Vorträge | Jahrbuch 2003

Landnutzung in den mennonitischen Kolonien im Chaco unter dem Blickwinkel der Forst- und Umweltgesetze in Paraguay
Rosali Goerzen (1)

Einführung:

Die Produzenten der mennonitischen Kolonien im zentralen Chaco befinden sich zur Zeit in einem Anpassungsprozess, in dem die gut bewährten Produktionstechniken mit den Forderungen der in Paraguay gültigen Forst- und Umweltgesetze abgestimmt werden. Diesem Prozess haftet zum Teil etwas Zwanghaftes an, da die Forderungen in Gesetzesform festgelegt sind. Der Prozess wird auch als „von außen auferlegt" empfunden, weil die Gesetze ohne Mitwirkung der Chaco-Mennoniten formuliert wurden. Die Gesetze sollten das Bewusstsein für den Umweltschutz landesweit fördern und auch konkrete Vorbeugungsmaßnahmen für nicht rückgängig zu machende Umweltschäden festlegen. Die Formalisierung der Gesetze führt die Investitionsprojekte in Paraguay durch verschiedene administrative Phasen, die von den arbeitseifrigen und schaffensfreudigen Mennoniten als „Bremsstufen" aufgefasst werden. Projekte, die das Landschaftsbild verändern und die Bodenoberfläche antasten, und Wegebauprojekte sind am stärksten davon betroffen. Mit weniger Problemen haben die „Urbanisierungsprojekte" zu rechnen, denn in Paraguay wird weiterhin nach Finanzbedarf der Landbesitzer durch Aufteilung Land parzelliert und besiedelt. So kann z.B. eine Fabrik außerhalb der Stadt in kurzer Zeit, je nach Urbanisierungsdynamik, ein neues Stadtzentrum bilden. Das wichtigste und grundlegendste Gesetz zur Umweltgestaltung und Reglementierung der Landnutzung wurde nämlich nicht genehmigt, das Raumordnungsgesetz (Ordenamiento territorial). Trotzdem wird weiter investiert und gearbeitet, besonders in den mennonitischen Kolonien im Chaco.

Mit viel Idealismus fordern die staatlichen Forst- und Umweltsekretariate heute umweltschonende Maßnahmen bei jedem Investitions- bzw. Rodungsprojekt. Die Reaktionen der Chaco-Mennoniten auf diese Forderungen sind sehr verschieden.

Dem wirtschaftlichen Erfolg der mennonitischen Kolonien werden heute oftmals die „Umweltschäden" gegenüber gestellt. Dies geschieht nicht unbedingt öffentlich, aber es wird hin und wieder in Austauschseminaren und Treffpunkten mit staatlichen und privaten Teilnehmern erwähnt und in verschiedenen Berichten auch zu Papier gebracht. In der staatlichen Forstabteilung und im Umweltsekretariat wird behauptet, dass das Modell der mennonitischen Produzenten durch Erweiterung der Weideflächen mit Rodungen des Busches nicht unbegrenzt weitergeführt werden kann. Die Tüchtigkeit, der Fleiß und das Erfolgsdenken der Produzenten wird als zu aggressiv für die fragile Chacoumwelt angesehen.

Andererseits wird die Umsetzung der chaco-angepassten Bauernschlauheit bewundert, die eine Wasserwirtschaft für Mensch und Tier aufgebaut hat und einen wirtschaftlichen Produktionszyklus aufrecht erhält, der jetzt schon mehr als 70 Jahre anhält.

Die folgenden Ausführungen werden aufzeigen, dass die Mennoniten schon vor der Zeit der Inkraftsetzung der Forst- und Umweltgesetze mit Problemen in diesem Bereich zu tun hatten, und dass sie damit aus eigener Kraft nicht fertig wurden.

A. Die Satellitenbilder - stumme Zeugnisse der 70-jährigen Landnutzung

Das Satellitenbild der mennonitischen Siedlungen im zentralen Chaco Paraguays zeigt einen großen, hellen Flecken, der sich mit unregelmäßigen Grenzen deutlich vom restlichen Chacobusch abgrenzt.

Dazu folgende Karten:
Satellitenbild des Gran Chaco von 1993
Luftaufnahme eines Teiles der Kol. Fernheim von 1968

Die neueren Aufnahmen von 1997, 1999 und 2002 zeigen eine Erweiterung dieses Fleckens. Dieses Bildmaterial zeigt unverblümt die Früchte der mennonitischen Arbeitsamkeit im Laufe der Jahre.

Welche Geschichte beinhaltet bzw. erzählt der große Flecken? Anhand eines zeitlichen Ablaufes soll in den nächsten Seiten eine Sammlung von Daten aneinander gereiht werden, die größtenteils aus der Kolonie Fernheim stammen und keineswegs alle Einzelheiten zum Thema abdecken werden. Einblicke zum Thema Landnutzung geben die Daten aus Berichten des Mennoblatts, von Informationsblättern, Protokollen, Gesetzen und öffentliche Berichten.

a. Die Landnutzung im Existenzkampf bis zur Konsolidierung der Kolonie (1930 - 1972)

Die Bildung dieses Fleckens begann beim offenen Bittergras-Kampland, welches als erstes Nutzungsland für die Siedler eingeteilt wurde. Die Dörfer wurden nach dem Vorbild in Russland zweireihig angelegt. Die Hofstellen wurden durch Los auf die Familien verteilt. Jeder Hof hatte je nach Größe des Kampes ca. 5 ha Ackerland. Das Buschland hielt man vorerst für unbrauchbar. Man lebte in Zelten und übte den Umgang mit wilden Ochsen und wilden Kühen, die man von Casado übernommen hatte. Es herrschte Mangel an Lebensmitteln. Die Kühe gaben die Milch nur nach dem Ansaugen der Kälber ab. Mit einer Tagesproduktion von 1 bis 1,5 lt Milch pro Tag musste eine Familie sich glücklich schätzen. Brunnen mussten gegraben werden, um Trinkwasser für Mensch und Vieh zu haben. Die großen und kleinen Bäume und Sträucher wurden mit Handgeräten beseitigt. Der Boden musste traditionsgemäß „pflugrein" gemacht werden. Dörferlandschaften entstanden mit baumfreien Straßen, Höfen, Gärten und Feldern. Den Arbeitseifer kennzeichnete das Motto: „Wir müssen uns den Verhältnissen anpassen und mit den vorhandenen Kulturen vorwärts kommen" (P. Klassen, 50 Jahre Fernheim). Man sammelte also eigene Grunderfahrungen mit Baumwolle, Erdnüssen, Bohnen, Mandioka, Süßkartoffeln, Mais und Wassermelonen, beobachtete das Chacoklima und die fremde Chaco-Pflanzenwelt. Aus Dankbarkeit für die Errettung aus Russland „akzeptierte" man die Chacoumwelt mit allen ihren Widerwärtigkeiten. Man wohnte in einem Lande des Friedens, wo man seines Glaubens leben konnte.

1931 wurde im Zentrum der Kolonie mit dem Bau des Industriewerkes begonnen. Hier wurden folgende Dienstleistungen angeboten: Bauholz sägen mit einer primitiven Kreissäge, später mit einer Gattersäge, Ölpressen der Erdnüsse und Kafir mahlen. Man nutzte die Hölzer der Chaco-Baumarten wie Paloblanco, Paratodo, Urundey, gelben und roten Quebracho, Algarrobo, Tintbaum. Das gesägte Holz wurde in Form von Brettern, Latten und Balken für den Brunnen-, Haus-, Möbel- und Wagenbau eingesetzt. Die Kooperative funktionierte als ein Handelskomitee mit einem Konsumladen. Dieses Komitee übernahm die Koordinierung der Heranschaffung der notwendigen Lebensmittel und verwaltete auch das wichtige Kapital der Bauern: Arbeitszeit im gemeinschaftlichen Einsatz zum Aufbau der Kooperative und anderer gemeinschaftlicher Einrichtungen. Anfänglich ging es um das Heranholen der Produkte und Waren von der Endstation, später auch um den Bau von Krankenhaus, Industriewerk, Kooperative. In den Dörfern wurden in Gemeinschaftsarbeit Zäune gezogen, Straßen gereinigt, Schulhäuser gebaut, Brunnen gegraben und Vieh gehütet. Für den Betrieb der Dampfmaschine wurde das Holz von den Bauern aufgekauft.

1933 und 1934 waren die Regenmengen gut, und die Baumwollerträge ließen Hoffnungen auf bessere Zeiten keimen. 200 Pferde wurden zur Erleichterung der Bewirtschaftung des Landes gekauft.

Der Fleiß und die Arbeitsbereitschaft der Mennoniten-Siedler wurde 1934 vom Ministerio de Economía in Paraguay beschrieben: „...Hütten im Herzen des Chaco ...; ...man sieht sie, Hand am Pfluge Furchen ziehend als Sendboten des Fortschritts fruchtbare Erde für die Wirtschaft des Landes erschließen. Edle Früchte sprießen aus ihren Äckern!"

„Diese Pioniere hatten nicht viel Sinn für die Natur und ihre Schönheit. Man hat eher den Eindruck, dass sie einen Feind bekämpften und erst zufrieden waren, wenn der letzte Baum gefallen war und an seiner Stelle Kulturpflanzen, wenn auch oft kümmerlich, in Reih und Glied standen"(2). „In manchen Dörfern gab es den Beschluss, in Gärten und auf den Straßen auch die vereinzelt stehen gebliebenen prachtvollen Urundey- und Quebrachobäume zu fällen, weil sie ein beliebter Sammelplatz für die schädlichen Papageien und Stärlinge sind. Der erzielte Gewinn scheint jedoch in keinem Verhältnis zu dem Verlust zu stehen. Auffallend ist die ausserordentliche wirtschaftliche Tatkraft der Kolonisten mit einer stumpfen Gleichgültigkeit gegen landschaftliche Schönheit"(3). „Die Siedler empfanden die Natur als bedrohender Feind und oft ging man radikal gegen die Vegetation vor"(4).

