflikttheorie aus. Menschen und Gruppen haben Interessen, sie konkurrieren miteinander. Das führt zu Konflikten, bei denen jeder seine Interessen verteidigt. Das wiederum führt zu neuen Formen der Kultur, Erfindungen, Technologien, Werten usw. Die daraus resultierende Instabilität ist eine starke Triebfeder für ständigen sozialen Wandel.

Vielleicht ist das letzte Erklärungsmodell das beste, aber in den Sozialwissenschaften erklärt man den sozialen Wandel heute eher durch eine Reihe von Einzelerkenntnissen, die auch wissenschaftlich verifizierbar sind. Einige sollen hier kurz genannt werden:

  1. Sozialer Wandel kann entweder durch innere oder durch äußere Einflüsse in einer Gesellschaft initiiert werden. Ein Großteil der internen Ursachen(5) kommt aus dem Bereich der technischen Erfindungen und aus ideologischen oder religiösen Neuschöpfungen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Tatsache, dass die Individuen sich nicht nur der Kultur anpassen, sondern auch von den Normen abweichen. Der Wille zur Abweichung wird häufig in Literatur, Malerei, Musik und Architektur zum Ausdruck gebracht. Innerhalb der Gesellschaft sind es weiter bestimmte Individuen (z.B. M. Luther, A. Einstein oder M. Jackson) oder Gruppen, von denen Impulse ausgehen, die neu und Richtung weisend sind. Natürlich kann sozialer Wandel auch durch eine Veränderung in der natürlichen Umwelt (Steppe in Russland und Kanada, Trockenwald im Chaco) oder durch eine Veränderung in der Bevölkerungszahl (Zuwachs, Struktur) entstehen. Die externen Ursachen sind Impulse, die aus einer anderen, z.B. benachbarten Kultur kommen. Dieser wechselseitige Befruchtungsprozess wird auch Diffusion genannt. Wir Mennoniten sind diesem Prozess trotz Isolierungstendenzen immer stark ausgesetzt gewesen, zum Teil auch deshalb, weil die Kreativität vor allem im Bereich der Ideen, Werte und Normen innerhalb der Gemeinschaft gebremst wurde.
  2. Sozialer Wandel kann entweder strukturell oder funktional(6) sein. Funktionaler Wandel bezieht sich auf das, was die Menschen in ihrer Lebensweise verändern, struktureller Wandel beinhaltet Veränderungen in der Struktur, der Zusammensetzung, z.B. Familiengröße, soziale Klassen usw.
  3. Es gibt bestimmte Bedingungen(7), unter denen der soziale Wandel leichter stattfinden kann. Die Bereitschaft, Veränderungen zu akzeptieren, ist immer dann gegeben wenn neue Bedürfnisse auftreten oder wenn eine neue Technologie die bessere Befriedigung der Bedürfnisse mit sich bringt. Sozialer Wandel vollzieht sich relativ leicht,
    - wenn neue Einstellungen vorherrschen, z.B. mehr Offenheit,
    - wenn mehr Informationen und Kenntnisse vorhanden sind,
    - wenn die Innovation mit den Werten der Gesellschaft im Einklang steht,
    - wenn die Sozialstruktur schon so differenziert und komplex ist, dass eine zusätzliche Veränderung nicht auffällt,
    - wenn die Veränderung als nützlich und brauchbar gesehen wird,
    - wenn demonstriert werden kann, wie notwendig die Veränderung ist,
    - wenn die `richtigen' Personen (Meinungsmacher) sich dafür einsetzen.
  4. Die Soziologen sind sich auch darin einig, dass sozialer Wandel nur als multikausal(8) zu verstehen ist. Für jede Veränderung gibt es mehrere Ursachen und eine Reihe von Bedingungen muss stimmen, wenn die Veränderung angenommen werden soll. Wir brauchen nur an die zunehmende mennonitische Partizipation in der nationalen Politik zu denken, um das zu verstehen. Ich komme später auf dieses Thema zurück.
  5. Im Prozess der Entwicklung und des Wandels(9) gibt es immer pro und contra, stabilisierende oder konservative und progressive Kräfte. Die einen wollen den Status quo, das Bekannte, Vertraute, die anderen den Fortschritt, das Neue.
  6. Wirtschaft und Technologie gehören zu den stärksten Faktoren des sozialen Wandels. Die Technik ist der größte Veränderer, den wir auf dieser Welt haben. Das erklärt auch die Angst mancher Mennonitensiedlungen vor technologischem Fortschritt.
  7. Sozialwissenschaftler sprechen von den Artefakten, den geschaffenen Dingen den mentalen Vorstellungen und Konzepten und den Formen des Zusammenlebens. Es ist relativ leicht, eine Veränderung in der materiellen Kultur herbeizuführen, es ist aber weit schwieriger, die andere Bereiche zu beeinflussen. Ein Sommerfelder Mennonit z.B. mag über Internet (Artefakten) an der New Yorker Börse die Preise für Weizen und Soja in Erfahrung bringen, erlaubt aber nicht die geringste Veränderung im Bereich der schulischen Erziehung.
Nach diesem kurzen theoretischen Überblick wollen wir uns unserem eigentlichen Anliegen zuwenden.

