Vorträge | Jahrbuch 2002

Der Einfluss der Schulen im internen Wandel der Kolonie Menno in den fünfziger und sechziger Jahren
Andreas F. Sawatzky (1)

Zur Vorgeschichte:

Jede gesellschaftliche Entwicklung hat seine Vorgeschichte und so auch das Schulwesen und der Wandel in der Kolonie Menno. Obwohl die Gemeinden und deren Mitglieder, die damals in den Jahren 1926 - 28 von Kanada nach Paraguay auswanderten, sich scheinbar alle darin einig waren, dass es bei ihnen allen um das Schulwesen ginge, liegt der Gedanke nahe, dass sie auch in Bildungsangelegenheiten nicht alle derselben Meinung waren, wenn man diese Gruppen rückblickend betrachtet.

Einige Eltern dieser Auswanderer hatten ihre Kinder schon in Kanada pflichtgemäß in Staatsschulen geschickt - in einzelnen Fällen wohl schon bis zum zwölften Schuljahr. Andere Väter zahlten Strafgelder oder gingen sogar ins Gefängnis, weil sie ihre Kinder nicht in die Regierungsschulen schicken wollten. Die allgemeine Schlussfolgerung unserer Vorfahren war: „Was die Schule ist, das wird später die Gemeinde". Und da es in den Staatsschulen keinen Religionsunterricht bzw. Bibelunterricht gab, waren sie fest davon überzeugt, dass auch die Gemeinde verweltlichen würde, wenn die Kinder in `weltlichen' Schulen ihren Unterricht bekämen.

Es ist ganz logisch anzunehmen, dass Jugendliche, die in Kanada schon bessere und höhere Schulen besucht hatten und nachher hier in Paraguay ihre Familien gründeten, über das Schulwesen anders dachten als solche, die nur die zurückgebliebenen, konservativen Schulen in der mennonitischen Gemeinschaft besucht hatten; denn Bildung beeinflusst das Denken und die Haltung eines Menschen. Da hatten unsere Vorfahren mit ihrer Ansicht ganz recht, dass der Einfluss der Schulen auf die Gesellschaft und die Gemeinden nicht zu unterschätzen sei.

Dass der Keim zur Verbesserung unseres Schulwesens in Menno schon von Kanada mitgebracht worden ist, geht aus oben Gesagtem hervor und ist auch schon öfters erwähnt worden. Aber bei der Planung zur Auswanderung erhoben auch führende Persönlichkeiten den Finger und warnten, dass sie in Kanada schon zu weit mit der Welt mitgegangen seien und in Paraguay wieder zurückstecken müssten; ja zurück zum „wahren biblischen Boden", den sie in Kanada schon teilweise verlassen hätten, weil sie den Verlockungen der Welt nicht genug Widerstand geleistet hätten. (z.B. im Gebrauch von Autos, Telefon etc). Hierfür liegen Beschlüsse vor, die auf einer Predigerkonferenz am 17. Januar 1923 in Kanada gefasst wurden. Diese wurden in Menno Informiert, Ausgabe August 2001, veröffentlicht. Es liegen in unserm Geschichtsarchiv diesbezüglich auch noch andere Schriften vor.

Heinrich Ratzlaff zitiert hierzu Im Dienste der Gemeinschaft, von August 1991, aus einem Schreiben von Peter B. Funk (langjähriger Lehrer und Prediger in der Kolonie Menno): „Es muß aber noch gesagt werden, dass unter den Auswanderern auch solche waren, die etwas tiefer schauten und die Notwendigkeit einer Verbesserung des Schulwesens erkannten. Einer von ihnen hat gesagt: „Wenn die Erziehung in Haus und Schule nicht verbessert werden wird, wird die Auswanderung nichts helfen'". Aus seinen Beobachtungen und seinem Miterleben in der späteren Siedlungszeit schreibt Funk: „Die Nichtzufuhr neuer, unterrichtsbelebender Stoffe und Anregungen führte (oder hatte schon lange geführt) zu einer Erstarrung des Schulwesens. Das wurde auch immer von dem einen oder andern eingesehen, aber nicht von der `bestimmenden' Masse der Gemeinschaft, die in dem Beschreiten neuer Wege in schulischer Beziehung immer nur den Untergang ihrer Glaubensgemeinschaft witterten. Und daran scheiterte dann auch jeder Versuch, der dann und wann zur Aufbesserung und Belebung des Schulwesens gemacht wurde."

Der mitgebrachte Keim zur Verbesserung des Schulwesens in Menno fing schon in den dreißiger und vierziger Jahren an zu wachsen.

M. W. Friesen schreibt in: „Kanadische Mennoniten bezwingen eine Wildnis":(2)

Zu dieser Zeit wurde in den Schulen auch schon darum gestritten, ob man zu `A' `Au' oder richtig `A' sagen sollte. So hat mir meine älteste Schwester, aus ihrer Schulzeit, zu Beginn der dreißiger Jahre erzählt. Sie besuchte die Dorfsschule in Halbstadt. Ihr Lehrer lehrte 'A' , andere aus dem Dorf wollten nicht mitmachen mit dieser `Verweltlichung'.

Auch ich habe dies am Anfang der vierziger Jahre miterlebt, als ich zur Grundschule in Ebenfeld ging. Unser Lehrer lehrte `A' und auch meine Eltern unterstützten dies. Die Kinder einer Familie hatten von zu Hause strengstens mitbekommen, dass sie beim `Au' bleiben sollten. Als eine Schülerin aus dieser Familie dran war zu lesen, sagte sie Au, obzwar der Lehrer es mit der Aussprache schon vorher klargestellt hatte. Der Lehrer: `A!' Wieder: `Au'. Da nahm der Lehrer seinen Riemen, ging zur Stelle, gab ihr einen Hieb und wiederholte: `A!' Die Schülerin: `Au'. Als bei einer weiteren Wiederholung dieses Prozesses die Schülerin nicht beigab, gab der Lehrer es auf und ließ andere Schüler weiter lesen.

Dies scheint heute eine unbedeutende Kleinigkeit zu sein; aber es war ein wichtiger Ausgangspunkt für die Erneuerung bzw. Verbesserung in der Sprachlehre oder des Schulwesens in Menno überhaupt. Die Position bei der Mehrheit war: Man darf auch nicht in Kleinigkeiten nachgeben oder etwas ändern; denn wenn man hierin nachgibt, dann geht die `Verweltlichung' unaufhaltsam weiter.(3)

In den vierziger Jahren schon kamen interessierte Lehrer an den Abenden zusammen und haben sich gegenseitig im Gebrauch der genannten Sprachbücher (und auch anderer) unterrichtet. Denn kaum jemand aus der Zeit hatte eine Ahnung von grammatischen und orthographischen Regeln.

Ausser R. Lange hatten einige Lehrer auch noch: „Erstes, Zweites und Drittes Übungsbuch für den Unterricht in der deutschen Sprache", bearbeitet von Professor R. Rechsin, herausgegeben im Namen der Lehrerkonferenz von Cleveland.

Lehrer Martin W. Friesen hat sich durch Selbststudium und auch durch Anleitung von Fernheimer Lehrern eine Grundlage in grammatischen und orthographischen Regeln verschafft und dieses Wissen an interessierte Lehrer (und später auch in der `Knabenschule') weitergegeben. Hier gab es auch schon Bücher für die Schüler. Aus meiner eigenen Schulzeit weiß ich, dass einige Lehrer schon 1946 etwas Sprachlehrunterricht nach Richard Lange in den oberen Klassen der Grundschule (Bibler) erteilten. Dieser erweiterte Unterricht wurde in den Dörfern geboten, wo der Lehrer und die Mehrheit des betreffenden Dorfes dafür oder zumindest nicht dagegen waren. In unserem Dorf Ebenfeld war die Mehrheit dafür oder nicht dagegen.