1937 übernahm die Kooperative die Landtitel vom MCC und die heutigen Friesländer siedelten nach Ostparaguay um. Die Hofgrößen wurden von 40 auf 100 ha erweitert. „In einzelnen Dörfern lagen 1937 schon große Dünen, die die Straßen sperrten, Obstbaumpflanzungen und Zäune bis zur halben Höhe verschüttet und sich vor den Häusern gestaut hatten".(5)

Zwischen 1938 und 1944 wurde die Molkerei eingerichtet, das Palosantogeschäft wurde in Gang gesetzt, eine Geschäftsfiliale in Mcal. Estigarribia gegründet und die Viehstation auf Laguna Porá übernommen. 1940 wurde eine größere Dampfmaschine und ein Dynamo in Betrieb gesetzt.

1944 wurden das Dorf Landskrone und 1946 die Dörfer Hohenau und Blumental südlich von Filadelfia auf größeren Kämpen gegründet. Von 1945 bis 1949 wurde eine Entkernungsanlage für Baumwolle in Betrieb gesetzt. 1947 wurden die ersten langfristigen Kredite von der paraguayischen Staatsbank gewährt. Als Garantie standen die schon erworbenen Ländereien und der Viehbestand.

Bis hierher war die Landnutzung mit ihren Eingriffen in die Natur auf die Bittergraskämpe beschränkt geblieben. Diese Sandkämpe dienten als erste Ackerflächen, weil nur das Bittergras entfernt werden musste, um zu pflügen und Saat einzustreuen. Mit dem Beginn der Mechanisierung in der Landwirtschaft erweiterte sich die Landnutzung auf die schluff- und tonhaltigen Buschböden des sogenannten Buschlandes.

1947 wurde die Versuchsstation in Zusammenarbeit mit dem MCC gegründet. Sie sollte Mittel und Wege finden, um die vielen Produktionsprobleme der Siedler zu lösen. Sie wurde auf Kampland aufgebaut. Ziel für die Zukunft blieb die Bepflanzung des Buschlandes mit Weidegräsern. Die ersten Versuche mit Pflanzenschutzmitteln gegen Ameisen und Heuschrecken wurden hier durchgeführt. Die Gründung dieser Station dürfte der Anfang einer planmäßig organisierten Beratung auf dem Land- und Viehwirtschaftssektor gewesen sein, obzwar sie anfänglich bei vielen Bauern nur ein freundliches Lächeln hervorrief.

1949 war „das Windtreiben und die Kraftlosigkeit des Bodens" für Menno Klassen (Versuchsstation) schon ein Beratungsthema. Er beschrieb damit ein Grundproblem der Kampböden. 1952 wurden Versuche mit Maschinen im Erdnussanbau durchgeführt, wodurch diese Kultur an Fläche zunahm.

1953 kam der Bulldozer von Harry Harder USA, im Chaco zum Einsatz. Gleich im nächsten Jahr traf mit Vern Buller der zweite Bulldozer ein. Beide Bulldozer wurden hauptsächlich im Wegebau eingesetzt. Diese Bulldozer zeigten, wie man den Chacobusch „besiegen" konnte und ließen neue Hoffnung aufkommen.

1955 wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert und die Landesregierung erkannte, dass die Kolonie die Wüste des Chaco in einen Garten verwandelt hatte.

Das 1956 eingeführte Büffelgras verwandelte den gerodeten, lehmigen Buschboden in Weideflächen für die Rinder. Somit wurde der Chaco-Garten erheblich vergrößert.

Im Mai 1956 liest man im Mennoblatt von Lehrer Heinrich Ratzlaff, der aus Gesprächen mit den Bauern den Bedarf an größeren Flächen betonte: „Uns stört der Busch, wir müssen Raum schaffen. Wir brauchen Maschinen, um bei dem ersten Frühlingsregen recht viel in die Erde bringen zu können, nicht 10, sondern 50, ja 100 ha müssen wir beackern. Wir brauchen neue Kulturen, ...wir brauchen Dauerpflanzungen. Wir brauchen neue Gräser für unser Vieh usw. usw".

Im Dezember 1956 meldete sich im Mennoblatt die vorausschauende Stimme von E. Oehring (Versuchsstation) zum Windschutz für die Felder. „Man beabsichtigt ja, mit den neugekauften Maschinen die Anbauflächen zu vergrößern. Dabei wird das Problem auftauchen, dass man diese größeren Flächen durch Windschutzstreifen gegen die Nord- und Südstürme schützen muss, um die Gewalt dieser Stürme zu brechen. ...Die Schutzstreifen müssen von Ost nach West angelegt werden".

Der Wert des Buschbodens wurde durch das Weidepotenzial des Büffelgrases erkannt. So wurde der Buschboden für die Dorfsiedler 1960 vermessen und zugeteilt. Dann begannen die ersten mechanisierten und großflächigen Rodungen des Chacobusches. Weideflächen mit Büffelgras wurden angelegt, der Futteranbau mit Sorghum wurde erweitert, die Weiden wurden eingezäunt. Das Büffelgras (Cenchrus ciliaris L.) wurde aufgrund seiner Trocken- und Frostresistenz die wichtigste Kulturpflanze, und breitete sich wie ein Flächenbrand aus. Kredite förderten die ersehnte Erweiterung der Produktionsfläche und die Mechanisierung der Produktion.

So erlebten die kleinen Siedlungspunkte der ersten Jahre eine flächendeckende Ausbreitung auch außerhalb der zum Teil offenen Sandkämpe. Die Bildung und Gestaltung des großen Fleckens hatte angefangen.

1961 war die Ruta Transchaco als Schönwetterstraße bis Filadelfia fertig. Milchprodukte und Eier wurden auf den Markt in Asunción gebracht.

Dem Bau der Ruta Transchaco war eine wirtschaftlich-soziale Studie von amerikanischen Fachleuten vorausgegangen, die das Produktionspotenzial des paraguayischen Chaco hervorhob und die Bedeutung der Straße betonte. Die Studie machte die umstrittene Feststellung, dass die mennonitischen Siedlungen im fruchtbarsten Teil des zentralen Chaco liegen. Diese Feststellung betrifft ganz bestimmt den Regosol-Kampboden, welcher von den Mennoniten bis dahin für die Siedlungsplätze der Dörfer und für den Ackerbau benutzt wurde. Diese Bodenart ist einmalig im zentralen, paraguayischen Chaco zu finden, wie es die Bodenkarte vom MAG-BGR, vom Dez 1999 zeigt. Es war jedoch nicht der besondere Mennoniten-Spürsinn, der diesen Boden als potenzielles Siedlungsland definierte, sondern Fred Engen und die Tobaindianer im Mai/Juni 1920 bei der Begegnung mit den Lengua-Indianern. Es war jene Aktion, die im Telegramm zusammengefasst wurde: „Ich habe das verheißene Land gefunden". Ein Jahr später wurde die Aussage von den Delegierten der kanadischen Mennoniten bestätigt. Es schien ein Gebiet zu sein, in dem es möglich sein würde, im Zeichen des Friedens auch die Entwicklung eines materiellen Wohlstandes zu erreichen.

Der Erdnussanbau stieg seit 1960 auf über 1.000 ha. Durch die Mechanisierung und die kostengünstige Ernte wurde immer mehr in diesen Sektor investiert. Drei neue Dörfer wurden gegründet: Neuwiese im Westen, Valencia und Molino im Süden. Die eifrigen Bauern hatten jedoch bald Probleme mit der Monokultur im Erdnussanbau, und die Auswirkungen der Winderosion kam ins Gerede.

1967 wurde in der Landesverfassung festgelegt, dass der Staat die Naturressourcen schützen und die Grundlagen für die Nutzungsordnungen gesetzlich regeln werde.

1968 fotografierten die Amerikaner den Chaco mit schwarz-weiß Fotos. Die Fotos zeigen die gradlinig eingezäunten Felder in den Dörfern auf Kampboden, meistens ohne jeglichen Schonstreifen. Paraíso-Bäume wurden zu jener Zeit an den Dorfstraßen gepflanzt, aber nicht als Windschutz für die Felder. Große Obstgärten wurden hinter den Wohnhäusern und vor dem ersten Feld gepflegt. Zwischen den Kämpen und Dörfern sieht man den Busch. Die Vermessungsschneisen von 1960 durchziehen den Busch. Die „3 Jeep breiten" Wege aus Vern Bullers Zeit sind klar zu erkennen.

Im August des Jahres 1968 schickte Agr. Robert Unruh einen Artikel ans Mennoblatt mit dem Vermerk, dass dieser in mancher Hinsicht zutreffend für die Chacosituation sei. (In der schweren Dürrezeit 1967 gingen Rinder aus Weide- und Wassermangel ein oder mussten notverkauft werden.) Er glaubte, „...dass es auch bei uns an einer Revolution der Landwirtschaft fehlt, besonders bei der Viehzucht und ihrer Pflege". Der Beitrag aus der „Freien Presse" beschreibt die jahrzehntelange Holzausbeute der wertvollen Arten des La Pampa-Territoriums in Argentinien. „Alles übrige wurde an Ort und Stelle verbrannt. Die Gegend verwandelte sich in eine Wüste, weil niemand sich die Mühe nahm, neue Bäume zu pflanzen. Landwirte zogen aus. Westwinde trieben die ausgetrocknete Humusschicht in das nahe Meer. Um dieses zu ändern, sind ein neues Verantwortungsgefühl und eine neue Einsicht begleitet mit Krediten notwendig...". Der Artikel sollte Gedanken anregen. Es folgten dann im Mennoblatt später zwei Artikel zu diesem Gedankenanstoß.

Im November 1968 schrieb J. Ekkert bedenklich und vorausschauend über Buschroden im Mennoblatt Nr. 21:


Im Dezember 1968 schreibt Franz Wiens im Artikel „Unsere Felder":


Unter der Spalte „Der landwirtschaftliche Berater" erschien im Mennoblatt, Januar 1970, Nr. 2 der Artikel „Wasserprobleme im Chaco" von Dieter Lamprecht. Unter Punkt 1.3 wird das Thema vom Windschutz ausgeführt.


Das Problem mit dem Windschutz schien zu der Zeit ein Diskussionsthema zu sein. Die Umweltfaktoren Wind, Wasser, Busch, Boden waren ins Gerede gekommen.