Sozialer Wandel in den Mennonitenkolonien

Welche Veränderungen hat es in Gesellschaft und Kultur der Mennonitenkolonien in den letzten Jahrzehnten gegeben? Die Vergleiche, die ich jetzt machen möchte, beziehen sich mindestens auf die letzten 50 Jahre und treffen nicht auf jede Kolonie in gleicher Weise zu. Ich möchte diese Veränderungen hier jetzt in 10 thesenartigen Feststellungen zusammenfassen und sie kurz erläutern.

  1. Die Mennonitenkolonien haben sich von einer Pioniersiedlung in eine Wohlstandsinsel verwandelt. Armut, Rückständigkeit, relative Subsistenzwirtschaft und wirtschaftlicher Überlebenskampf sind durch rationale Produktionsmethoden, Mechanisierung, Technologie, Weltmarktorientierung und Konsum abgelöst worden. Parallel zu diesem Wandel gibt es bestimmte Haltungen, Einstellungen, eine besondere Mentalität und ein verändertes Selbstverständnis. Bis in die siebziger Jahre hielten wir uns als Mennoniten im nationalen und im internationalen Vergleich und im Vergleich mit unseren Herkunftsländern für arm und rückständig. Ich erinnere mich bis heute an meine kognitiven Dissonanzen, als ich zum erstenmal den Ausdruck "pobre paraguayo" hörte. Für uns waren früher die Paraguayer reich, die Mennoniten arm. Die - wenn auch relative Wohlstandsinsel hat inzwischen eine ganz andere Vorstellung von sich selbst und von den anderen geprägt. Man hält sich heute für stark und fortschrittlich, unsere Dominanz führt uns zu einem guten, verleitet uns aber auch zu einem übersteigerten Selbstbewusstsein, der Ethnozentrismus blüht. Die Armut der uns umgebenden Ethnien und das Scheitern einiger Abenteurer aus Europa bestätigen uns jeden Tag, dass unser "way of life" der Beste ist. Was wollen die andern hier schon sagen? Das ist das neue Lebensgefühl einer Generation, die nicht weiß, wie mühsam das alles von ihren Eltern erwirtschaftet wurde, die auch nicht begreift, wie gut uns ein bissschen mehr Bescheidenheit und Mitmenschlichkeit täte.
  2. Die Gewerbestruktur hat sich aufgrund der lokalen und nationalen Marktbedürfnissee stark verändert. Die wirtschaftlichen Tätigkeiten beschränkten sich früher fast ausschließlich auf die Primärproduktion, haben sich aber inzwischen stark auf den sekundären Sektor, die Verarbeitung und besonders auf den Tertiär- oder Dienstleistungssektor verlagert. Mehr als 90% der mennonitischen Familien in den ersten Jahrzehnten der Siedlung erwirtschafteten ihr Haupteinkommen aus der Arbeit auf dem Lande und waren dort direkt beschäftigt. Dieser Prozentsatz dürfte heute schätzungsweise bei 30% liegen. Es gibt leider keine statistischen Erhebungen darüber. Das bedeutet nicht, dass die Agrarproduktion in absoluten Zahlen zurückgeht, ganz im Gegenteil. Maschinen, Technologie und "Fremdarbeiter" sorgen hier für Produktion. Das bedeutet aber, dass der größere Anteil der Beschäftigten bei den Mennoniten nicht mehr die gleiche Bindung an Grund und Boden hat, sondern in eine immer differenzierter werdende Berufsstruktur eingesetzt ist. Gesellschaftlich entstehen daraus nicht nur neue Arbeitsabläufe, sondern auch neue Auffassungen, Werte, Ansprüche usw.
  3. Eine wesentliche Veränderung der mennonitischen Lebensweise liegt in der zunehmenden Auflösung der Dorfkultur. Das Dorf war Ideal und Maßstab für Denken und Handeln. Heute ändert sich dieses Muster zugunsten der Bezirke, der größeren Koloniegemeinschaft und der zentralen Orte. Das Dorf war die Achse des öffentlichen Geschehens. Das einzelne Dorf hatte mehr politisches Gewicht, jedes Dorf hatte seine Schule, viele hatten einen Dorfschor, einen Mädchenverein. Die Jugend traf sich fast nur im Dorf, man suchte seinen Ehepartner im Dorf, Hochzeiten wurden auf dem Hof der Brauteltern im Dorf gefeiert. Im dörflichen Schulgebäude fanden die Gottesdienste statt. Die Dorfs- und Koloniepolitik wurde auf dem "Schultebott" in der Dorfschule gemacht. Heute haben die Bezirke, besonders in Menno, schulisch, kirchlich und politisch an Bedeutung gewonnen. Immer stärkeres Gewicht bekommen die zentralen Orte. Viele lehnen diese Entwicklung ab, aber alle tragen ständig dazu bei, dass diese Tendenz verstärkt wird.