Diese Kurse und Verbesserungsbestrebungen einiger Lehrer in den Schulen können wohl als die direkten Vorläufer unserer Fortbildungsschule, die in Ebenfeld ihren Anfang nahm, angesehen werden. Ebenfeld liegt 10 km südlich von Loma Plata.

Durch dieses Sich-Weiterbilden wie auch durch spätere regelrechte Lehrerkurse, die in Zusammenhang mit der Fortbildungsschule schon 1952 auf freiwilliger Basis eingeführt wurden, hatten die Lehrer selber neue Erkenntnisse und neue Überzeugungen gewonnen, wodurch sie mit vielen anderen zusammen das Schulwesen der Kolonie Menno mit Überzeugung und Hingabe noch über Jahrzehnte vorantreiben konnten. Der Übergang vom alten, traditionellen Grundschulwesen zum neuen vollzog sich in Menno in einem Zeitraum von etwa 25 Jahren (von Ende der vierziger bis Anfang der siebziger Jahre) und lief parallel mit der Entwicklung der Fortbildungsschule bis zum vollständigen und staatlich anerkannten Colegio Secundario im Jahr 1973.

Kurze Beschreibung der früheren Schulen, wie unsere Vorfahren sie von Kanada mitgebracht hatten

Vollständigkeitshalber gebe ich hier einen kurzen Überblick über unser früheres Schulprogramm:

Damals waren die Schüler nicht im heutigen Sinne in Klassen aufgeteilt.

Es war aber festgelegt, wie lange die Kinder zur Schule gehen sollten: Die Mädchen vom 6. bis zum 12. Lebensjahr und die Knaben vom 6. bis zum 14. Lebensjahr. Die vier Schülergruppen (anstatt Klassen) waren folgende:

Die Fibler (Anfänger): Sie lernten das ABC, leichtes Lesen und schreiben und mussten die Zahlen kennen und schreiben können.

Die Katechismer (diese konnten schon etwas lesen und der Katechismus diente als Lese-Übungsbuch) - Der Katechismus hat 202 Fragen und Antworten + 10 Gebote = 212 insgesamt.

Die Testamenter (diese konnten schon einen Teil des Katechismus auswendig nach Fragen und Antworten aufsagen - natürlich auch schon besser lesen) und das Einmaleins beherrschten, letzteres wohl nicht immer.

Die Bibler: Der Maßstab, um vom Testament in die Bibel zu kommen, so nannte man es damals (oder die Bibel zu bringen) war, dass der Schüler den Katechismus nach Abfragen ganz auswendig aufsagen konnte. Etwa drei Fehler wurden geduldet. Gleichzeitig konnten solche Schüler auch meistens besser lesen. Es gab öfters Schüler, die den Katechismus schon vor Vollendung des 9. Lebensjahres ganz auswendig hersagen konnten. Dann waren sie für den Rest ihrer Schulpflicht eben `Bibler'. Auf Schönschreiben wurde großes Gewicht gelegt: Jeden Tag eine Stunde Schönschreiben und jeden Monat wurde eine Probeschrift geschrieben, die bei Schulprüfungen den Predigern vorgelegt wurde.

Gute Schüler mussten oder durften sich auch manchmal zu den kleineren gesellen und ihnen im Schreiben und Lesen helfen, was sie sehr gerne taten, zumal dies eine angenehme Abwechselung für sie bedeutete. Während der ganzen Schulpflichtzeit musste Folgendes unbedingt auswendieg gelernt werden: Die Schulregeln, der Katechismus, bis Hundert zählen hin und zurück, das Einmaleins, Münzen, Gewichte und Maße, einige Gedichte, Lieder (besonders zu Weihnachten und Neujahr) und eine Menge von Bibelversen.

Hausaufgaben gab es nur im Lesen der biblischen Geschichten, Katechismus und Lieder oder Gedichte auswendig lernen.

Allgemein wurde viel Wert darauf gelegt, dass die Schüler auch vom Zuhören lernten. So mussten die kleineren Schüler, Fibler und Katechismer, während die biblischen Geschichten `verhandelt' wurden oder wenn die Testamenter und Bibler am Freitag den Katechismus aufsagten, mit gefalteten Händen auf dem Tisch, zuhören. Wenn sie Antworten wussten, durften sie auch die Hand heben und antworten, wenn der Lehrer eine Frage gestellt hatte.

Mit dem Sprachlehrunterricht am Ende der vierziger Jahre kamen in den fünfziger und sechziger Jahren nach und nach auch andere Fächer hinzu, so dass der traditionelle Tages- und Stoffplan in den Schulen sich auch dementsprechend mit der Zeit veränderte, aber immer nur in den Dörfern, wo der Lehrer es konnte und wollte und wo zumindest ein Teil der Dorfbewohner solches unterstützte.

So wurden z. B. am Anfang der fünfziger Jahre auch die nach Klassen eingeteilten Kempinski-Rechenbücher eingeführt. Mit der Einführung neuer Fächer ging die differenzierte Klasseneinteilung Hand in Hand.

Der Einfluss der Schulen auf den internen Wandel der Kolonie in den fünfziger und sechziger Jahren.

In allen Bereichen der Gesellschaft von Menno ging der Wandel hauptsächlich von der Fortbildungsschule und von den Männern, die diese förderten und vorantrieben, aus.

Vorbereitung von Dorfsschullehrern: Zu allererst ist hier die Vorbereitung von Dorfsschullehrern zu nennen. Die Gemeindeleitung und die Kolonieverwaltung waren zu der Einsicht gekommen, dass in Sachen Bildung etwas mehr getan werden müsste, wenn wir als mennonitische Gemeinschaft in dieser Weltabgeschiedenheit uns weiter behaupten und selbst verwalten wollten, und da musste man bei der Grundschule anfangen.

Mit unseren Schulen war es in Paraguay schon bergab gegangen und es wurde immer schwieriger, auch nur halbwegs geeignete Männer für die Führung einer Schule im Dorf zu finden und sie als Lehrer anzustellen. So wurde als Hauptbegründung dafür, dass am 16. Januar 1951 die Knabenschule in Ebenfeld, Kolonie Menno, ins Leben gerufen wurde, ins Feld geführt, dass die Kolonie besser vorbereitete Lehrer bräuchte. Denn „Stille stehen heisst zurückegehen", wurde von den führenden Männern betont, welches sich auch schon stark bemerkbar machte.

Bei einigen fand diese Begründung Anklang. Und es wurde aufgefordert, dass besonders solche Jünglinge sich zu diesem Unterricht anmelden sollten, die sich auch für den Lehrerberuf interessierten. Das war aber nicht Bedingung; denn irgendwelche interessierten Jungen wurden in diese Kurse aufgenommen. Viele von diesen Jünglingen, die in den sechs Jahren (1951 - 56) in Ebenfeld (1 Jahr in der Dorfsschule und 5 Jahre in einem Nebenhaus von Cornelius T. Sawatzky) und auch später in Loma Plata diese Schule besuchten, sind bald darauf als Lehrer angestellt und oftmals auch als Prediger gewählt geworden. Diese haben in ihrer Arbeit auch großen Einfluss auf die Gemeinschaft ausgeübt. Viele Bürger sahen dass die Schulen, die mit etwas besser gebildeten Lehrern besetzt waren, meistens mehr leisteten und für die Schüler auch interessanter waren. Und so schlugen die Wellen mit der Entwicklung der Fortbildungsschule auch in den Volksschulen immer mehr um sich.