Am 7. April 1971 wurde auf der Sitzung des Fernheimer Kolonierates in Punkt 3 über Buschstreifen bei der Rodung Folgendes im Protokoll vermerkt: „Um die Pflanzungen und die Viehweiden mehr gegen die Sandstürme und eventuell auch gegen Feuergefahr zu schützen, einigt der Kolonierat sich, in Zukunft beim Buschroden auf jede 400 - 500 m einen Buschstreifen von 30 m Breite und zwar in Ost-West-Richtung als Windschutz stehen zu lassen. Der Oberschulze hat diesbezüglich auch die Verbindung mit den beiden Nachbarkolonien aufgenommen, ob wir darin einheitlich vorgehen könnten und wollten". Die Rundschrift an die Dorfschulzen erging am 13. April 1971.

Wurde diese Verordnung von den Bürgern eingehalten? Ein Jahr später, am 4. April 1972 wurde auf der Sitzung des Kolonierates in Punkt 11 vermerkt: „Diese Verordnung wird beim Buschroden nicht eingehalten, was aber unbedingt erforderlich ist... Man glaubt, dass die Bulldozerbesitzer bzw. die -arbeiter dafür verantwortlich gemacht werden sollten und nur unter dieser Voraussetzung Busch roden. Der Oberschulze wird diesbezüglich mit den Bulldozerunternehmern sprechen". In einer Rundschrift in der Kolonie: „...die Dorfschulzen gebeten werden, bei der Durchführung dieser Verordnung behilflich zu sein". Eine Rundschrift erging am 6. April 1972: „...wo dieser Beschluss nicht Beachtung findet, behalten wir uns das Recht vor, bewilligte Rodekredite zurückzuziehen, und das aus dem Grunde, weil es um eine sehr wichtige Schutzmaßnahme, die im allgemeinen Interesse liegt, geht". Die Aktivitäten im großen Chaco-Garten sind nicht so leicht zu kontrollieren.

b) Die Landnutzung mit mechanisierter Produktionstechnik (1972 bis heute)

In den siebziger Jahren gab es Möglichkeiten für langfristige Kredite, die durch den Banco Nacional de Fomento vermittelt wurden. Der einzelne Landwirt konnte seine Vieh- und Milchwirtschaft ausbauen und der Ackerbau wurde mechanisiert. Traktor und Kraftwagen verdrängten die Pferde. Kleinbetriebe mit wenig Land für Ackerbau hatten bessere Überlebenschancen durch die Kombination von Milch- und Fleischproduktion. Die Mechanisierung der Futterproduktion setzte ein. Viele Betriebe stellten auf Melkmaschinen um. Der BID-Kredit begleitete die Förderung der Milchproduktion. Rodungen wurden mit Krediten finanziert.

Im Mennoblatt 1973, Nr. 16 schrieb Andreas Sawatzky im Artikel: „Alarm - Buschrodung: geplant oder planlos?"


1973 wurde in Paraguay das Forstgesetz Nr. 422 erlassen. Dieses Gesetz wollte eine Hilfe für planmäßige Rodungsprozesse sein und beantwortete die von J. Ekkert angesprochene Frage, wieviel Busch stehen bleiben müsse; ohne jedoch auf die klimatischen Erscheinungen Bezug zu nehmen, noch zu erklären, wie man die 25%-Reservefläche festgelegt habe.

1974 wurde im Industriewerk ein neuer Dampfgenerator eingerichtet, der ein so starkes Lichtaggregat hatte, dass fast alle Dörfer mit Elektrizität versorgt werden konnten.

Im selben Jahr wurde von Andreas Friesen im Mennoblatt 1974 Nr. 12 die Frage aufgeworfen: „Wie wird unsere Kolonie nach 10 Jahren aussehen, wenn 33 Bulldozer so weitermachen?... Der biblische Auftrag `machet euch die Erde untertan' schließt auch ein Bewahren der Natur ein... Die uns vom Schöpfer anvertraute Natur dürfen wir nicht nach schrankenloser Willkür bearbeiten... uns unserer Verantwortung bewusst sein..."

Im Februar 1975 wurde das Projekt „Beratung für Land- und Viehwirtschaft im zentralen Chaco" vorgestellt. Ein Minimum an Technik müsse für die rentable Führung dieser Produktionsbereiche eingesetzt werden. Auf der Versuchsstation wurden 1976 erste Versuche mit Ackerbau auf Buschboden angefangen. Die Viehhaltung erlebte eine Intensivierung. 1977 wurden Versuche mit Strauchbekämpfung durchgeführt. Die Dörfer Boquerón (1975) und Corrales (1979) wurden gegründet. 1982 wurde das Problem der Winderosion im Zusammenhang mit der Bodenbearbeitung hervorgehoben.

Zum Thema Naturschutz erschien im Mennoblatt 1979 Nr. 24 ein längerer Aufsatz von Arnold Thielmann, der eine ganze Auflistung von Möglichkeiten zum Naturschutz präsentierte. Unter anderem wurde eine Maßnahme empfohlen, die vermuten ließ, dass nur wenige zu der Zeit das Forstgesetz von 1973 kannten.


Im Mennoblatt 1980, Nr. 2 schrieb Peter P. Klassen über einen Vortrag von Lehrer Oskar Kalisch zum Thema Umweltschutz:


In derselben Nummer meldete sich Ulrich Schmidt zum Thema Naturschutz im Chaco: „... das Buschroden im Chaco ist Mode geworden... Die Kooperative hätte die beste Möglichkeit für Naturschutz einzutreten... Viele tausende Hektar Wald, die schon gerodet wurden, sind noch nicht bezahlt. Die Angebote auf Kredite sind vielversprechend. Die Buschbesitzer kommen in große Versuchung... Nur beim Eingreifen in die Natur wäre ein Kredit fehl am Platz".

Man muss heute schon ein Stückchen fahren, um noch einen unberührten Bittergraskamp mit seinen typischen Bäumen zu finden. Im Laufe von 50 Jahren ist auf weiten Flächen in den Siedlungsgebieten alles „dem Erdboden gleichgemacht" worden.(6) Das Satellitenbild bestätigt diese Aussage.

1983 wurde die Ergebnis-Studie von „Desarrollo Regional Integrado del Chaco Paraguayo" vorgelegt. Die Studie hatte das Ziel, durch die rationale Nutzung seiner Naturressourcen den Chaco in die nationale Wirtschaft zu integrieren. Die Studie sollte eine Diagnose der Nutzungspotenziale und Nutzungsschwierigkeiten aufweisen. Die gesamte Studie stand unter der traditionellen Produktionsförderungspolitik. Die Studie legte fest, dass die Landnutzungspraktiken von Ostparaguay im Chaco nicht anwendbar seien. In Bezug auf die Mennonitenkolonien wurden die Winderosion, der Verlust der Bodenfruchtbarkeit und das Fehlen der Fruchtfolge im Ackerbau als Probleme angeführt. Die großflächige Rodung wurde nicht als Problem beschrieben, sondern nur erwähnt, dass noch keine chaco-angepassten Vorschriften zur Landnutzung festgelegt seien, welche die Einflüsse der drastischen Veränderung-Wegnahme von Matorralbusch und die Einsaat von Weidepflanzen niedrig halten könnten. Die Studie endete mit Empfehlungen zur Durchführung von Aktionen. Interessant sind die Gedanken zu den Wassernutzungsrechten, Ley Forestal für den Chaco, Rodungskontrollen mit Satellitenbildern, Aufforstungsprogrammen mit Eucalyptus-Sorten für ACEPAR, Windschutzprojekten, Regenerationsstudien der Quebrachales, Urundey, Palosanto und Paloblanco.

1983 und 1984 waren sehr niederschlagsreiche Jahre im zentralen Chaco. Man beobachtete im östlichen Gebiet der Kolonien die ersten Folgen der Versalzung des Bodens und das Absterben der Pflanzen, wenn das Wasser nicht abfließen konnte.

1985 wurde man auf die Gräsersorte Panicum maximum cv. Gatton Panic aufmerksam, weil sie den besten Weideertrag auf der Versuchstation einbrachte. Diese Sorte beseitigte die einseitige und gefährliche Abhängigkeit vom Büffelgras in der Viehwirtschaft. Die Rinderhaltung wurde größtenteils in Betrieben mit weniger als 1.000 ha praktiziert. Viele Mennoniten hatten außerhalb der Koloniegrenzen zusätzlich Land als individuelles Privateigentum erworben.

In diesem Jahr wurde im Westen das Dorf Ribera gegründet. Der Anbau von Erdnuss und Baumwolle wurde ausgeweitet. Die geringe Anbaudiversifizierung, einseitige Fruchtfolgen, unzureichende Technik der Boden- und Wasserkonservierung gehörten zu den Hauptproblemen im Ackerbau.

1985 wurde in Asunción eine der ersten Umweltstudien für Paraguay vorgestellt, die vom paraguayischen Technischen Planungssekretariat (STP) in Zusammenarbeit mit der amerikanischen AID (Agencia para el Desarrollo Internacional) erstellt wurde. Die STP trug Sorge um das Gleichgewicht zwischen Nutzung und Erhaltung der landesweiten Naturressourcen. Mit der Studie wollte die STP das Bewusstsein für die Bedeutung der qualitativen Aspekte der Umwelt hervorheben und Empfehlungen zu diesem Ziel geben. Die Studie zitierte die Rodungen im Gebiet der Mennonitenkolonien und Umgebung, das Verdrängen und Verschwinden der Wildtiere, das Verbrennen von Holz, die fragilen Chacoböden und stellte eine geringe Veränderung der gesamten Natur im Chaco fest. Im Chaco waren schon drei große Naturschutzgebiete auf dem Papier festgelegt: Tinfunqué (1966), Defensores del Chaco (1975) und Tte. Enciso (1980). Die Studie deckte die zu hoch gesteckte Zielsetzung für das Forstgesetz auf und machte auf die Mängel der praktischen Durchführung der zuständigen Instanz aufmerksam.

1986/7 wurde in Fernheim eine Kreditlinie vom Fondo Ganadero vermittelt, bei der auch Skizzen von Flächenplänen der Betriebe vorgelegt werden mussten. In den meisten Fällen ging es um ein bis vier zusätzliche Fenzen. Die meisten aufgezeichneten Pläne zeigten noch ausreichend Waldfläche, um die 25% Waldfläche einzuplanen. Wenig Wert wurde bei den Planzeichnungen auf Windschutzstreifen gelegt.