  4. Das Wachstum der Koloniezentren und ihre Bedeutung für den ganzen Chaco hat eine gewisse Tendenz zur Urbanisierung des Lebens eingeleitet. Das war wohl kaum die Absicht unserer mennonitisch-bäuerlichen Siedlungsgemeinschaft, sondern eher das Ergebnis einer Notwendigkeit. Wo sonst der Staat mit seinen öffentlichen Einrichtungen die bürgerlichen Angelegenheiten regelte, mussten die Kolonien diese selber gestalten. Das gilt nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Post, für Straßen, öffentliche Ordnung usw. Zwar haben unsere städtischen Zentren auch noch einiges an Dorfscharakter beibehalten, aber laut Feststellung des letzten "Censo Nacional" wurde die Bevölkerung der Kolonie Fernheim zu 70% und die der Kolonien Menno und Neuland zu etwas über 40% als "población urbana" bezeichnet. Das heutige Erscheinungsbild unserer kleinen Städte mit ihrer Versorgungsfunktion, mit ihren administrativen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen lässt vermuten, dass die Stadtfunktionen zunehmen werden und dass die heute noch überwiegend agrarische Struktur der Kolonie langsam an Bedeutung verliert. Die Bemühungen der Kolonien um eine bessere Einbindung in das nationale und internationale Verkehrssystem und die Suche nach neuen Märkten bestärken diese Annahme.
  5. Die Wirtschaftsdynamik der letzten Jahrzehnte hat wie ein Magnet Menschen verschiedener Ethnien und Sprachen in den zentralen Chaco kommen lassen. Die demographischen Veränderungen lassen nicht nur ein anderes Bevölkerungsbild entstehen. Sie werden auch zu einer der größten sozialen Herausforderungen für alle Beteiligten. In den Ansiedlungsjahren gab es in dieser Zone nur Lenguas und Mennoniten. Um 1975 lebten hier Indianer fast aller Stämme, die es im Chaco gibt. Sie kamen und sie wurden geholt, hauptsächlich als Saisonarbeiter. Lateinparaguayer waren noch eine Seltenheit. Am stärksten ist die ethnische Vielfalt in Filadelfia ausgeprägt. Hier leben heute etwa 2.600 Mennoniten, 2.500 Indianer, 1000 Lateinparaguayer, 400 Deutschbrasilianer, insgesamt etwa 6.500 Einwohner. Radio Z.P. 30 sendet in 9 Sprachen, und in der Departamentsschule der Gobernación gibt es Schüler aus 10 verschiedenen Ethnien. Man kann davon ausgehen, dass die Bevölkerungssituation Filadelfias ein Anfang von dem ist, was für den ganzen zentralen Chaco bald typisch sein wird. Bisher wurden die Beziehungen zu diesen Gruppen hauptsächlich über mennonitische Vorstellungen von Mission und durch ein relativ gutes Arbeitsverhältnis geregelt. In Zukunft werden Begriffe wie Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit, Toleranz und demokratische Rechtsordnung eine immer größere Rolle spielen.
  6. Eine wichtige Veränderung der letzten 10 Jahre ist die wachsende politische Partizipation der Mennoniten an der nationalen Politik. Im sogenannten, "mennonitischen Reich"(10) haben wir politische Tätigkeiten über Generationen eingeübt. Neu ist allerdings die Teilnahme an der Politik auf nationaler Ebene zusammen mit den anderen. Politik ist die Gestaltung des öffentlichen Lebens. Wenn diese Definition stimmt, dann waren wir als Mennoniten schon immer sehr politisch, erst nur durch die Glaubensgemeinde, dann später stärker durch die Verwaltung der Kolonien. In unseren politischen Einstellungen schwanken wir ständig zwischen autoritären und demokratischen Vorstellungen. In der großen Landespolitik sollte nach unserer Auffassung strenger und autoritärer regiert werden. Innerhalb der mennonitischen Siedlung befürworten wir aber das Mitspracherecht aller Bürger. Aber auch hier schwanken wir hin und her zwischen der direkten Demokratie und einer Scheindemokratie. Insofern könnte die neu begonnene politische Öffnung und Teilnahme an den nationalen politischen Institutionen für uns ein wichtiges Lernfeld werden.