Die Schulreform: Die traditionellen Schulen verloren immer mehr an Boden. Der Lehrdienst und der Schulverein bzw. der Schulrat gingen in Sachen der Schulreform langsam und vorsichtig vor. Die Schulreform setzte nicht gleichzeitig in der ganzen Kolonie ein und wurde auch keinem Dorf aufgezwungen; denn dazu hätte die Kolonie auch nicht genügend Lehrer gehabt um solches durchzuführen. Andererseits gab es ja auch unter den führenden Persönlichkeiten keine ausgebildeten Fachkräfte, die genau wussten, wo es entlang gehen sollte. Nur, dass es vorwärts gehen müsste und dass der Bildungsstand zu niedrig sei, war ihnen klar. „Werden wir weiter beim `Alten' bleiben, wie die Mehrheit es wollte, so wird die Gesellschaft noch weiter absacken und schliesslich ohne Lehrer und Führungskräfte bleiben. Dann würde wahrscheinlich auch hier die Regierung eingreifen, und wir wären wieder da, wo in Kanada, wo sich auch die Regierung einmischte und weshalb wir ausgewandert sind", waren wichtige Argumente um die Schulen zu verbessern, zu reformieren.

Auch im Verwaltungsbereich der Kolonie bräuchte man Männer, die Spanisch sprechen könnten. Und auch hier taten sich einige Angestellte zusammen, um gemeinsam die spanische Sprache zu erlernen: Durch Selbststudium, durch Anleitung anderer, die schon etwas weiter hierin waren (ähnlich wie beim Deutsch lernen der Lehrer). Durch die Praxis hatten sich einige mehr Kenntnisse in der spanischen Sprache angeeignet, und konnten Geschäftssachen für die Gemeinschaft abwickeln und Beziehungen zu der Regierung pflegen. Die Gemeinschaft von Menno hatte das Glück, dass Gemeindeleitung und Kolonieleitung in Sachen Weiterbildung gemeinsam vorgingen.

Die Ausbildung von Lehrern in Menno

Als erster Kandidat der Kolonie bekam ich, Andreas F. Sawatzky, im Dezember 1954 durch Lehrer Martin W. Friesen die Gelegenheit zum Spanisch lernen für ein paar Monate nach Asunción zu fahren. Lehrer Friesen wusste, dass ich gerne mehr lernen wollte, und in Menno gab es zu der Zeit nicht viele Kandidaten (vielleicht auch sonst keine) für so eine Weiterbildung. Ich hatte 1952 die `Knabenschule' bei M. W. Friesen in Ebenfeld besucht und war ab 1953 Dorfsschullehrer, wie man es damals nannte.

Dieses Angebot kam über unseren damaligen Oberschulzen, Herrn Jacob B. Reimer, vom MCC-Vertreter aus Asunción. Es handelte sich dabei um ein Stipendium vom MCC für Menno, wie mir später mitgeteilt wurde. Alle Unkosten für diesen Kursus würde die Kolonie bzw. das MCC übernehmen. Es ging hauptsächlich um Kost und Quartier; denn in einer Staatsschule brauchte man kein Schulgeld zu zahlen.

Natürlich interessierte mich das, denn ich hatte schon öfters überlegt, wie ich dazu kommen könnte, Spanisch zu lernen. Es gab zu der Zeit dazu kaum eine Gelegenheit. Unser Vater hatte für uns Jungen ein oder mehrere Büchlein mit Sätzen in Spanisch und Deutsch gekauft, woraus wir dann etwas auswendig lernten.

Ich fuhr dann Anfang des Jahres 1955 nach Asunción, nichts ahnend, was mir dort begegnen würde. Die Situation dort war dann auch ganz anders als ich sie mir vorgestellt hatte: Der Unterricht hatte schon Anfang Dezember angefangen. Es gab dort keinen „Spanischkursus", auf den ich mich eingestellt hatte, sondern Kurse für Lehrer aus dem Landesinneren („Campaña"), die überall im Lande ohne Titel und mit sehr schwacher Allgemeinbildung in den `Primarias' unterrichteten. Natürlich wurden die Kurse in Spanisch gegeben, von Lehrern, die kein Deutsch verstanden. Nach vier Sommerkursen konnten die `Lehrer' sich dann den Titel „MAESTRO NORMAL DE CUARTA CATEGORIA" erwerben.

Ich ließ mich zur Schule bringen von solchen, die die Stadt kannten und auch Spanisch sprachen. Hierbei waren mir die folgenden Personen behilflich: Die Arbeiter von unserer Vertretung in Asunción wie Jacob J. Hiebert, Abram W. Hiebert und Jacob A. Braun sowie auch Lehrer David Boschmann, Ex-Fernheimer, bei dem ich wohnte.

Da ich nicht von Anfang an da gewesen war, nahm man mich nur als `Oyente' (= Zuhörer) in der Schule auf. Ich setzte mich in die erste Klasse und machte mit, so gut ich konnte. Meine Spanischkenntnisse aber waren so schwach, dass ich nicht einmal die Fachbenennungen verstand. Worte wie Pedagogía, Didáctica, Historia, Ciencias Naturales etc. waren mir völlig fremde Begriffe. Wenn das Fach `Aritmética' dran war, dann wusste ich, um welches Fach es sich handelte; denn dabei wurden Zahlen an die Wandtafel geschrieben, aber das Wort `Aritmética' verstand ich bis dahin auch noch nicht. Auch das Wörterbuch -Diccionario- verstand ich nur zum Teil zu benutzen. Auf diese Art, dachte ich, könnte ich nicht Spanisch lernen und schrieb dann an Martin W. Friesen, teilte ihm meine Mutlosigkeit mit und meinte, es wäre wohl besser, wenn ich aufgeben und zurückkehren würde.

In einem Brief vom 8.1.55 schrieb Lehrer Friesen mir dann zurück: „Vorsteher Reimer und ich besprachen Deine Angelegenheit - die auch unsere ist - u. entschlossen uns Br. A. W. Hiebert zu beauftragen, Dir eine Spanischstunde am Nachmittag jeden Tages zu ermöglichen, welches Dich ermutigen und auch praktisch vielleicht noch mehr befähigen dürfte. Das bereits Angefangene aber sollst Du so weiter mitmachen." Weiter zeigte Herr Friesen Verständnis für meine Lage und sprach mir im Brief Mut zu, nur durchzuhalten.

Ich beteiligte mich zusammen mit Herrn Jacob J. Hiebert am Zusatzunterricht an den Abenden und nahm weiter als `Oyente' am Lehrerkursus teil.

An vielen Nachmittagen ging ich meine Lektionen aus der Schule dann mit Erwin Boschmann (ca. 16), Sohn von David Boschmann, durch und schrieb mir die unbekannten Wörter (fast alle waren unbekannt) zwischen die Linien oder machte mir Listen davon und paukte sie ein. Viele Wörter habe ich mit dem Zettel in der Hand auf dem Schulweg gelernt.

Als am 20. Februar 1955 der Kursus abschloss, konnte ich dem Unterricht schon folgen, wenn ich auch noch nicht alles verstand.

Nun hatte ich Mut gefasst und fuhr 1955 schon zum Dezember (zum Beginn des Kursus) hin, ließ mich einschreiben (was auch noch seine Schwierigkeiten hatte, weil ich kein Abgangszeugnis aus der Primaria vorlegen konnte) und schloss jeden Sommer einen Kursus ab (1956/57/58/59), womit ich den o.g. Titel erworben hatte.

Anschließend studierte ich noch zwei volle Jahre, 1959 und 1960, in einer `Escuela Normal' - Lehrerausbildung -, die ich mit dem Titel „MAESTRO NORMAL SUPERIOR, PRIMERA CATEGORIA" abschloss. Seitdem, wie auch in den Jahren 1957 und 1958, habe ich in unserer `Secundaria' unterrichtet, wenn ich nicht studierte.