1986 wurde das Dekret 18.861 erlassen, welches Richtlinien für den Umweltschutz festlegte. Das Dekret ist als erster Ansatz für Rodungsvorschriften zu verstehen, die sich auf den Chaco und seine Umwelt-Problematiken übertragen lassen. Das Wort Chaco kam aber nicht im Dekret vor.

1987 erreichte die Erdnussanbaufläche in Fernheim 10.000 ha. Der Anbau verlief ungefähr nach folgendem Schema: Aussaat im Oktober/November, Ernte Januar bis März, in günstigen Jahren ca. 1.800 kg/ha. Nach der Ernte wurde der Boden zwei bis drei Monate offen und brach liegen gelassen, dann folgte die Unkrautbekämpfung mit der Scheibenegge. Danach drei bis fünf Arbeitsgänge je nach Unkrautdruck mit dem Kultivator. Im Frühjahr Tiefpflügen, bei Bedarf Nivellierung mit der Scheibenegge, Aussaat nach 15 mm Regen und Vorauflauf-Herbizidspritzung. Nach Auflauf der Erdnüsse Unkrautbekämpfung mit dem Kultivator bis zu fünf mal. Einige Landwirte ließen das Unkraut im Winter wachsen, dreiviertel der Bauern beseitigten das Unkraut durch mehrfaches Bearbeiten. Der Boden war in der windreichen und niederschlagsarmen Winterzeit offen und kahl. Die Schwarzbrache als Bewirtschaftungsweise förderte den starken Humusabbau bei hohen Temperaturen und Winderosionsproblemen.

1987 wurden im Osten die Ländereien von Laguna Porá an Viehzüchter verkauft. Die jährliche Neurodung und Umwandlung in Kunstweide betrug in Fernheim in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 6.700 ha/Jahr. Die Einnahmen aus der kapitalaufwendigen und stabileren Viehhaltung nahmen im Gegensatz zum risikohaften Ackerbau an Bedeutung zu.

In diesem Jahr wurde in Asunción die „Dirección de Parques Nacionales y Vida Silvestre" gegründet. Der Nationale Forstdienst verlor somit seine Aufgaben im Bereich der Naturschutzgebiete.

Im selben Jahr wurde auch eine Planungsstudie zum Projekt der Landwirtschaftlichen Versuchsstation im zentralen Chaco im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) durchgeführt. Dieses Versuchs-, Forschungs- und Ausbildungsprojekt unterstand dem Oberziel: Ressourcenschonende land- und forstwirtschaftliche Nutzung des Chaco zu ermöglichen, indem standortangepasste Produktionsmethoden entwickelt wurden. Die Studie identifizierte die „unkontrollierte Nutzung natürlicher Ressourcen bei unbekannter Tragfähigkeit" als landwirtschaftliches Kernproblem für den Chaco.


Die Studie schätzte dass in der zentralen Chacozone und Umgebung ca. 50.000 ha Busch/Jahr durch Rodung und Abbrennen verschwanden. Der Holzbedarf für die Elektrizitätsgewinnung in Loma Plata und Filadelfia wurde auf lediglich 730 ha/Jahr angeführt. „Die ökologische Verarmung, die reduzierte Wasserinfiltration, die stärkere Bodenerhitzung und die ungebremste Windbewegung wirken sich negativ auf das Mikroklima aus und die Evapotranspiration wird verstärkt. Forstliche Maßnahmen und Vorschriften sind dringend geboten, um eine Entwicklung zu stoppen, die mit Versteppung, Dünen- und Wüstenbildung enden könnte". Die Studie bemerkte, dass bei den mennonitischen Siedlern ein gewisses Problembewusstsein vorhanden sei.

Das Forschungsinstitut, welches von der GTZ am Cruce Loma Plata aufgebaut wurde, hatte die Ökologie und den Umweltschutz ganz stark in ihre zukünftigen Forschungsprogramme mit eingeplant.(7)

Die lokalen Beratungsdienste haben in den darauf folgenden Jahren gezielter die bodenschonenden Ackerbaumethoden und Aufforstungsprojekte zur Erosionsproblematik aufgegriffen. Ergebnisse der Forschungsstation wurden an die Produzenten vermittelt. Im Osten wurde die Salzproblematik als ein Umweltproblem anerkannt.

Im April 1991 wurde nach Resolution 204 im Landwirtschaftsministerium die „Kommission für nachhaltige Entwicklung der Naturressourcen des Zentralen Chaco" gegründet. Die Kommission bestand aus drei Personen vom MAG und drei von den Chacokolonien. Im August 1991 wurde das „Abkommen zur rationellen Hantierung der Naturressourcen" zwischen dem Landwirtschaftsministerium (MAG) und den Kolonien, unterzeichnet. MAG war um die Ausweitung der Umweltschäden, Winderosion, Rodungen, Versalzungen usw. besorgt. In der Auflistung von Tätigkeiten wurde von der Anwendung des Forstgesetzes gesprochen, wobei besonders die Einhaltung der Schonstreifen, Förderung von Aufforstungsprogrammen, Verhinderung des Einsatzes von Feuer als Strauchbekämpfungsmethode, Schutz der natürlichen Wasserreserven betont wurden. MAG sicherte die Ausweitung seines Wirkungskreises in den zentralen Chaco hinein zu, denn bis dahin existierte der staatliche Beratungsdienst im gesamten Chaco praktisch nicht. Wenn man bedenkt, dass die Beziehungen zwischen MAG und Mennoniten-Kolonien bis dahin auf klarer gegenseitiger Abgrenzung beruhten (Planungsstudie GTZ, 1987), bedeutet dieses Abkommen für beide Seiten einen interessanten Schritt in Richtung Integration in die nationale Entwicklungsförderung.

Der Anlass zur Gründung der Kommission war die Vorbedingung, die die deutsche Regierung Paraguay gestellt hatte, die großen Naturreserven, die es im Chaco noch gab, zu sichern. Falls Paraguay und wir (die Mennoniten-Kolonien) keinen vernünftigen Plan zum Umweltschutz vorlegten, werde Deutschland die Kredite für die Stromleitung in den Chaco nicht gewähren.(8) Dem ökologischen Gleichgewicht der Natur wurde bei der Elektrifizierung des Chaco eine große Bedeutung beigemessen. Die Finanzierung des Elektrifizierungsprojektes wurde in bestimmter Hinsicht von der Einhaltung oder Durchführung gewisser Schritte zur Naturerhaltung seitens der Chacosiedler abhängig gemacht. Die Beratungsdienste der Kolonien wurden beauftragt, die Planung und Durchführung der diesbezüglichen Aufgaben zu übernehmen. Nach außen bedeutete dies, in enger Zusammenarbeit mit dem paraguayischen Ministerium zu arbeiten.(9) Es war die Situation eingetreten, „...die zu schnellem Handeln drängt..." von der J. Ekkert schrieb. Es schien so, weil keine Ergebnisse einer „zeitigen Planung" vorzuweisen waren.

Somit begann die Zeit, in der verlangt wurde dass die Chacobewohner ihr Umweltbewusstsein durch Aktionen und Ergebnisse konkreter und offizieller unter Beweis stellen sollten.

In den neunziger Jahren zielten die Beratungsinhalte in den Mennonitenkolonien mit Nachdruck auf die naturschonenden Maßnahmen. Die Problematik der Winderosion im Westen sollte mit Aufforstungsstreifen gebremst werden, das sogenannte Ribera-Windschutzprojekt wurde angefangen. In der Methode der Bodenbearbeitung für Ackerbauflächen wurden Versuche mit Zinkengeräten, mit Minimalbearbeitung und mit Direktsaat durchgeführt. Im Ackerbau wurden umweltfreundlichere Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die auch wiederum den Baumwollanbau förderten. Der Erdnussanbau war nach 1992 von 6.000 ha auf 2.000 ha, mit sehr niedrigen Durchschnittserträgen gesunken. Das Erdnussprogramm wurde vor ein Entweder-Oder gestellt. Die Zeit der rentablen Öl-Erdnuss-Produktion war beendet und der Übergang zur Konfitüre-Erdnuss-Produktion fand statt. Ein stufenweiser Sortenwechsel führte von 1993 bis 1996 zu neuen Erfahrungen im Erdnussanbau und in der Vermarktung. Parallel wurden im Erdnussspeicher Verbesserungen zur Verarbeitung und Auslese der Konfitüre-Erdnüsse durchgeführt. Nach Beratungen mit argentinischen Fachkräften wurde die Produktionstechnik mit Blatt-Pilzbekämpfungen und verspäteten Aussaaten, Einhaltung von Fruchtfolgen leicht verändert. Die Anbaufläche stabilisierte sich zwischen 4.500 und 5.000 ha/Jahr. Die Bearbeitungsmethode änderte sich grundsätzlich in der Zahl der Arbeitsgänge, und die Unkrautkontrolle wurde verbessert. Andere Kulturen wie Baumwolle, Rizinus, Sesam und Sorghum behielten ihre strategische Bedeutung durch die Anwendung von Fruchtfolgen, die dem Erdnussanbau zugute kamen.

Die Viehzüchter trieben die Erweiterung der Weideflächen in Richtung Norden, Nordwesten und Westen der Koloniegebiete voran. Die Rinderherden wurden durch Kreuzungen verbessert und die Qualitätsverbesserung in der Fleischproduktion wurde gezielt angestrebt. Ein größerer Landblock wurde im Nordwesten an Viehzüchter verkauft. Die Viehwirtschaft war zum Hauptproduktionszweig der Genossenschaft geworden.

1991 wurde in Fernheim ein größeres Stück Land im Titel Block von Laguna Porá als Naturschutzgebiet erklärt. Es war ein Vorschlag vom Kolonieamt und er wurde auf einer Bürgerversammlung angenommen. Eine Begebenheit von beispielhaftem Mangel an Umweltbewusstsein und Umweltaggression veranlasste Heinz Th.Loewen im Mennoblatt 1991, Nr. 17 die mit der Einrichtung eines Naturschutzgebietes verfolgten Absichten zu hinterfragen. „Wehrlose Mennoniten" können nicht ohne zu schießen an einer Herde Wildschweine vorbeifahren, nach Lust und Laune wird auf Fuchs, Geier und Habicht geschossen, Zivilisationsmüll wird auf Fischlagerplatz zurückgelassen. Es fehlt nicht an dem Willen, Land zu reservieren.