  7. Erholung und Freizeitgestaltung haben sich in zweifacher Weise gewandelt. Erstens ist die Haltung gegenüber Freizeitaktivitäten grundsätzlich positiver geworden und zweitens gibt es andere Formen der Freizeitbeschäftigung."Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tage sollst du ruhn!" Das galt früher für Erwachsene. Man arbeitete sechs Tage, am Sonntag ging man zum Gottesdienst, besuchte Verwandte und Freunde und man ruhte aus. "Erst die Arbeit, dann das Spiel", das galt für Kinder. Kindern und Jugendlichen war das Spielen erlaubt. Aber Spielen und Freizeit hatten nicht den Stellenwert wie heute. Das Freizeitangebot war früher relativ beschränkt, es wurde im Dorf kollektiv entschieden, was an einem bestimmten Abend oder an einem Sonntagnachmittag an Freizeitbeschäftigung dran war. Die Auswahl war klein. Heute hat man mehr Möglichkeiten, die Angebote sind vielfach formal organisiert (Sportclub), sie haben häufig mit Konsum (Restaurant, Asados) oder mit Show (Rallyr, Wettspiele, Fernsehen) zu tun, und man entscheidet entweder individuell oder in kleinen Gruppen, welche Wahl man trifft. Das Zentrum der Kolonie ist die Attraktion, das Motorrad und das Auto machen's möglich. Auch Urlaubs- und Wochenendreisen sind Bestandteil der Erholung. Erwachsene nehmen teil, so weit sie können, die Jugend meint, "action" muss sein.
  8. Insgesamt hat in der Gesellschaft der Mennoniten im Chaco ein Prozess angefangen, der von der Einförmigkeit der Dorfkultur zu mehr Vielfalt führt. Der Grad der Komplexität und Differenziertheit ist zwar nicht mit der einer modernen pluralistischen Gesellschaft zu vergleichen. Auffallend ist aber die grundsätzliche Bejahung dieser Entwicklung. Unsere Lebensweise wird vielfältiger in ihrer sozialen Organisation (Gruppen, Vereine), in der sozialen Schichtung, im Netz der Institutionen, im kulturellen Ausdruck (Musik, Literatur) in Wirtschaft, Verkehr und Technologie, in ihren Auffassungen, in den Umgangsformen usw. Man könnte hier von einem Prozeß der Öffnung sprechen. Dieser, wenn einmal in Gang gesetzt, erhält eine Eigendynamik, die der modernen Gesellschaft innewohnt.
  9. Kaum eine Institution wird von der Frage des sozialen Wandels so bewegt wie die Schule. Die Schule steht immer zwischen Tradition und Innovation. Sie muss sich gemäß ihrem gesellschaftlichen Auftrag immer an beiden orientieren, das rechte Maß finden, die Spannung zwischen beiden Polen aushalten und kreativ lösen. Diese Tatsache kennen mennonitische Lehrer nur zu gut. Denn wenn die Schule sich hauptsächlich am kulturellen Erbe orientiert, dann droht ihr die Gefahr, bedeutungslos, irrelevant und lächerlich zu werden. Beschreitet sie aber neue Wege, besonders im ideellen Bereich, dann wird sie als Konkurrent und Gegner der Kirchengemeinden empfunden. Wie hart die Auseinandersetzungen sein können, hat man in Fernheim im Zusammenhang mit der völkischen Zeit und in Menno mit der kolonieinternen Schulreform Ende der fünfziger Jahre erlebt. Aber auch Mädchensport, Volkstänze, Formulierung von Erziehungszielen, Anschaffung von bestimmten Schultexten und Filmen und die Anstellung von Lehrern "von außen" gaben oft Anlass zu Verstimmungen. Was hat sich aber im Schulwesen wirklich geändert? Zu dieser Frage ein paar Anmerkungen.