1963 war ich ein Jahr als erster Austauschlehrer von Menno (PAD) in Worms, Deutschland.

In den Jahren 1968 - 71 habe ich an der Katholischen Universität in Asunción meinen „LICENCIADO EN MATEMATICAS" gemacht.

Jacob W. Hiebert schloss in den sechziger Jahren den Bachillerato in Asunción ab, studierte anschließend vier Jahre Philosophie und schloss sein Studium 1970 mit „LICENCIADO EN FILOSOFIA" ab.

Lehrerausbildung in Filadelfia, Fernheim

In den Jahren von 1957 - 1963 wuchs unsere Fortbildungsschule - Bibelschule - nach und nach in das Programm der Zentralschulen der anderen Mennonitenkolonien hinein und wurde per Resolución vom 14. Februar 1963 mit den Zentralschulen von Fernheim, Neuland, Friesland und Volendam zusammen vom Erziehungs- und Kultusministerium als `Ciclo Básico' anerkannt (vier Zentralschuljahre gegen drei Jahre). Damit wurde auch die Lehrerausbildung aufgestockt und reformiert. Sie dauerte im Anschluss an den Ciclo Básico noch drei Jahre, wie das auch beim Bachillerato der Fall war.

Vor 1963, als unsere Fortbildungsschule noch nicht nach den Programmen der anderen Zentralschulen arbeitete, gingen einige von unseren Schülern nach Filadelfia, um dort die letzten zwei Jahre der Zentralschule abzuschließen und anschließend die zwei pädagogischen Klassen zu beendigen, womit sie dann ihr Lehrerzeugnis als Grundschullehrer (Primaria) erworben hatten.

Erster Lehramtskandidat aus der Kolonie Menno war hier Heinrich W. Reimer, Sohn des langjährigen Oberschulzen Jacob B. Reimer. Er schloss seine Lehrerausbildung 1964 ab. 1965 haben seine beiden Schwestern Tina und Maria so wie Isbrand K. Hiebert auf demselben Wege diese Lehrerbildung abgeschlossen. Außer Maria haben diese Junglehrer anschließend in der Kolonie als Lehrer gearbeitet. Martin H. Sawatzky und Wilhelm F. Günther schlossen 1962 ebenfalls die Zentralschule in Filadelfia auf dieselbe Weise ab.

Von dieser Zeit an nahm die Lehrerausbildung in Menno mehr oder weniger seinen normalen Lauf: Zuerst Ciclo Básico in Loma Plata, dann weiter zur Lehrerausbildung nach Filadelfia oder Asunción.

Der erste Schüler aus Menno in Filadelfia war Jacob T. Fehr, Sohn von Jacob S. Fehr. Er schloss dort in den Jahren 1956/57 die ersten zwei Zentralschulklassen ab und 1959 den C. Básico in Asunción und war somit der erste Schüler der den Básico in Asunción abgeschlossen hat, beides ganz privat.

Gemeindetrennung und Einfluss auf dem Gebiet der Gemeinde:

In dieser Zeit wurden auch Stimmen laut, die von einer Gemeindetrennung sprachen, etwa in dem Sinne: Wir wollen beim `Alten' bleiben, `wie wir es immer gehabt haben' und uns von denen trennen, die vorwärts oder mit der `Welt' mitgehen wollen. Laut Protokoll einer Predigersitzung vom 21. September 1956 wurden bezüglich eines Austritts einer Gruppe aus der Gemeinde einige Männer auf der Predigersitzung vorstellig und wollten eine Bruderschaft anberaumt haben, wo sie offiziell aus der Gemeinde als Gruppe austreten wollten. Grund: `Weil sie ihr Altes halten wollten'. („Haulte, waus du haust, damit niemand deine Krone raube!" so steht es in der Bibel). Die Predigerschaft aber nahm den Antrag nicht an.

Und laut Protokoll einer Predigersitzung vom 19. Juli 1957 sind hier in Menno zwei Prediger der Kolonie Sommerfeld gewesen, um die Angelegenheit wegen Gemeindetrennung zu untersuchen. Laut Punkt 5 dieses Protokolls heißt es:

Im Protokoll vom 26. September 1957, Punkt 1 heißt es weiter zu diesem Thema: „Ein Brief von Ält. Isbrand Friesen (aus Sommerfeld, AS.) wurde vorgelesen; es war eine Antwort an uns auf unsern letzten Brief an ihn, in Angelegenheit einer Neugründung einer Gemeinde, welches etliche von den unsern wünschten. Es wurde aber nicht für unbedingt notwendig gehalten, ihn zu beantworten." Hiermit ist wohl das Thema Gemeindetrennung unter Mithilfe von Mennoniten aus Caaguazú abgeschlossen worden.

Es ist in Menno nie zur Gemeindetrennung gekommen, wenn es auch bezüglich des Schulwesens viel Uneinigkeit und Streit gegeben hat, z. B. auf Bruderschaften, Koloniesitzungen und auch sonstwo.

In dieser Zeit sind aber einige Gruppen hauptsächlich wegen der Schulen, der Erneuerungen in der Gemeinde und in der Kolonieverwaltung nach Bolivien ausgewandert. Sie waren auch gegen das Kooperativswesen das durch das Kooperativsgesetz der Regierung in den sechziger Jahren befestigt wurde.

In den Jahren 1956 - 1960 ist im Blick auf Erneuerungen viel Bewegung in die Gemeinschaft von Menno gekommen. Es hatte wohl damit zu tun, dass 1956 die Vereinsschule nach Loma Plata verlegt und schon 1957 in einem ansehnlichen Hause mit drei Klassenzimmern und einem Lehrerzimmer in Betrieb genommen wurde.

Laut Protokoll einer Predigersitzung vom 14. Juni 1956 wurde bereits auf der `Bruderschaft' am 9. Juli in der Kirche zu Weidenfeld über den Bau der neuen Schule informiert. Diskutiert oder abgestimmt wurde jedoch nicht, denn dazu war diese Sache noch nicht reif.

Mit diesem zu der Zeit großen Bau (Schulbau) mit auffälligen Giebelformen trat die Schule aus dem Versteck eines kleinen Hauses in Ebenfeld mehr an die Öffentlichkeit und demonstrierte damit, dass auf dem Gebiet der Weiterbildung und Schulreform wirklich etwas getan wurde und diese Entwicklung unaufhaltsam weitergehen sollte. In Loma Plata wurde gleich in zwei Klassen unterrichtet, und es wurden zum ersten Mal auch Mädchen in dieser Schule aufgenommen. Insgesamt waren 1957 in der neuen Schule 25 Jungen und 7 Mädchen, das sind 32 Schüler, während die Schülerzahl in Ebenfeld immer nur zwischen 12 und 20 Jungen betragen hatte.

Der erste Schulrat:

Laut Protokoll einer Predigerkonferenz wurde am 3. April 1952 der erste Schulrat in Menno vom Lehrdienst eingesetzt. Bis dahin unterstanden die Schulen ganz dem Lehrdienst, Gemeindevorstand; aber auch jedes Dorf für sich hatte ein gewichtiges Wort mitzusprechen, wenn es um die Anstellung und Entlohnung des Lehrers im Dorf ging. Es war für die Anstellung und den Lohn des Lehrers bis dahin verantwortlich gewesen.