1992 wird in Paraguay die neue Verfassung in Kraft gesetzt, wo im Artikel 176 im VI. Kapitel die Wirtschaftspolitik des Staates festgelegt wird. „Der Staat wird die wirtschaftliche Entwicklung durch die rationale Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen fördern, um ein geordnetes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum voranzutreiben".

Zwischen den Jahren 1992 und 1997 wurden die Studien zum Projekt „Sistema Ambiental del Chaco" durchgeführt. Das Projekt publizierte seine Studienergebnisse 1998 und 1999. Hier wurde das Satellitenbild mit dem großen, weißen Flecken von 1993 publiziert und offiziell in Paraguay bekannt. Unter vielen anderen Daten wurden hier die zu schmalen und unzureichenden Schonstreifen in den Kolonien kritisiert und das Nichteinhalten der gesetzlichen Rodungsvorschriften mit 25% Reserve aus Mangel an Verständnis, weil es sich nicht kontrollieren lasse oder weil man es einfach nicht wolle. Die Strafen sollten Aufforstungsmaßnahmen sein. Das System „Kettenroden" wurde kritisiert ebenso wie die Tatsache, dass man zu wenig Bäume stehen lasse.

Im Jahr 1996 wurde das Thema der Rodungspläne im Oberschulzenrat diskutiert. Man wollte die Rodepläne nicht in Asunción bearbeiten lassen, sondern beim lokalen Forstbüro. Die Beratungsdienste der Kolonien wurden beauftragt, für die Bürger die Formalitäten zu erledigen. Die Kontrollen der Rodungsarbeiten sollten aber vom Servicio Forestal Nacional durchgeführt werden.

Im Mai 1997 brachte ein Memorandum das Thema der Rodungspläne ins Gespräch. David F. Sawatzky, Koordinator für umweltverträgliche Nutzung der Naturressourcen im zentralen Chaco, erwähnte einleitend die positiven Ergebnisse der Kommission, wo besonders die Bewusstmachung der Notwendigkeit des Umweltschutzes hervorgehoben wurde, die Anpflanzung von Windschutzstreifen und die Vorstellung von umweltschonenderen Rodungsmethoden ohne das Brennen des Unterholzes einzusetzen. Geregelt werden musste jedoch das Thema der planmässigen Rodungsgenehmigungen, so wie sie das Gesetz Nr. 422 vorschreibt. Es folgten Vorschläge zur weiteren Ausstattung des Forstbüros im zentralen Chaco, Eintragung der Agraringenieure der Beratungsdienste in die Liste der Fachleute zur Erstellung der Landnutzungspläne im Nationalen Forstdienst (SFN), Ablauf des Genehmigungsverfahrens in Absprache zwischen MAG und den Kolonien, möglichst im lokalen Forstbüro unter Aufsicht des SFN. Man wollte mit dieser Verhandlung die bürokratischen und in Asunción zentralisierten Prozesse vereinfachen. Die Landbesitzer sollten die gesetzlichen Vorschriften einhalten und entsprechend beraten werden. Um Problemen vorzubeugen, sollte keine Rodung ohne einen genehmigten Plan durchgeführt werden. Laut Gesetz darf niemand ohne die Registrierung des Landstückes und die Vorlage eines Landnutzungsplanes auf seinem Land roden lassen.(10)

Die Kolonien verhandelten mit Dienststellen des Landwirtschaftsministeriums, um die Bürokratie bei der Durchführung der Bestimmungen zu reduzieren. Die Grundsatzbestimmungen sollten bleiben. Sie seien für die langfristige Erhaltung der Produktionsmöglichkeiten im Chaco auch notwendig. „...Mittlerweile haben wir uns schon an den Chaco gewöhnt, lieben ihn und fühlen uns hier wohl".(11) Die Grundsatzbestimmungen blieben auch für die bürokratischen Aspekte bestehen. Durch Inkraftsetzung des Gesetzes Nr. 294/93 und das reglementierende Dekret N° 14.281/96 wurde das administrative Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung hinzugefügt. Die Formalisierung zu diesem Gesetz verlängerte das Genehmigungsverfahren der Rodungsprojekte.

Um die Jahreswende 1997/98 gab es eine Konfliktsituation mit dem Forstgesetz wegen dem Palosanto-Holz-Aufkauf in Loma Plata und der Irregularität der Lieferanten, die keine „Guías" - Begleitscheine zum Holz hatten. Zur Ausstellung dieser Scheine brauchte der Lieferant einen genehmigten Landnutzungsplan. Diese Situation brachte das Thema der Rodungspläne wieder auf den Tisch.(12)

Im Juni 1998 wurde ein neues Abkommen der technischen Zusammenarbeit zwischen MAG und der Vereinigung der Mennonitenkolonien in Paraguay zur nachhaltigen Entwicklung der Naturressourcen und der Umwelt im zentralen Chaco unterzeichnet.(13) Drehachse in diesem Abkommen war die noble Absicht beider Beteiligter, gemeinsame Aktionen zur Anleitung einer nachhaltigen und sozialwirtschaftlichen Entwicklung durchzuführen. Dieses Abkommen war als Verstärkung zum ersten Abkommen zu verstehen. Die Verhandlungen hatten die Absicht, eine Entbürokratisierung und Vereinfachung der Bearbeitung der Rodungsanträge zum Gesetz 422/73 zu erreichen. Dies konnte jedoch nicht erreicht werden. Vielmehr wurde das Spektrum der gesetzlichen Bereiche erweitert, indem auch drei Verpflichtungen der Gesetze 294/93; 352/94 und 536/95 eingegliedert wurden. Man bekam den Eindruck, dass MAG die Chaco-Mennoniten zu einem Vorbild bei der Einhaltung von Gesetzen machen wollte. Mit der Unterschrift des Abkommens hatten die Chaco-Mennonitenkolonien eine Art Verpflichtung zur Einhaltung der erwähnten Gesetze ausgedrückt, was ja für Landesverhältnisse als großartig bewertet werden konnte. MAG verpflichtete sich zur Partnerschaft im Sinne einer technischen Zusammenarbeit. MAG verpflichtete sich auch, den Mennoniten des Chaco einen wichtigen Stellenwert einzuräumen.(14) Das Abkommen sollte drei Jahre gültig sein und ist nicht erneuert worden, weil kein Bedarf bestand.

Im November 1998 fand eine Besprechungssitzung statt, wo ein Kursus für die Erstellung der Landnutzungspläne gefordert wurde. Der vorgelegte und vereinfachte Rodungsplan-Entwurf wurde nicht akzeptiert.

Um die Jahreswende 1998/99 gab es wieder eine Konfliktsituation mit dem Gesetz wegen einer irregulären Rodung in Fernheim. Die Situation verlangte zur Lösung die Erstellung des Landnutzungsplans nach der Vorschrift des Forstgesetzes. Die Beratungsdienste waren mitten in den Vorbereitungen zum Ausbau einer Abteilung zur Erstellung der Landnutzungspläne. Die Bürger wurden gebeten, nicht ohne entsprechende Dokumente zu roden oder Pfosten zu transportieren.(15)

Die Gesetze, die in das Abkommen eingegliedert worden waren, wurden 1999 ins Deutsche übersetzt und Interessenten zur Verfügung gestellt.

Seit Mitte Jahr 2001 ist die Kooperative Fernheim Eigentümer eines funktionierenden Schlachthofes. Die Viehwirtschaft wird durch diese Verarbeitungseinrichtung weiter gefördert, ohne die andern Produktionszweige aus dem Auge zu lassen.(16) Ende 2002 kaufte die Kooperative den östlichen Block der Estancia Remonia, deren Landstücke an vorher gekaufte Ländereien anschließen.

Produzenten haben in diesen Jahren verstärkt umweltfreundlichere Produktionstechniken auch beim Roden und Nacharbeiten der Weiden eingesetzt. Die Richtlinien und Empfehlungen der „Licencia Ambiental" werden zum Teil berücksichtigt.

In den Jahren 1999 bis 2003 sind in den Kolonien ca. 350.000 ha Land in Landnutzungsplänen bearbeitet und bis soweit ca. 189.000 ha (54% Rodungsfläche im Durchschnitt) zum Roden freigegeben worden. Allein in Fernheim sind ca. 130.000 ha Land in Landnutzungsplänen bearbeitet und 53.000 ha zum Roden freigegeben worden. Das sind 10.600 ha/Jahr Rodungsfläche mit legaler Genehmigung. Durch diese Landnutzungspläne sind 87.500 ha in der gesetzlich verlangten 25%-Reserve festgelegt. Die Schonstreifen nehmen durchschnittlich zwischen 12 - 16% der Gesamtfläche eines Landstückes ein.

Die Daten zeigen, dass die Rodungsfläche pro Jahr durch die administrativen und legalisierten Verfahren keineswegs niedriger ist als vor der Einsetzung dieser Prozesse. Die Produzenten stellen sich sicher unter den Schutz der offiziellen Genehmigungen und investieren weiter in neue Weideflächen. Durch die Formalisierung der Landnutzungspläne und die Genehmigungen der Rodungsanträge ist die Zeit beendet, von der P. Klassen schrieb: „Im Chaco tragen die Mennoniten bis heute alleine die Verantwortung für die Zukunft eines riesigen Gebietes". Ob man heute in den mennonitischen Kolonien Verständnis dafür hat, dass die zuständigen Forst- und Umweltbehörden sich unter Einhaltung gewisser „Spielregeln in Form von gesetzlichen Bedingungen" mitverantwortlich an der Erweiterung und Gestaltung des „großen Flecken" machen?

Bei der Herstellung dieser Landnutzungspläne wird den potenziellen Wasserstellen eine wirtschaftlich-strategische Bedeutung beigemessen und möglichst mit der vom Gesetz geforderten 25%-Reserve abgestimmt, um eine größere Zuflussfläche für das Wassersammeln in den sogenannten „Tajamares" zu sichern.