    1. Unsere Schule orientiert sich seit 1970 zunehmend an dem nationalen Schulsystem. Früher ,machten wir selber Schule`, jede Kolonie auf ihre Art.
    2. Die Schule orientiert sich auch zunehmend an international gültigen Vorstellungen von Bildung. Gemäß unserer traditionalen Vorstellung von Schule sollte der junge Mensch die Grundfähigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen und zu einem ordentlichen, gehorsamen Mitglied der Gesellschaft erzogen werden. Die Bildung der Persönlichkeit gemäß den individuellen Veranlagungen wird heute dagegen stärker vertreten.
    3. Das Schulsystem hat sich stärker auf das Wirtschaftssystem und auf die Schüler eingestellt, indem es die Berufsausbildung ernst nimmt (Berufsschule in Loma Plata, Bildungszentrum in Neuland, Bachillerato Comercial in Filadelfia). Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass Bildung für das Leben sein soll. Verändert haben sich auch die Schüler und das Umfeld der Schule. So kommen die Schüler heute zu uns in die Schule: Wohl genährt, wohl gekleidet, niemand ist müde, weil er auf dem Acker helfen musste, auf Fahrrädern oder auf Motorrädern, mit Bussen, einige auch mit Autos, manche sind abgespannt wegen eines Sport- oder Kirchenprogramms oder wegen des Videofilms vom Abend davor. Sie sind selbstbewusst, gewohnt, Forderungen zu stellen, Entscheidungen selber zu treffen und sich ein Urteil zu erlauben. Mit dem Gehorsam klappt es nicht mehr so ganz, und mit der Rücksichtnahme noch nicht. Hausaufgaben zu machen, bloß weil es der Lehrer fordert, das ist `ne Tugend von früher. Da soll er doch mal ein schlaues Punktesystem ersinnen, womit er meine Mühe belohnt! Ansonsten ist man ein ganz lockerer, umgänglicher Mensch. Der Erziehungsstil in den Familien wird zwar immer noch von Gehorsam, Pflichterfüllung, Fleiß und Ordnung geprägt, aber neue Kriterien gesellen sich dazu wie elterlicher Respekt vor der Individualität, Verständnis für kindliches bzw. jugendliches Verhalten, relativ leichte Bedürfnisbefriedigung usw. Unseren Kindern soll es besser gehen, heißt es. Hier soll nicht das eine idealisiert und das andere verdammt werden. Die Schule muss aber dieser neuen Situation Rechnung tragen. Das veränderte Umfeld wird die Schule in Zukunft noch oft dazu zwingen, unseren Erziehungsstil, die Rolle und den Bildungsauftrag zu überdenken und anzupassen.
  10. Die Gemeinde oder Kirche, wenn auch ihre zentrale biblische Botschaft unverändert bleibt, so muss sie sich doch den Umständen und Zwängen der Zeit und den intern auftretenden neuen Erkenntnissen und Bedürfnissen anpassen. Das geschieht im Glaubenstil, in Gottesdienstformen und in der Frage, welche Werte Teil des zentralen Anliegens der Gemeinde als gesellschaftlicher Institution sind. In den Gottesdienstformen und in gemeindlicher Aktivität hat man sich in den letzten Jahrzehnten Mühe gegeben, mehr Gemeindeglieder zu aktivieren, sowohl in der Mitarbeit als auch in der Gestaltung der Gottesdienste und anderer Aktivitäten. Anspiele, Zeugnisstunden, Familienabende, eine Vielzahl von Komitees, Ausflüge, Hauskreise und Auflockerung durch flottere Lieder sind Beispiele dafür. Sie erwecken aber gelegentlich den Eindruck von Überprogrammierung und Show. Stark exponiertes Bekenntnis, Dogmatisierung und Angst vor falschen Lehren beseelen uns heutige rechtgläubige Mennoniten in unserem Glaubensstil. Früher wurden wir unserer Gelassenheit beraubt durch die Angst, etwas Falsches zu tun, durch die Sorge um das Seelenheil, durch die Versuchungen und Verfolgungen von Seiten der „Welt". Heute haben wir andere Stichworte, aber unser Glaubensstil bleibt etwas Mühevolles und Mechanistisches. Das Evangelium primär als Quelle des Zuspruchs, der Freiheit und Dynamik zu erleben, das fällt uns schwer.