Lehrdienst und Schulrat (Schulverein, Schulkomitee) arbeiteten etwa 21 Jahre (von 1952 bis 1972) parallel und zusammen in Schulangelegenheiten. Nach und nach wurde die Schulverwaltung führend auf diesem Gebiet, und auf den Predigersitzungen wurden die Punkte über Schulangelegenheiten immer weniger, so dass nach 21 Jahren Übergangszeit das Kind - Schulverwaltung - mündig wurde, so dass seit 1972 wohl kaum noch über Schulangelegenheiten auf Lehrdienstsitzungen gesprochen wurde. So viel mir bekannt ist und auch aus den Protokollen hervorgeht, hat es hierbei kaum Kompetenzschwierigkeiten gegeben. Diese Gremien haben meist gut zusammengearbeitet, auch wenn der Lehrdienst der Gemeinde nicht immer alles billigen wollte, was von der Schule aus getan wurde (z.B. in Sachen Theater, Nationalhymne singen, Mädchensport, Filmvorführungen etc.).

Das ganze Schulwesen in Menno wurde von nun ab 1972 vom Schulrat im erweiterten Sinne verwaltet. Eine Zeitlang gab es für die Schulen in Menno zwei Gremien, zwei Schulkomitees, die parallel arbeiteten: Eines für die Volksschulen und ein anderes für die Zentralschule.

Die Gemeinde war durch Prediger bzw. Gemeindeleiter immer im Schulrat vertreten und sie ist es auch heute noch.

Allgemeine Schulkasse:

1952 wurde auch die Allgemeine Schulkasse eingerichtet, und ab dieser Zeit wurden die Lehrer von einer zentralen Kasse aus, die in der Kooperative geführt wurde, bezahlt. Auch dies hat die Schulreform gefördert und begünstigt, obzwar man auch hierin anfänglich bei vielen Bürgern auf Widerstand stieß. Andere Bürger hingegen haben dieses System tatkräftig unterstützt.

Ein Teil des Schulgeldes wurde zu dieser Zeit nach der Anzahl der Rinder, die ein Bürger besaß, verrechnet. Ein Bürger, der keine Schüler mehr hatte, aber ziemlich viel Vieh, protestierte: „Mine Ossi oppen Kaump leare nuscht; woroam saul eck fea de Schoolgeld toole?!".

Aber nach und nach gewöhnte man sich daran. Dieses System hat sich durchgesetzt und wurde bald zu einer feststehenden Einrichtung, die noch heute funktioniert, obzwar sich die Art und Weise der Beiträge für diese Kasse von Zeit zu Zeit etwas verändert hat. Aber auch hier war es so: Wer das Geld hat, hat am meisten zu sagen. Und so hatte der Schulrat, in Zusammenarbeit mit dem Lehrdienst, immer mehr bei der Anstellung der Lehrer in den Dörfern mitzureden.

In den siebziger Jahren wurden die Programme für die Volksschulen in allen Dörfern mehr oder weniger angeglichen, und die Lehrer erhielten ab dieser Zeit während des ganzen Jahres Lohn mit der Bedingung, dass sie sich in der freien Zeit im Sommer auch auf andern Gebieten für die Koloniegemeinschaft unentgeltlich einspannen ließen, z.B. für Zensusaufnahmen etc. Predigern, Diakonen oder Jugendarbeitern, die zugleich auch Lehrer waren, wurden die Gemeindearbeiten als `Sommerbeschäftigung' angerechnet. Bis dahin bekamen die Lehrer nur so lange Lohn, wie sie im Jahr unterrichteten, d.h. `arbeiteten'.

Erneuerungen im Schulprogramm:

Einigen Dörfern aber war das alte Schulsystem noch am Ende der fünfziger Jahre so wichtig, dass sie sich selbständig einen `Lehrer' suchten, der sich an keiner Fortbildung beteiligt hatte. Er wurde wie früher vom Dorf aus entlohnt, auch wenn die Dorfsbürger von den allgemeinen Schulauflagen nicht freigesprochen wurden. Öfters kamen diese Dorfsbürger dann nachträglich zum Schulrat bzw. zum Lehrdienst, um die Anerkennung ihres Lehrers durchzusetzen, damit er von der allgemeinen Kasse entlohnt würde. Dies wurde vom Schulvorstand auch meistens angenommen, wenn die Dorfsbürger und der betreffende Lehrer auch etwas entgegenkamen und zur Verbesserung des Unterrichts bereit waren. Es hat aber auch Fälle gegeben, wo die gegenseitige Anerkennung auf diesem Gebiet nicht zustande kam, und man es auch halb-offiziell so gehen ließ, bis das betreffende Dorf mit der Zeit doch nach und nach einlenkte. Wieder in anderen Dörfern, wo der Lehrer sich in guter Zusammenarbeit mit dem Schulvorstand für den Fortschritt einsetzte, aber nicht alle Bürger des Dorfes hinter sich hatte, musste er sich oftmals diesen gegenüber hart verteidigen, wenn es darum ging, neue Bücher einzuführen. Es kamen dann auch einmal selbstgebildete `Kommissionen' in die Schule um nachzusehen, welche unnötigen oder gar `schädlichen' Materialien bzw. Bücher der Lehrer schon in die Schule hineingebracht hatte, um diese dann eventuell zu entfernen oder auch zu zerstören.

Es ist vorgekommen, dass der Lehrer seine Landkarten am Montag unterm Schattendach oder auf dem Hof einsammeln musste, da der Schulbesorger (wenn dieser ein Gegner der Erneuerungen war) sie beim Vorbereiten des Schulhauses für die Andacht am Sonntag hinausgeworfen hatte (Heuboden).

Ein anderer Lehrer musste seine neuen Lesebücher von den Zaunpfosten der Straße einsammeln, die ein Nachbar aus dem Dorf gegen Abend dort ausgelegt hatte, weil es nach Regen aussah und die Bücher dann dort über Nacht eingeweicht werden sollten. Dies geschah im Dorf Friedensfeld, wo Kornelius K. Sawatzky Lehrer war und Cornelius S. Kehler die Bücher zerstören wollte. Der Lehrer wurde noch rechtzeitig benachrichtigt und konnte die Bücher noch vor dem Regen einsammeln - erzählt Frau Anna Sawatzky.

Ein anderes Beispiel: Auf dem Schulzenbott in einem Dorf (Rosental), welcher in der Schule stattfand, kamen natürlich auch Schulangelegenheiten zur Sprache. Einigen Bürgern erschien die Zukunft der Schulen sehr dunkel zu sein. Ein Bürger nahm ein Erdkundebuch unterm Schülertisch hervor und sagte dann: Auf diesem Buch steht es klar geschrieben „Diesterweg"! `En so es daut uck met onse Schoole, de Wag es sea diesta!'

Mit der Erweiterung der Schulbildung machten sich auch immer mehr Mängel auf allen Gebieten bemerkbar: Lehrerkurse liefen schon seit 1952, und etwas später organisierte der Lehrdienst auch für sich Predigerkurse.

Auf Predigersitzungen des Jahres 1958 wurde angeregt, dass die Kinder erst ab dem 7. Lebensjahr schulpflichtig sein sollten, und dass das Schuljahr in den Wintermonaten von fünf auf sechs Monate zu verlängern sei, - zusätzlich Dezember - . Diese Vorschläge kamen vom Lehrdienst und sollten erst der Bruderschaft vorgestellt werden, bevor sie als Beschluss bekannt gegeben würden.

Es wurde auf einer Predigersitzung vom 3. und 4. Februar 1959 ein Lehrplan mit Einbeziehung der neuen Fächer für die Schulen in Auftrag gegeben. In Punkt 3 dieser Sitzung heißt es: „Ein Lehrplan soll ausgearbeitet werden. Selbiger soll dann dem Lehrdienst zur Prüfung vorgelegt werden, und wenn er anerkannt wird, soll er in der Vorschule (der Lehrerkursus vor Schulbeginn ist hier gemeint) durchgearbeitet werden, dass dann auch die Möglichkeit bestehe, in den Dorfsschulen mehr darnach zu arbeiten." Und weiter vom 11. März 1959, Punkt 2: „Der jetzige Stoffplan für unsere Schulen wurde vorgelesen und geprüft. Er wurde gründlich erwogen und besprochen. Es handelt sich um Sachen, die wir von je her zum Teil nebenbei in den Schulen hatten; jetzt aber zum Fach gemacht werden soll. Es wurde zugestimmt."