Nach Angaben der Federación Paraguaya de Madereros sind in den Jahren 2000 bis 2003 aus dem gesamten Chaco 329 Landnutzungsprojekte eingereicht worden, davon waren 215 (65%) aus den drei Chacokolonien. Die Projekte umfassen eine Landfläche von 1,2 Mill ha. Das sind insgesamt 400.000 ha Rodungsfläche, die in dieser Zeit genehmigt wurden. Davon gehören 189.000 ha (47%) zu den Projekten der drei Chacokolonien. Diese Daten zeigen, dass die Mennoniten-Kolonien nicht mehr die einzigen Gestalter des hellen Fleckens auf der Karte sind. Ihr Nutzungsmodell wird von anderen Landeigentümern im Chaco übernommen.

Nach Daten aus dem Beratungsdienst Fernheim, 2003, haben die drei Chacokolonien ca. 22.000 ha Naturschutzgebiete. Durch die Erstellung der Landnutzungspläne und Festlegung der 25% der Reserve in der Betriebsfläche sind zusätzlich noch 87.500 ha dazugekommen. Das ergibt eine Fläche von insgesamt 109.500 ha. Die Gesamtfläche der 3 Kolonien liegt bei rund 1,4 Mill. ha.

Über die Rodungen und Rodungsflächen ohne legale Genehmigungen sind keine Daten und Flächen bekannt, nur Namen. Es ist jedoch bekannt, dass heute mennonitische Bulldozerunternehmer und Produzenten noch Rodungen ohne legale Genehmigungen auf eigenes Risiko durchführen.

B. Allgemeine Informationen zu den Gesetzesinhalten

Der Staat mit seinen Behörden bringt in Gesetzen seinen Willen gegenüber den Landesbewohnern zum Ausdruck. Die Gesetze sollen als „Spielregeln" für die verschiedenen Aktivitäten der Landesbewohner angesehen werden und haben im Falle der Forst- und Umweltgesetze vorbeugenden Charakter. Die Gesetze enthalten viele Forderungen, die den Absichten der mennonitischen Gemeinschaften im Chaco im Grunde genommen sehr nahe kommen und noch darüber hinaus reichen.

a) Auf der Grundlage des „alten" Forstgesetzes N° 422 von 1973, erlassene Dekrete und Resolutionen:

In Paraguay wurde 1973 das erste Forstgesetz erlassen, nachdem Forstexperten der FAO 1956 (Leopoldo Perfumo u. Claudio Pavetti), 1957 (F. Cermak) und 1966 (Lucas A. Tortorelli) Daten über die abnehmenden Waldflächen und die Eigenschaften der Hölzer publizierten. Besonders die Studie von Tortorelli hatte gezielt auf die Notwendigkeit einer geregelten Ausbeutung der Wälder und Nutzung der Hölzer hingewiesen. Er hatte auch einige Daten über die Vegetationsformen und Baumarten im Chaco zusammengefasst. Er wies ganz allgemein auf die ungeplanten Rodungsprozesse hin, bei denen weder die Bodeneigenart noch die Holzmenge, die im Wald ist, berücksichtigt wurde. Folglich entstanden Probleme mit Wassererosion, die manche Siedlungen zum Umzug in neue Waldgebiete zwangen. Er schätzte, dass im Jahr 1980 nur noch 20% Waldfläche in Paraguay vorhanden sein würde, wenn die Nutzung und Ausbeutung weiterhin planlos ohne Zählungen und Messungen durchgeführt würde. Er verwies auch auf die Notwendigkeit der Aufforstung mit Eucalyptus- und, Pinus-Arten, weil die Holznachfrage weltweit ansteige. Auffallend ist, dass er nicht die Paraíso-Art erwähnte, die im Chaco zu jener Zeit versuchsweise und in Dorfreihen angepflanzt wurde.

Das Forstgesetz wurde als Reaktion auf die bis dahin bekannten und ungeplanten Rodungsprozesse besonders in Ostparaguay erlassen. Im Chaco war es zu der Zeit auch nicht viel anders, denn die ungeplanten Rodungen waren schon ein Diskussionsthema. Durch das Forstgesetz wurde die Ausübung der Rechte über Wälder und forstwirtschaftliche Gebiete den Einschränkungen und Begrenzungen unterworfen, die in den Verordnungen festgelegt wurden. Die Hauptziele dieses Gesetzes wurden in neun Punkten beschrieben. Die rationale Nutzung der forstwirtschaftlichen Ressourcen des Landes, die Bekämpfung der Bodenerosion, der Schutz der Wasserstromgebiete und Quellen, die Förderung von Aufforstung, der Schutz der Ackerfelder, Schutz und Verschönerung der Verbindungswege und Tourismusgebiete seien die wichtigsten. Die Bekämpfung der Bodenerosion und der Schutz der Ackerfelder passte schon zu den Problemen, mit denen man in den Mennonitenkolonien eine gewisse Not hatte.

Im 21. Artikel wurde der Wirkungsrahmen des Forstgesetzes festgelegt: „Dieser Gesetzesordnung sind alle im Landesterritorium vorhandenen Wälder und forstwirtschaftlichen Ländereien unterstellt". Auch die Chacolandschaft gehört zu diesem Landesterritorium. Nach dem 24. Artikel erlaubt dieses Gesetz „die Nutzung der Wälder erst nach vorheriger Genehmigung seitens des Nationalen Forstdienstes. Zu diesem Zweck muss ein entsprechender Antrag mit einem Arbeitsplan eingereicht werden. Der Antrag muss innerhalb einer Frist von 60 Tagen beantwortet werden".

Im 26. Artikel wird der Transport und die Vermarktung der Hölzer und anderer forstwirtschaftlicher Erzeugnisse geregelt. Diese Aktivitäten dürfen nicht ohne die vom Nationalen Forstdienst ausgestellten Begleitscheine (die sogenannten „guías") vorgenommen werden, auf denen die Anzahl, die Art, das Gewicht oder die Menge, die Herkunft und der Bestimmungsort der transportierten Erzeugnisse angegeben sein müssen.

Unter den Nutzungsordnungen ist im Artikel 42 festgelegt, dass „auf allen ländlichen Grundstücken von mehr als 20 Hektar 25% der natürlichen Waldfläche erhalten bleiben. Falls dieser Mindestprozentsatz nicht vorhanden ist, muss der Eigentümer eine Fläche aufforsten, die 5% der Grundstücksfläche entspricht". Diese Verordnung wird im Dekret 18.831 vom Dez. 1986 im 11. Artikel mit Nachdruck wiederholt. In der Resolution 001 vom Jahr 1994 wird diesbezüglich klärend und weiter ausführend im 1. Artikel „festgelegt, dass die 25% Naturwald aus einer zusammenhängenden und kompakten Waldmasse bestehen müssen. Diese Forstmasse kann für Produktionszwecke bewirtschaftet werden". Diese Klärungen zur gegebenen Nutzungsordnung sind offensichtlich auf Nachfragen von Landeigentümern und aufgrund von Einhaltungsschwierigkeiten in der Praxis notwendig gewesen. Darunter befanden sich ganz bestimmt auch Stimmen aus den mennonitischen Kolonien.

Das Dekret 18.831 von 1986 legt Richtlinien für den Umweltschutz fest. Konzepte wie Schutzregeln für Naturressourcen, Böden, Wassereinzugsgebiete und Wasserläufe werden als Zielsetzung in den ersten zwei Artikeln angesprochen.

Der 3. Artikel verlangt, dass „für den Schutz der Flüsse, Bäche, Quellen und Seen zu beiden Seiten derselben ein Waldschutzstreifen von mindestens 100 m stehengelassen werden muss". In der Resolution 001 wird im 3. Artikel diesbezüglich noch ergänzt, dass dieser Waldschutzstreifen nicht als Teil der 25% Naturwald miteingerechnet werden darf. Diese Verordnung wird heute vom Umweltsekretariat oftmals auch für trockene, mit Sand höher aufgeschwemmte, flussähnlich verlaufende Sandkämpe und Paleocauces (ehemalige Flussläufe) gefordert, besonders dann, wenn solche Gebiete den 25% Naturwald zugeordnet werden.

Der 6. Artikel im Dekret 18.831 „verbietet das Abholzen von mehr als 100 ha in einem Stück und verlangt Waldstreifen von mindestens 100 m Breite zwischen den Parzellen". In der Resolution 001 wird im 2. Artikel ergänzt, dass diese „100 m breiten Waldstreifen nicht als Teil der 25% Naturwald mitgerechnet werden dürfen".

Die Resolution N° 729 aus dem Jahr 2000 war eine der ersten speziell für den Chaco erlassene Forstverordnung. Sie erklärt die Forderung der 100 m breiten Schonstreifen in Richtung Osten-Westen als notwendig bei Rodungsflächen von über 100 ha. Zusätzlich sollen 100 m Schutzstreifen rings um das Landstück stehen gelassen werden. Bei kleineren Rodungsflächen sollen die Schutzstreifen 50 m sein. Die 25% Reserve können aus technischen Gründen aufgeteilt werden.

Das Dekret 18.831 verlangt von jedem Land-Eigentümer, der Land-, Vieh- oder Forstwirtschaft betreibt, die Anwendung von Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Erosion, die Vermeidung der Überweidung, die Anwendung von Maßnahmen zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Es ähnelt in gewissem Sinne dem biblischen Auftrag von 1.Mose 2,15: „Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre" (Zürcher-Übersetzung). Dieses Dekret wurde erlassen, nachdem schon einige Studien über die wirtschaftlichen Errungenschaften des Chaco durchgeführt worden waren und man erkannt hatte, dass die üblichen Landnutzungsbestimmungen unpassend für den Chaco waren. Eine Studie hatte sogar die Erlassung einer Ley Forestal für den Chaco vorgeschlagen. Dieses Dekret ist als eine Antwort auf die Umweltproblematiken im Chaco anzusehen.