    Die Gemeinde tritt in der Mennonitenkolonie nicht nur als Verkündigerin des Evangeliums auf, sondern auch als höchste gesellschaftliche Instanz. Als solche möchte sie bei allen wichtigen gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen mitreden. Sie vermeidet zwar gern die konfliktiven Geschäfte der Wirtschaft und der internen Politik, tritt aber in den Strukturen mit ihrer Präsenz und mit ihrem Anspruch als politische Kraft auf. Hier wird wahrscheinlich mit zunehmender politischer Integration auf nationaler Ebene und mit der zunehmenden Säkularisierung der eigenen Gesellschaft ein Wandel eintreten, vielleicht zugunsten der eigentlichen Aufgabe und Funktion der Gemeinde.
Ursachen des sozialen Wandels und Widerstände

Sozialer Wandel geht in allen Gesellschaften relativ langsam voran, in manchen aber langsamer als in anderen und in noch anderen, wie den pluralistischen, industriellen und postindustriellen Gesellschaften ist er zur Norm, wenn nicht gar zur Institution geworden. Niemand darf sich aber wundern, wenn die Veränderung nicht auf Anhieb akzeptiert wird, denn es ging ja bisher auch ganz gut ohne sie.

Die komplexen, dynamischen und offenen Gesellschaften haben ein großes Volumen und einen schnelleren Rhythmus des sozialen Wandels zu bewältigen. In den traditionellen, stabilen und geschlossenen Gesellschaften ist die Häufigkeit und die Geschwindigkeit des Wandels geringer. Oft gehen die Impulse der Innovationen von den ersteren aus und Jahre später erreichen sie die traditionelleren Gesellschaften. Aber sozialer und kultureller Wandel kommt auch von innen, und es gibt keine Gesellschaft ohne Kulturwandel.

Und jetzt zu den Ursachen des sozialen Wandels bei uns:

Als in den siebziger Jahren an der Asphaltierung der Trans-Chaco-Straße gearbeitet wurde, freuten sich die Vertreter der Wirtschaft, aber viele andere runzelten die Stirn und stellten die bange Frage:"Waut woat ons daut aules brinje?" Zum Teil hatten sie Recht, denn der Einbruch in unsere Isolation durch Verkehrsanbindung an die Hauptstadt, durch Telefonverbindung und Fernsehen haben wirklich einiges verändert, aber es gibt meines Erachtens viel wichtigere Gründe für den sozialen Wandel in den Mennonitenkolonien.

Eine Ursache sehe ich in dem allgemeinen Bedürfnis, die Armut und Rückständigkeit zu überwinden. Dies war immer eine starke Triebfeder in der Entwicklung der Kolonien. Die Mennoniten der Pionierjahre und darüber hinaus hatten individuell und als Gemeinschaft ein schwaches Selbstbewusstsein. Der Vergleich mit der Ukraine, mit Kanada, mit Deutschland, mit Asunción, mit den Mennoniten vor allem aus Nordamerika ließ sie als ignorant, arm und rückständig erscheinen. An der Überwindung dieses Defizits ist immer zielstrebig und manchmal auch verkrampft gearbeitet worden.

Die Technik ist der größte Veränderer, den wir auf der Welt haben. Das trifft auch für uns zu, wenn wir an die Mechanisierung der Landwirtschaft in den 60er Jahren denken. Denn diese verbesserte nicht nur unsere Wirtschaftslage, sondern veränderte unseren Lebensrhythmus, den Tagesablauf, das Verhältnis zu den Indianern, und gekoppelt mit Krediten ließ sie auch ein größeres soziales Gefälle innerhalb der Mennonitengesellschaft entstehen.

Die aus der veränderten Technologie resultierende Wirtschaftsdynamik wird getragen von Konkurrenzdenken, Produktion, Rentabilität und den dazu gehörigen Einstellungen und Auffassungen. Der Wirtschaftsfaktor als Veränderer hat viele Kinder. Sie heißen Arm und Reich, Konsumorientierung, Anspruchsdenken, Sonntagsarbeit, verstärkte Integration, ein verändertes Bevölkerungsbild, Erziehungsprobleme und vieles andere mehr.

Die Kontakte mit der Außenwelt, besonders mit Asunción, Kanada und Deutschland, brachten uns in den letzten Jahren eine Reihe von neuen Verhaltensmustern und Werten. Viele Familien waren dorthin ausgewandert, kehrten zurück und verbreiteten neue Einstellungen und Umgangsformen.

In ähnlicher Weise fängt auch die ethnische Vielfalt an, in den zentralen Orten zu wirken. Hier sind wir allerdings erst am Anfang. Wenn aber in 20 Jahren die Mennoniten zur Minderheit würden, dann könnte sich noch einiges an unserer Lebensweise ändern, und das mit einer ungeahnten Schnelligkeit.

Geographische Abgeschlossenheit hat uns gezwungen, all das, was wir als Mennoniten eher der "Welt" überlassen würden, selber zu gestalten: Ein ausgeprägtes politisches System, eine bürgerliche Verwaltung, Steuern, Sozialdienste, Handel und Industrie, Dienstleistungsangebote, Straßenbau, übrigens auch die Regelung der öffentlichen Ordnung. Die Isolierung hat uns gezwungen, manche Funktionen von Regierung und Staat zu übernehmen. Selbst die „böse Stadt" haben wir aus dieser Not heraus selber geschaffen.