Lehrerkonferenzen mit anderen Kolonien:

Schon 1954/55 fuhr eine kleine Gruppe von Lehrern aus Menno aus eigenem Interesse und auf Einladung der Konferenzleitung zu einer Lehrerkonferenz des „Allparaguayischen Lehrerverbandes der Mennoniten" nach Volendam. (Es waren die Lehrer Martin W. Friesen, Kornelius K. Sawatzky und Andreas F. Sawatzky). Eine etwas größere Gruppe aus Menno hatte schon 1954 an einer Lehrerkonferenz in Gnadental, Neuland, teilgenommen. Auf beiden Stellen war die Teilnahme von Menno aus ganz inoffiziell.

Weiter heißt es in einem Protokoll einer Lehrdienstsitzung vom 14. Januar 1959, Punkt 26: „Es wurde bekanntgegeben: In nächster Zeit wird in Filadelfia ein pädagogischer Kursus gegeben. Es wurde befürwortet, dass auch unsere Lehrer sich daran beteiligen". Es nahm wohl auch eine Gruppe von Lehrern aus Menno daran teil; aber noch nicht alle. Um diese Zeit etwa sind die Lehrer von Menno auch zu Konferenzen nach Filadelfia eingeladen worden, und die mehr fortschrittlich gesinnten nahmen auch nach Möglichkeit daran teil, auch wenn es galt, mit Fahrrädern oder auf Buggis dahinzufahren.

Vereinzelt haben Lehrer aus Menno auch Hospitationen in Schulen von Fernheim gemacht. Das Umgekehrte ist auch geschehen.

Im Februar 1961 nahm schon eine größere Lehrergruppe aus Menno an einer „Allgemeinen Lehrerkonferenz" in Neu-Halbstadt, Neuland, auf Einladung teil. Auf dieser Konferenz war auch der Kulturattaché der Deutschen Botschaft in Paraguay, Herr Dr. Peter Bensch, zugegen. Herr Bensch hat sich sehr für das deutsche Schulwesen in Paraguay eingesetzt, und durch ihn haben auch unsere Schulen viel Mithilfe in Form von Lehrmitteln und Geld aus Deutschland erhalten. Menno nahm solche Mithilfen damals noch nur zögernd an; aber Lehrer Jacob Redekopp war hier schon seit 1960 an unserer Zentralschule als Lehrer tätig und der hatte wohl keine Hemmungen, sich für unsere Schulen bei der Deutschen Botschaft in Zusammenarbeit mit dem damaligen Oberschulzen, Herrn Jacob B. Reimer, einzusetzen. Die Deutsche Botschaft hat hier seitdem immer großzügig in Sachen Lehrmittelbeschaffung mitgeholfen.

Seit Juli 1963 ist der Lehrerverein von Menno Mitglied des Lehrerverbandes der Mennoniten Paraguays.

Im Protokoll einer Schulratsitzung vom 2. August 1963, Punkt 3 heißt es:

Bemerkung: Prediger Abram B. Reimer als Schulprüfer hatte mit etwa vier Lehrern zusammen (vom Schulrat dazu beauftragt) aus Menno an der Tagung in Volendam teilgenommen.

Protokoll einer Predigersitzung vom 15. Dezember 1963, Punkt 4: „Der Lehrerverein von Menno hat sich etwas voreilig dem Lehrerverband der Mennoniten von Paraguay angeschlossen; man hätte solchen Anschluss erst in weiteren Kreisen besprechen sollen, obzwar der Anschluß, der sonst keine Bedingungen in sich schliesst als gegenseitige Unterstützung, für gut angesehen wird."

Schülerfeste:

Nach 1963, als wir schon die große Aula hatten, wurden auch die ersten Schülerfeste von der ganzen Kolonie, Nord- und Süd-Menno zusammen, organisiert und durchgeführt, wo religiöse wie auch kulturelle Beiträge gebracht wurden. Das erste Schülerfest in diesem Rahmen hat wohl 1964/65 in Loma Plata stattgefunden.

Überarbeitung des Katechismus:

Eine Kommission von Lehrern (H. Ratzlaff, W. F. Sawatzky, Korn. K. Sawatzky) wurde beauftragt, den Katechismus zu überarbeiten; denn es wurde von vielen Lehrern bemängelt, dass er sprachlich wie auch inhaltlich nicht mehr ganz aktuell sei. Der Katechismus sollte aber nicht aus den Schulen verschwinden, was viele mit der Reformierung der Schulen befürchteten.

Diese Kommission hat wohl auch etwas daran gearbeitet, das Werk aber nie zu Ende geführt, und der Katechismus verschwand nach und nach in den siebziger Jahren - ohne einen offiziellen Beschluss - ganz aus den Schulen, obzwar er in einigen Schulen noch in den achtziger Jahren benutzt worden sein soll.

Dies hing auch damit zusammen, dass er in den Kirchen nicht mehr von den Taufkandidaten aufgesagt werden musste. Stattdessen legten die Taufkandidaten Zeugnis vor der Gemeinde ab.

Lehrerinnen in der Grundschule:

Es gab aber auch die andere Seite in der Kolonie. Als es hier offiziell noch nicht in Frage kam Lehrerinnen anzustellen, hatte sich in Schönwiese eine Gruppe von Eltern zusammengetan, um in einem Privathaus den Unterricht ihrer Kinder mit einer Lehrerin zu organisieren. Wie viele andere Mennobürger damals (1947/48) hatten auch sie „Flüchtlinge", die späteren Neuländer, aufgenommen und entdeckten, dass sich unter ihnen eine Frau mit Namen Agnes Martens befand, die sich für Schularbeiten interessierte. Sie selber schreibt mir dazu in einem Brief: „Als wir nach Menno kamen und einige Zeit bei Bernhard Töws waren, fragten mich Abram und Anna Bergen, ob ich nicht zu ihnen kommen wollte und ihre beiden Kinder unterrichten. Sie waren zu Besuch gekommen, die beiden Frauen waren Schwestern (Töchter von Isaak Fehrs). So ging ich dann nach Bergtal, damaliger Wohnort von Abram Bergen, und unterrichtete die beiden Kinder, bis wir im August ansiedelten. Das war mein erstes Jahr als Lehrerin. Sie verpflichteten mich gleich für den nächsten Winter, indem sie uns ein sehr zahmes Pferd gaben. Ein Pferd hatten wir schon... Im nächsten Jahr kamen schon mehr Schüler dazu, wie es sich rumgesprochen hatte. Herr Isaak Funk, dessen Kinder auch angemeldet waren, besorgte die Bücher, Landkarten und den Stoffplan für den Unterricht von C.C. Peters, der zur Zeit Zentralschullehrer in Fernheim war. Am Anfang musste ich jedes Kind persönlich nehmen und sehr intensiv arbeiten, bis ich sie alle in Klassen eingeteilt hatte. Lesen und Schreiben war sehr schwach. Rechtschreiben und Sprachlehre keine Ahnung, aber was sie konnten, das war rechnen.