Im Jahr 1993 wurde das Palo-Santo-Dekret Nr. 18.105 erlassen. Dadurch soll das Abholzen und die Nutzung von Palo Santo (Bulnesia sarmientoi) begrenzt werden. Der Anlass für dieses Dekret war die massive Ausbeutung für Handelszwecke und die steigende Nachfrage im Export, der einen Raubbau an dieser Art verursacht, welcher in kurzer Zeit zu deren Aussterben führen kann, wenn keine wirksamen Schutzvorkehrungen getroffen werden.

b) Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung N° 294 von 1993

Dieses Gesetz verpflichtet zur Bewertung der Auswirkungen verschiedener Aktivitäten auf die Umwelt. Zu diesen Aktivitäten zählen: menschliche Ansiedlungen, Nutzung in landwirtschaftlichen Viehzucht-, Forst oder Farmbetrieben, Industrieanlagen und Betriebe jeder Art; Abfallentsorgung, Wegebau im Allgemeinen, Herstellung von Holzkohle und anderen Energieerzeugern, Bauvorhaben, Rodungen und Ausbaggerungen und jegliche andere Aktivitäten, die aufgrund ihres Ausmaßes oder ihrer Intensität Auswirkungen auf die Umwelt haben könnten.

Im 12. Artikel wird das Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung, die sogenannte „Erklärung über die Auswirkung auf die Umwelt" (Declaración de Impacto Ambiental oder Licencia Ambiental) als unumgängliche Vorbedingung für den Erhalt von Genehmigungen anderer amtlicher Dienststellen festgelegt. Wenn es sich um ein Rodungsprojekt handelt, muss dieses erst den Prozess im Umweltsekretariat abschließen, und mit der „Licencia Ambiental" wird das Projekt dem Forstdienst zur Prüfung eingereicht.

Der Vorgang der Umweltverträglichkeitsprüfung sieht vor, dass die Stadtverwaltung des betreffenden Bezirkes (Munizipalität) eine Standortbescheinigung für das betreffende Projekt ausstellt. Zusätzlich wird von der betreffenden Departamentsverwaltung eine Erklärung verlangt, ob Interesse an dem Unternehmen oder Vorhaben des Projektes besteht. Im vorgegebenem Umweltfragebogen wird das Projekt beschrieben und mit den erwähnten Bescheinigungen im Umweltsekretariat zur Prüfung vorgelegt. Das Umweltsekretariat hat die Befugnis, zusätzliche Informationen vom Projektinhaber zu verlangen, wenn der Umweltfragebogen ungenügende Auskunft über Umweltveränderungen im Umfeld gibt. Wenn z.B. ein Rodungsprojekt vorgelegt wird und der Landnutzer nur einen Teil des Landes besitzt, müssen zusätzliche Daten über die Buschverteilung auf dem Landtitel vorgelegt werden, um zu prüfen, ob die 25% Naturwald auf dem Titel auch nach der Durchführung des Projektes erhalten bleiben.

c) Gesetz Nr. 352 Naturschutzgebiete Juni 1994

Dieses Gesetz erklärt in Artikel 2, „dass der Nationale Naturschutz von sozialem Interesse und gemeinnützig ist und nach dem vorliegenden Gesetz und dessen Verordnungen geregelt wird. Alle Einwohner, private Organisationen und staatlichen Institutionen haben die Pflicht, die Naturschutzgebiete zu bewahren".

Naturschutzgebiete werden nach Artikel 4 als


Als ein Dauerziel des Nationalen Naturschutzsystems wird nach Artikel 16


Das Gesetz unterscheidet den formellen Prozess zur Erklärung von staatlichen und privaten Naturschutzgebieten. „Vorbedingung ist bei den privaten Naturschutzgebieten ein entsprechender technischer Nachweis der besonderen Merkmale und Ressourcen in dem betreffenden Gebiet und ihre Bedeutung für die jetzige und zukünftige Erhaltung des Ökosystems, der Ökoprozesse und Naturschätze". Durch die Festlegung der Bewirtschaftungskategorie des Naturschutzgebietes werden die Aktivitäten festgelegt, die in diesem Gebiet zugelassen werden (Artikel 6, 7 u. 9)

Naturschutzgebiete im Privatbesitz, die mit einem Dekret „als solche erklärt worden sind, brauchen keine Grundsteuer und auch keine Ersatz- und Zusatzsteuer zahlen, die für das betreffende Landstück entrichtet werden".

Nach den administrativen Regeln dieses Gesetzes sind zumindest in Fernheim noch keine Naturschutzgebiete „formalisiert". In den meisten Fällen in Paraguay kommt dieser Prozess erst bei „Bedrohung" durch ilegale Landbesetzer in Gang. Das Gesetz zeigt aber auch, dass Naturschutz mehr bedeutet, als Land vor der üblichen Nutzung zu schützen. Die Festlegung eines Naturschutzgebietes sieht vor, dass durch einen Planungsprozess eine Zielsetzung für ein bestimmtes Landstück festgelegt wird. In diesem Themenbereich sieht die Situation so aus, wie sie in dem oben zitierten Aritkel von Heinz Th. Loewen umschrieben wird. Man bekommt fast den Eindruck, dass man Naturschutzgebiete nur zum „alles Wild abknallen" haben will. Es scheint noch nicht die notwendige Reife für die Erschließung der Naturschutzgebiete nach den Regeln dieses Gesetzes vorhanden zu sein.

d) Gesetz zur Förderung der Aufforstung und Wiederaufforstung Nr. 536 vom Januar 1995

Der Unterschied zwischen Aufforstung und Wiederaufforstung wird im 2. Artikel erklärt: „Aufforstung ist die Anpflanzung von Wäldern mit einheimischen und ausländischen Baumarten auf Gelände, wo es keinen oder nicht genug Wald gibt. Wiederaufforstung ist die Rückgewinnung früherer, ausgebeuteter Waldgebiete durch die Anpflanzung, den gesteuerten Wiederaufwuchs und die Ansaat von Baumarten". Im Dekret 9.425 vom Juni 1995 wird Wiederaufforstung im Artikel 2d unter anderem auch als „gezielte Regenerierung" erklärt. Durch Maßnahmen mit gezielter Regenerierung kann im Chaco viel realistischer an Wiederaufforstung gedacht und dieser geplant werden. Mit gezielter Regenerierung kann ein Bauer die lästige Verstrauchung der Weiden gezielt für Schutzmaßnahmen einsetzen. In diesem Bereich hat die Chaco-Umwelt ein starkes Nutzungs-Potenzial.

Schlussgedanken:

a) Zum Satellitenbild:

Bei genauerem Hinsehen und unter farbigen Verhältnissen kann man bei dem Bild im zentralen Teil des Fleckens nur sehr wenige Waldflächen um die Siedlungszentren sehen. In gewisser Entfernung von diesen erkennt man aber schon, dass auch andere Rodungsmodelle mit breiteren Schonstreifen und größeren Reserven praktiziert wurden. Manche von diesen vorbildhaften Landstücken gehören nicht den mennonitischen Siedlern, sie haben aber ein positives Bild nach der Rodung hinterlassen. In dem Teil vom Bild, der in den siebziger und achtzigerJahren gerodet wurde, sieht man als Reserven oftmals ganz kleine Buschinseln, die in vielen Fällen als Paloblanconiederungen identifiziert werden. Diese sind immer besonders vor den Rodungen verschont geblieben, einmal wegen ihrer Schönheit und andererseits wegen der potenziellen Wasserstellen. Die Schonstreifen wurden in diesen Jahren „sehr schlank" angesetzt. Sicherheit vor Feuer können solche Schonstreifen nicht geboten haben und tun dies auch heute nicht.

Wenn Produzenten heute das Satellitenbild sehen, sei es vor dem Kauf eines Landstücks, oder für die Planung der Rodungsverteilung wird ihnen klar, dass heute keine Prozesse auf dem Landstück mehr verborgen oder unbekannt bleiben. Die Bilder sind eine Informationsquelle über Wald, Weide und Bodenbearbeitung, die heute jedem zur Verfügung steht, um Planungsdaten, für Rodungen zu erhalten oder um Kontrollen der Rodungsprozesse, auch von Seiten der zuständigen Behörde durchzuführen. Man sieht die Schonstreifen, wenn sie zu schmal geraten sind, und man sieht genau ob die 25% wie geplant stehen bleiben.

Die Satellitenbilder bedürfen keiner Rechtfertigung, höchstens die Erklärung dass sie Wald erst bei 30 oder 15 m Breite erkennen lassen.

Die Satellitenbilder des zentralen Chaco beantworten in wenigen Worten, die ins Gewissen formulierte Frage des Schöpfers: „Was hast du aus dem allem gemacht?" Der Auftrag des „Untertan-Machen" nach 1. Mose 1,28 wurde ausgeführt.

b) Zur Winderosionsproblematik auf Ackerböden:

Das Problem der Winderosion scheint fast 50 Jahre alt zu sein. In den Jahren mit weniger Niederschlägen ist es stärker vor Augen als in regenreichen Jahren. Dennoch wird wenig aus eigener Initiative dagegen gemacht. Dieses Problem betrifft zur Zeit ca. 1% der Fläche in Fernheim. Früher wird der Prozentsatz Fläche höher gewesen sein, weil die Kolonie insgesamt weniger Land hatte. Der vom Wind angehäufte Sand findet einen guten Markt im Bausektor, besonders bei den Dörfern in der zentralen Gegend um Filadelfia herum. Ist Fläche wirklich so teuer im „alten Teil" der Kolonie, dass man nicht paar Reihen Neem pflanzen oder 10 - 15 m Strauch wachsen lassen kann? Die sichtbare Winderosion besonders die Wege entlang gibt den Kolonien nach wie vor ein negatives Image und beweist, dass dieses Umweltproblem nicht unter Kontrolle ist. Es hat auch den Anschein, als wenn es den Bauern selbst nicht stört, weil heute meistens zur windreichen Zeit keine Kulturpflanzen auf den Feldern stehen. Die Hungerkultur Erdnuss bringt auf dem Restsand des Feldes dann immer noch eine gute Produktion, wenn es nur regnet. Die sachgemäße Bodenbearbeitung auf Problemfeldern kann viel Winderosion vorbeugen, flächendeckende Bodenbedeckung ist sehr wichtig, Fruchtfolgen können einen strategischen Beitrag liefern. Wie kommt man hier der Gesetzesforderung des Dekrets 18.861 von 1986 nach? Bebauen ist 70 Jahre praktiziert worden, für das Bewahren werden noch andere Mechanismen als dieses Gesetz eingesetzt werden müssen. Bis heute ist noch keine Umweltverträglichkeitsprüfung für den laufenden Ackerbau auf Kampboden vom Umweltsekretariat verlangt worden. Noch ist kein Strafzettel für Winderosion verhängt worden. Es ist noch Zeit, um sich etwas einfallen zu lassen.