Auch die Konkurrenz zwischen den Kolonien ist eine wichtige Ursache für Fortschritt und Veränderung gewesen. Wetteifer soll bekanntlich ein starker Motivationsfaktor sein. Jeder von uns kennt ein Dutzend Anekdoten und Witze, die auf irgendeine Weise den Vergleich zwischen den Kolonien zum Ausdruck bringen. Die Kolonie Menno hat, gemessen an den Beweggründen ihrer Auswanderung aus Kanada, die meisten Veränderungen und Umbrüche erlebt. Eine Studie darüber, welche Rolle dabei die Kolonien Fernheim und Neuland spielten, wäre wissenschaftlich interessant. Aufschlussreich im Wetteifer der Mennonitenkolonien im Chaco sind auch die Haltungen und Reaktionen um die Frage, wer im Konzert der Mennonitenkolonien die erste Geige spielen soll. Denn das hängt nicht nur von der Wirtschaftsdynamik, sondern auch von fortschrittlichem Denken und von Weltoffenheit ab.

Auffallend bei uns Mennoniten ist auch die Tendenz zum sozialen Wandel von oben, die geplante Reform. Die besten Beispiele dafür sind die Kulturreform der Kolonie Menno in den fünfziger Jahren mit ihrem Ältesten Friesen und die Gemeindereform der Sommerfelder mit ihrem Ältesten Heinrichs. Es sind nicht Revolutionen von unten, vom Volk, bei denen ein autoritäres System überwunden wird, sondern von oben, von einsichtigen und weitsichtigen Führern geplant und durchgeführt. In Menno wurde sogar ein Teil der Bevölkerung entlassen, und zwar durch Auswanderung nach Bolivien. In abgeschwächter Form funktioniert dieser Mechanismus bei uns überall. Das Volk hat sowohl beim Broterwerb als auch beim religiösen Erbe das Sagen. Die einsichtigen Führer der Gemeinschaft aber, die etwas verändern wollen, haben in Reformfragen immer auch etwas zu befürchten: "Wi tjrieje onse Mensche nich met!", mussten schon manche resigniert zugeben.

„Last not least" hat die paraguayische Verfassungsreform von 1992 bei uns einen Umwandlungsprozess im politischen Denken und Handeln in Gang gesetzt. Nicht etwa, weil diese mehr Demokratie brachte, sondern weil die darin vorgesehene Dezentralisierung mehr Entscheidungsbefugnis und Einflussmöglichkeit in die Hände der Departamentsregierungen und der Munizipalitäten legen sollte. Wir hatten plötzlich zu befürchten, dass die, die bisher unsere Arbeiter waren, zu politischen Machthabern mit Entscheidungsbefugnissen aufsteigen würden. Das unbestrittene Wohl der Mennonitengemeinschaft schien damit in Frage gestellt zu sein. Deshalb waren wir bereit, unsere Haltungen zu ändern.

Hier schließt sich der Kreis. Durch politische Unterdrückungssysteme im 16. Jahrhundert wurden wir Verfolgte, durch die Gesetzgebung der Kaiserin Katharina der Zweiten wurde das "mennonitische Reich" in der Absonderung besiegelt. Wenn "die Welt" dann diese Absonderung nicht mehr respektieren wollte, fühlten wir uns wieder verfolgt und suchten noch mehr Absonderung. Hier im paraguayischen Chaco in der Isolierung hat die "böse Welt" uns nun eingeholt, und zwar mit einer demokratischen Gesetzgebung. Wir sind wieder bereit, mit ihr zusammenzuarbeiten, auch in der Politik. Die Welt hat uns wieder.

Und jetzt noch einige Beobachtungen zu den Widerständen: In allen Gesellschaften wird dem sozialen Wandel zunächst auch mit Widerstand begegnet.(11) Die Gründe dafür liegen auf der Hand und treffen bei uns auch zu. Der stärkste Widerstand liegt in der Kultur selbst mit ihrem Netz von Institutionen. Die bestehenden Institutionen befriedigen die Bedürfnisse der Menschen. Sicher erleben die Menschen sie auch als hemmend, aber im Allgemeinen erhält der Einzelne durch sie Sicherheit und die Kultur Beständigkeit. Deshalb sind wir auch oft nicht bereit, das Bestehende in Frage stellen zu lassen und sagen einfach "wie han daut so". Wenn die betreffende Sitte, Einrichtung oder Institution dann noch von der christlichen Gemeinde abgesegnet wird, ist sie desto stabiler.