... Wir bekamen auch einmal Besuch von Ohms, Ohm (Diakon) Kornelius Töws und Ohm (Prediger) Jakob Zacharias aus Waldheim. Herr Töws war aus Laubenheim. Sie waren aber, so schien es wenigstens, ganz überrascht. Die Kinder haben sich auch vorbildlich benommen und gaben immer gute Antworten. Ich bin persönlich aber nie angegriffen worden. Die Leute waren alle zuvorkommend und freundlich zu mir. Die Schwierigkeiten haben ja die Eltern durchgestanden und sie haben mich da ganz rausgehalten."

Frau Martens wurde dann von der Gruppe weiter angestellt und hat während einiger Jahre (1948 - 52) die Kinder dieser Elterngruppe in einem Privathaus unterrichtet. Sie hat während dieser Zeit bei Abram N. Bergens gewohnt und auch eine zeitlang den Unterricht im Hause von Bergens geführt. Nach Informationen von einer ehemaligen Schülerin von damals nahmen folgende Familien daran teil: Abram N. Bergen, Isaak Funk, Hein J. Töws, Abram (Eb) Bergen und Diedrich D. Neufeld, vielleicht auch noch andere.

Diese Schule wurde damals von einigen als `gottlos' bezeichnet, und der Gemeindevorstand soll auch versucht haben, sie zu schließen (aufzuheben), ebenfalls nach Informationen ihrer damaligen Schüler. Diese Bürger aber sind nicht darauf eingegangen.

Maria Rempel war die erste Lehrerin in Menno, die 1963 offiziell vom Schulverein in der Vereinsschule angestellt wurde. Sie hat hier nur ein Jahr gearbeitet, und ab 1964 war es Erna Redekopp, die hier mehrere Jahre unterrichtet hat.

In der Grundschule auf Kolonieebene wurde als erste Lehrerin 1966 Tina Reimer (Tocher des damaligen Oberschulzen J. B. Reimer) in Loma Plata angestellt. Sie hatte die Básico-Klassen in Loma Plata und Filadelfia beendigt und anschließend die Pädagogischen Klassen in Filadelfia absolviert und war somit die erste ausgebildete weibliche Lehrkraft aus Menno in einer Grundschule der Kolonie. Ihre Schwester Maria hatte mit ihr zugleich die Pädagogischen Klassen abgeschlossen, hat hier aber nicht als Lehrerin gearbeitet. Sie wanderte zum Weiterstudium aus nach Kanada und ist dort geblieben.

Singstunden:

Bald nach dem Beginn der Vereinsschule wurden in einigen Dörfern auch Singstunden (besonders mit Jugendlichen) an den Abenden eingeführt, und zwar auf dieselbe Art und Weise, wie es mit den Verbesserungen in den Dorfsschulen gemacht wurde: Wo es in den Dörfern möglich war und ein Gesangleiter (Dirigent) zur Verfügung stand, wurde mit den Singstunden begonnen. Meistens wurden Evangeliumslieder ausgesucht, die in der Dorfsschule oder auch in Privathäusern nach Ziffern und Text vierstimmig an die Wandtafel geschrieben und dann geübt wurden. Etwas später wurden die Lieder von Martin W. Friesen auf Matrizen geschrieben, vervielfältigt und in Mappen an die Sänger verteilt. Nachher wurden sie nach Themen geordnet und als dickere Hefte vervielfältigt. Auch haben wir solche Liederbücher (Harfenklang), vierstimmig in Ziffern geschrieben, von Fernheim bezogen. Diese Mappen und Bücher wurden auch vom Schulchor benutzt. Einige Leute hatten noch Notenkenntnisse von Kanada mitgebracht, und das Umschreiben von Noten nach Ziffern wurde von einem zum anderen weitergegeben.

Solche Singübstunden gab es in Ebenfeld, geleitet von Martin W. Friesen, in Osterwick, geleitet von Hein K. Braun, in Reinfeld, geleitet von Hermann W. Töws, Neuanlage, Peter B. Funk, u.a.m. In Süd-Menno gab es diese Singübstunden auch schon in den fünfziger Jahren. Leiter waren: Johann M. Funk, Wilhelm F. Sawatzky, Bernhard M. Funk, wohl in Rudnerweide und Schönau. Später gab es dann immer mehr von diesen Singübstunden mit Laiendirigenten.

Um den richtigen Ton anzugeben, wurde die Stimmgabel benutzt. Etwa um dieselbe Zeit wurde auch der Gebrauch der Stimmgabel in den Volksschulen eingeführt, immer auch nur bei den fortschrittlich gesinnten Lehrern, wo man sich damit verstand und es wollte. Eine große und sehr praktische Neuerung durch ein kleines Instrument. Bald wurde die Stimmgabel auch in den Kirchen von den `Vorsängern' (Gesangleitern) benutzt und so konnten diese das Lied nach der richtigen Tonart anstimmen, was vorher manchmal nicht der Fall war. Neben den importierten gab es auch bald hier in Schmieden nachgemachte Stimmgabeln zu kaufen.

Wenn eine Jugendgruppe eine Anzahl von Liedern geübt hatte, wurde manchmal ein Gesangprogramm gebracht, wozu dann Interessenten aus der Umgebung eingeladen waren. Aber nicht in der Kirche, sondern auf einem Privathof, wo sonst niemand außer dem Eigentümer des Hauses etwas zu sagen hatte.

Passende Gelegenheiten zu solchen Programmen gab es an Weihnachten, Ostern oder Pfingsten oder auch auf Hochzeiten, wo die Eltern `dafür' waren. Offiziell in den Kirchen wurden solche Programme noch nicht zugelassen.

Zu erwähnen ist hierbei noch, dass es vorher schon einige Gesanggruppen in Privathäusern gegeben hat, wo durch Anleitung des Hausherrn Lieder mehrstimmig geübt und gesungen wurden: Bei Peter B. Fehr Schönwiese (wohl die erste Stelle von diesen, schon Ende der dreißiger / Anfang vierziger Jahre, wie man mir erzählt hat, unter Leitung von Peter B. Funk und Bernhard R. Penner. Br. Hein Fehr aus dieser Gruppe, der die besten Voraussetzungen für die Leitung dieser Singstunden in Waldheim hatte, durfte dieses Amt nicht annehmen, da er Lehrer und Vorsänger war und in solchem Falle von diesen Ämtern suspendiert worden wäre). Außerdem gab es Singstunden bei Abram R. Funk Ebenfeld und bei Peter T. Sawatzky Reinland, soviel mir bekannt ist. Interessierte Sänger kamen hier zusammen und übten mit den betreffenden Familien Lieder vierstimmig nach Ziffern ein.

Anfang der sechziger Jahre wurde der Chorgesang schon, wenn auch etwas zögernd, in den Kirchen zum Gottesdienst zugelassen. Beim Bau der ersten großen Kirche in Loma Plata wurden vorne schon Stufen eingeplant. Da wurden einige Gemeindeglieder misstrauisch und schöpften Verdacht, dass diese sicherlich für den Chor gedacht wären. Damit hatten sie wohl auch recht; aber man tröstete sie damit, dass es ähnliche Anhöhen auch schon in unseren alten Kirchen für die Prediger und die Vorsänger gegeben habe, wenn auch nicht mit so vielen Stufen. Aber diese Kirche war ja auch viel größer, und die Stufen bräuchten wir sowieso für Prediger und Vorsänger, war die Begründung dafür. Und diese Kirche wurde gebaut, wenn auch zum Teil unter Opposition. Einige Gemeindeglieder hatten sich gar `geschworen', bei dieser nie über die Schwelle zu treten.