Gegenwärtig spielen die Mennoniten im Chaco die Rolle der dominanten Gesellschaft. Die Schlussfolgerung, dass das etwas mit der Effektivität unserer Institutionen, den Werten und Normen zu tun hat, ist leicht nachvollziehbar. Wenn die andern mal würden, so wie wir, dann ginge es ihnen auch besser. So bestätigen wir unsere Eigenart und sehen keinen Grund, etwas zu ändern.

Wer in einer Mennonitenkolonie versucht, eine neue Idee durchzusetzen, stößt sehr oft auf einen ziemlich starken, aber schwammigen Widerstand, der weder lokalisierbar noch definierbar zu sein scheint. Er treibt manchen Neuankömmling in die Frustration und manchen Insider in das Aus. Ich nenne dieses Phänomen die "stumme öffentliche Meinung". Wer mit ihr nicht konform geht, hat Probleme, wer mit ihr nicht zumindest rechnet, hat keinen Erfolg. An ihr ist schon manch ein Oberschulze und manch ein Gemeindeleiter in seinem Vorhaben gescheitert. Der Erfolg einer Erneuerung ist aber gut gesichert, wenn der Erneuerer es versteht, sich dieser stillen Übereinkunft zu bedienen.

Was ist denn das Anliegen der stummen öffentlichen Meinung? Ist es etwa die demokratische Beteiligung und das Mitspracherecht der breiten Öffentlichkeit? Kaum, denn das offene Gespräch ist häufig nicht erwünscht. Soll eine Sache durchgesetzt werden, so genügen einige wenige gefühlsorientierte Bemerkungen beim Tereré. Soll etwas aufgehalten werden, dann auch, manchmal genügt auch betretenes Schweigen. Dieser Widerstand ist stumm, aber zäh. Wer sind die Vertreter dieses Forums? Gute, unbescholtene Bürger, Durchschnittsmenschen. Sie äußern sich allerdings auch manchmal öffentlich, wenn es sein muss, aber eben nur dann.

Als einen letzten Widerstand möchte ich den sehr stark ausgeprägten Gemeinschaftscharakter nennen. Dieser bewirkt nämlich ein intern aufeinander abgestimmtes System von Normen und Werten. Die soziale Kontrolle ist sehr effektiv. Das Netz der Institutionen ist gut ausgebaut. Der Gemeinschaftscharakter wird in unserem Fall verstärkt durch die gemeinsame plattdeutsche Sprache, durch die ethnische Zugehörigkeit, durch den gemeinsamen Glauben, durch wirtschaftliche Kooperation und durch die geographische und soziale Isolierung. Diese Gemeinschaft im soziologischen Sinne ist für uns Mennoniten der höchste Wert. Wird sie durch irgendwelche Veränderungen in Frage gestellt, dann wehren sich meist nicht nur die konservativen Kräfte, sondern die ganze Gemeinschaft.

Zum Schluss: Sozialer Wandel in den Mennonitenkolonien ist ein Prozess, der im Wesentlichen so abläuft, wie in jeder anderen Gesellschaft. Er vollzieht sich für alle, so sicher wie sich die Erde dreht. Den einen zur Freude, den anderen zum Ärger. Aber alle müssen lernen, damit zu leben.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Weiter zum nächsten Block: Kulturelle Beiträge

Fussnoten:
Überarbeiteter Vortrag, gehalten auf einer Lehrerkonferenz in Loma Plata, Kol. Menno, 1999
GTZ : Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
Urry, James: None but Saints: The Transformation of Mennonite Life in Russia 1789-1889. Hyperion Press Limited, Winnipeg, 1989
Cohen, Bruce J.: Introducción a la Sociología, Mexico: Mc Graw-Hill 1998, S. 221
Barley, Delbert: Grundzüge und Probleme der Soziologie, 8. Aufl. Neuwied Darmstadt: Luchterhand, 1977, S. 188
Fichter, Joseph: Sociología. Barcelona: Editorial Herder, 1977, S. 350
Horton and Hunt: Sociology. Second edition. New York: McGraw-Hill, 1968, S. 460-466
Rocher, Guy: Introducción a la Sociología general. Barcelona: Editorial Herder, 1975, S. 453-454
Foster, George M.: Las culturas tradicionales y los cambios técnicos. Mexico: Fondo de Cultura Económica, 1966, S. 144-146
Dieser Begriff wurde erstmalig von dem Mennonitenforscher E.K. Francis geprägt.
Rocher, Guy: Introducción a la sociología general. Barcelona: Editorial Herder, 1975, S. 386