Zur Einweihung dieser Kirche 1962 wurde vom Lehrdienst beschlossen, dass der Chor aus der Umgebung auftreten und einige Lieder singen würde. Nicht vorne auf den Stufen, denn diese waren ja eigentlich nicht für den Chor gedacht, sondern hinten auf der Empore sollte der Chor sich aufstellen. Eingeübt hatte jemand die Lieder, der nicht Prediger war. Zu diesem Auftritt wurde aber ein Prediger bestimmt, der auch Kenntnis von Chorführung hatte. Es war Missionar und Prediger Johann M. Funk. Der Chor sang schöne Lieder zu dieser Einweihung und somit war das Eis gebrochen. Der Chor hat seither immer in dieser Kirche gesungen, wenn auch noch eine Zeitlang von der Empore aus, von wo der Chor übrigens auch eine gute Akustik hatte.

Der Osterwicker Chor hat schon im April 1962 unter der Anleitung von Heinrich K. Braun bei der Andacht (Gottesdienst) in der Kirche zu Osterwick mit Erlaubnis des Lehrdienstes gesungen, wie Hein Braun mir mitgeteilt hat. Der Dirigent sollte aber nicht vorne stehen und den Takt angeben, dirigieren, sondern aus der Mitte der Sängergruppe tonangebend wirken. In der Schule zu Ebenfeld hat der Chor, geleitet von M. W. Friesen, schon Ende der fünfziger Jahre am Sonntag in den Gottesdiensten gesungen (nach Aussagen von J. T. Friesen).

Sängerfeste:

Bald weiteten diese Singstunden sich aus zu Sängerfesten. Die ersten Sängerfeste wurden in Osterwick in der Kirche im August 1960 und in Loma Plata im August 1961 auf dem Vereinsschulhof (teilweise auch in den Klassenräumen) durchgeführt. Es kamen viele Zuhörer zu diesen Sängerfesten, auch wenn solche Veranstaltungen noch nicht offiziell von der Gemeinde akzeptiert waren. Die große Hörerschaft aber übte einen enormen Einfluss auf die ganze Gemeinschaft aus.

Leitende Dirigenten waren dabei Lehrer Bruno Epp (von auswärts) und Lehrer Jacob Redekopp, seit 1960 in Loma Plata als Lehrer angestellt (auch ehemaliger Flüchtling).

Weiter wirkten hierbei lokale „Dirigenten" mit, wie: Martin W. Friesen, Hein K. Braun, Jacob W. Hiebert, Johann F. Hiebert, Andreas F. Sawatzky, Peter B. Funk, Bernhard M. Funk, Wilhelm Sawatzky, H. Töws.

Lehrer Bruno Epp führte vor beiden Sängerfesten einen Dirigentenkursus durch. Diese beiden Sängerfeste (wie auch später folgende) wurden mit einem vorangehenden Dirigentenkursus verbunden, um lokale Dirigenten heranzubilden.

Schlussbemerkungen:

In dieser Zeit gab es noch viele Erneuerungen mehr in der Gemeinde von Menno: Die Bruderschaften wurden zu Gemeindestunden umfunktioniert, woran seitdem auch die Frauen teilnehmen. Bei Wahlen in der Gemeinde hielten sie sich anfänglich noch zurück; heute aber bestimmen sie überall in den Gemeinden mit. Das Vorsängersystem in der Kirche wurde nach und nach durch Gesangleiter ersetzt und in den Versammlungen wurde mehrstimmig gesungen. Das alte Gesangbuch ohne Ziffern und Noten wurde etwa 1966 durch das Gesangbuch der Mennoniten, 1965 in Kanada herausgegeben, ersetzt. Musikinstrumente wie Pianos und andere wurden in die Kirche gebracht; Prediger fingen an mit Krawatte hinter die Kanzel zu gehen (mit dem Ablegen des `Predigerrocks' hatte man schon in den vierziger Jahren angefangen und das war schon kein Thema mehr).

Jugendarbeiter hatten schon in den fünfziger Jahren ehrenamtlich begonnen; heute haben wir schon angestellte Jugendarbeiter, theologisch gebildete Prediger, bezahlte Gemeindeleiter und bezahlte Musik- und Gesangförderer. Die Hochzeiten werden ganz anders gestaltet als früher, z.B. heute weiße Brautkleider und Schleier (anstatt blauer oder gar schwarzer) und Trauringe, die es früher nicht gab usw.

In kultureller Hinsicht wären Vorführungen (Theater), Sportveranstaltungen, Volksmusik, Volkstänze u.a.m. zu nennen.

Die Sonntagsschule nahm in dieser Zeit an den Sonntagnachmittagen in einigen Dörfern (oftmals mit Jugendlichen) ihren Anfang. Die ganze Mennogemeinschaft hat in ein paar Jahrzehnten so eine Wandlung durchgemacht wie wohl kaum eine andere auf der ganzen Welt. Vieles hat auch mit den Veränderungen weltweit zu tun; aber die Wandlungen auf schulischem, religiösem und kulturellem Gebiet gingen in Menno wohl hauptsächlich von der Schule aus.

Benutztes Material:
- Friesen, Martin W.: Kanadische Mennoniten bezwingen eine Wildnis, Asunción, 1977
- Im Dienste der Gemeinschaft, August 1991;
- Protokolle von Predigersitzungen (Punkte über Schulwesen, zusammengefasst von H. Ratzlaff) und Schulratsitzungen;
- Befragung verschiedener Personen und eigene Erinnerungen.

Themen zur Gruppenarbeit auf dem Symposium:
  1. In wieweit beeinflussen traditionelle Elemente unser heutiges Gemeinschaftsleben, z.B. auch die gegenwärtige Schulentwicklung?
  2. Menno kommt aus einer sehr traditionell gebundenen Gemeinschaft. Nun ähnelt sich kaum noch etwas mit dem vor 60 - 70 Jahren. Schlägt das Pendel heute auch auf dem schulischen Gebiet zu weit nach der anderen Seite aus?
  3. In den letzten 50 Jahren haben sich unsere Schulen wie auch die ganze Gemeinschaft sehr stark gewandelt. Wie kann die Schule den richtigen Beitrag in diesem Wandel einbringen?
  4. Welchen Einfluss hat die Schule heute auf den internen Wandel/Fortschritt in der Kolonie?
  5. Zur Diskussion: „Was die Schule heute ist, wird später die Gemeinde/Gesellschaft (Die Gesellschaft ist das Spiegelbild der Schule)." In wieweit stimmt diese Behauptung heute noch?
  6. Wie wird unsere Schule von außen geprägt? Können wir damit in Zukunft zurechtkommen?
  7. Welche Lücken hat das heutige Bildungswesen in Bezug auf Gemeinde und Wirtschaft?
  8. Welche Lücken konnten vom alten Bildungswesen und der ersten Zeit des Wandels nicht abgedeckt werden? Welche Lösungen schlagen wir vor?
  9. Wie kann sich die Wirtschaft mehr im Bildungswesen einbringen?
  10. Wie kann sich die Gemeinde mehr im Bildungswesen einbringen?
  11. Inwieweit sollten sich die Mennoniten in der Tertiärausbildung der Region und des Landes direkt einbringen? (Was wird schon getan und welche Möglichkeiten stehen noch offen?)
  12. Welche Vorschulerziehung sollte angestrebt und gefördert werden?
(Diese Diskussionsthemen wurden zusammen von Lehrer Uwe Friesen, Schulrat Lic. Adolf Sawtzky und Lic. Andreas F. Sawatzky ausgearbeitet).

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Fussnoten:
Direktor am Colegio Loma Plata, Redakteur von „Menno informiert".
Friesen M. W., Kanadische Mennoniten bezwingen eine Wildnis, S. 118.
Bei 'Verweltlichung' spielte der Gedanke `Hochmut' immer mit. Es ist nicht mehr gut, was wir bis jetzt gehabt haben, wir wollen höher hinaus wie die Weltgelehrten, hochmütig sein!