Sollte neues und angeblich letztes Ackerland in Kultur genommen werden, wenn in 50 Jahren dem Winderosionsproblem mit dem Kampboden nicht vorgebeugt noch dieses unter Kontrolle gebracht werden konnte? „Ausgekehrt und entleert wird die Erde, ausgeraubt und ausgeplündert..." (Jesaja 24, 3a)

c) Zur Pflege der gerodeten Flächen:

Was nach der Rodung mit den Flächen zu geschehen hat, ist durch die Zielsetzung des Dekrets 18.861, darunter besonders die Vermeidung der Überweidung und Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit festgelegt. Die Bodenbedeckung hat auch hier flächendeckend einen höchst strategischen Wert, um das Produktionspotenzial zu erhalten. Wenn schon gerodet werden musste, sollte die Fläche auch auf unbestimmte Zeiten in Produktion bleiben können.

In diesem Bereich wird heute das Thema der Bäume und Sträucher in den Weiden viel diskutiert. Auch die Einseitigkeit des Gatton Panic-Grases in der Weidewirtschaft wird immer mehr hinterfragt.

d) Zur Anpassung an die Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld:

Die jüngere Generation steht heute vor einem veränderten wirtschaftlichen Umfeld. Aus dieser Generation wollen und können aber immer weniger Personen Bauern werden. Nur noch die Fähigsten und/oder Bemittelsten werden in diesem veränderten Umfeld Bauern werden. Ein Teil von ihnen erhält eine fachspezifische Ausbildung zum Bauer-Sein, in der Landwirtschaftsschule in Loma Plata. In den Dörfern von Fernheim stehen Wirtschaftshöfe leer. Viel diskutiert wurde im Jahr 2001, ob die Fernheimer Wirtschaftsnorm von 250 ha, tragfähig für eine Familie ist. Kann das Land, das urbar gemacht und gerodet wurde, überhaupt im Verhältnis zur Produktion bezahlt werden? Wie vollzieht sich der Übergang von einer Generation zur nächsten, wenn die nächste Generation das Land von der vorigen Generation nicht kaufen kann? Ist es wirtschaftlich und umweltverträglich, bei leeren Wirtschaften in den Dörfern weiter entfernt Land zum Neu-Einrichten und Roden anzubieten?

Roden ist Mode „geblieben". Können wir uns diese Mode wirklich leisten? Geht die Rechnung „Rinder mal Hektar" auch auf dem Land der vorigen Generation noch auf? Wer kann sich die fälligen Sabbatjahre leisten? Ist es sinnvoll, nach dem Prinzip zu handeln: Wollen Roden, solange es noch geht? Die Frage ist vielmehr, kann das, was gerodet wird, 200 oder 300 Jahre wirtschaftlich produktionsfähig bleiben? Viele denken dann, solange es regnet, produziert das Land. Regen ist im Chaco eine Antwort und eine Lösung auf viele Fragen und Probleme. Also liegt der Segen in Gottes Hand.

e) Zur Einstellung gegenüber den Gesetzen, die die Landnutzung beeinflussen

Die Diskussionsprozesse, die von 1991 bis Anfang 1999 zwischen den staatlichen und mennonitischen Vertretern geführt wurden, zeigen, dass Mennoniten nicht nur geradewegs ein „Ja" zu Gesetzesbestimmungen finden, die gerade ihre tugendhafte Arbeitsamkeit und ihr Nutzungsflächen-Kapital betreffen. Sie reagieren empfindlich auf „Vorsagen" und „Vorschriften" bei eigenem (Land)Kapitaleinsatz und verabscheuen bürokratische administrative Abläufe. War die Strategie der Verhandlungen zu den Abkommen ein Zeitgewinnen-Wollen, um sich an die Inhalte der gesetzlichen Forderungen zu gewöhnen? Wollte man wirklich Sonderregelungen für die Landnutzung im Chaco-mennonitischen Imperium haben? War es bei den offensichtlichen „Umweltsünden" berechtigt, besondere Begünstigungen im Vergleich zu anderen Landbesitzern in Paraguay zu verlangen? Störte man sich wirklich nur an den bürokratischen administrativen und zentralisierten Abläufen? Die öffentliche Seite hat nicht nachgegeben. Die Gesetze sind für alle und für ganz Paraguay gültig. Deshalb war das „Abkommen" nach Ablauf der Frist nicht mehr notwendig. Die Mennoniten befinden sich im Anpassungsprozess. Sie üben sich in der Einhaltung der Gesetze Nr. 422 und 294. Mit den Gesetzen 352 und 536 werden die Übungen vermutlich später anfangen, je nach Notwendigkeit oder nach Konfliktsituationen.

Seit das neue Landnutzungsverfahren in Anpassung an die nationalen Gesetze mehr ins Gerede gekommen ist, haben manche Produzenten wieder mehr Interesse für das schon gerodete und teure Land im zentralen Teil der Kolonie gezeigt. (Land in weiteren Entfernungen ist heute zum Teil auch schon teuer und dadurch nur bedingt attraktiv.) Auf den schon gerodeten Flächen braucht man wenigstens nicht die 25%-Reserve und die breiten Schonstreifen einhalten, denken sie. Doch wer dieses Land kauft, der „übernimmt" das Defizit zum Gesetz von 1973 und die Aufgabe der 5% Aufforstung, wenn schon zuviel ausgerodet wurde. Das ist da „implizit", stillschweigend, ungeschrieben, miteinbegriffen. Die 5% Aufforstung sollte heute als ein sehr guter Kompromiss hinsichtlich der Verpflichtung zum Schutz der Natur angesehen werden, denn dann hält man immer noch 20% mehr für Weide.

Glücklicherweise sind durch die Gespräche mit der öffentlichen Seite heute schon die Aufteilung der 25%-Reserve erlaubt und das natürliche Verstrauchen-lassen wird als Wiederaufforstung zugelassen. Dadurch gibt es für diese Landeigentümer die Möglichkeit, Problemstellen in ihren Weiden durch natürliche Regeneration zum „Blanqueo" ihrer Schuld gegenüber den Forst- und Umweltgesetzen zu nutzen. Zu den Problemstellen in den Weiden werden heute die stark strauchenden Standorte gezählt, die eine teure Maschinenbearbeitung brauchen, um eine Grasproduktion zu bekommen; die sandhaltigen Flächen, auf denen das Gatton Panic nicht gut wächst. Die fehlenden Schonstreifen auf den von früher gerodeten und zu großen Flächen sollten gezielt zum Nachwachsen von Maschinenbearbeitung freigehalten werden. Alle Wegränder entlang sollte der Busch wieder durch Regeneration aufwachsen dürfen.

In den heute gültigen Gesetzen ist noch viel Spielraum für Produktionsmöglichkeiten gegeben, die noch nicht erschöpft sind. Diese sehen nicht alle so aus, wie sie heute praktiziert und üblich sind. Sie sind auch nicht alle so radikal und tiefgreifend angesetzt wie die Beispiele der bisherigen mennonitischen Arbeitsweise.

Der „Chaco" empfindet die Mennoniten vermutlich schon einigermaßen anspruchsvoll und sehr fordernd, besonders dort wo sie nicht ein Mindestmass der im Gesetz festgelegten Spielregeln einhalten. Das nationale Forst- und Umweltgesetz ist der einzige legal anerkannte Schutzrahmen für den Lebensraum „Chaco". Chacobewohner könnten im Blick auf die Heimat für die nächste Generation zumindest diesen Rahmen, für ihre heutigen wirtschaftlichen Tätigkeiten respektieren. Das Bild aus Jesaja 24 sollte nicht für die Landnutzung der Mennoniten-Kolonien zutreffen: 3a: „Ausgekehrt und entleert wird die Erde, ausgeraubt und ausgeplündert..."; 5b: „...denn sie haben die Gebote übertreten, die Satzungen verletzt,...".

Die biblischen und die nationalen Gesetze bieten einen Rahmen, der für den Chacobewohner eine gute Hilfe im Ausführen des biblischen Auftrages des Bebauens und Bewahrens sein kann.

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Bibiographie:
    Primäre Quellen:
  1. 50 Jahre Fernheim - Ein Beitrag in der Entwicklung Paraguays. 1980. Hrsg.Kolonie Fernheim
  2. Peter P. Klassen. Immer kreisen die Geier. Ein Buch vom Chaco Boreal in Paraguay. 1983.
  3. Heinrich Dürksen. Dass du nicht vergessest der Geschichten. 1990
  4. Mennoblatt - Archiv, Filadelfia.
  5. Desarrollo Regional Integrado del Chaco Paraguayo. Paraguay-OEA, Asunción, Abril 1983.
  6. Perfil Ambiental del Paraguay. STP-AID, Asunción, 1985.
  7. Proyecto Sistema Ambiental del Chaco, Tomo I, MAG-BGR, Asunción 1998.
  8. Daten der Forstmappen - Bibliothek Beratungsdienst, Fernheim.
  9. Menno informiert, Artikel von April 1991.
  10. Menno aktuell, Artikel von Juni 1997.
  11. Informationsblatt Neuland, Artikel von Mai 1991.
  12. Fernheimer Informationsblatt, Juli und August 1997.
  13. Fernheimer Informationsblatt, Januar 1999.
  14. R.Goerzen, Artikel: Die produktionstechnische Entwicklung Fernheims und die Versuchstation. Juni 2000. Forstwirtschaftliche Gesetze, Umweltgesetze, Dekrete. Übersetzung, 1999.

    Sekundäre Quellen:
  1. Friesen, Martin W. Neue Heimat in der Chaco Wildnis. 1987.
  2. Krier, Hubert. Tapferes Paraguay. 5., überarb. u. erw. Aufl.-Tübingen, Narr, 1986.
  3. Ratzlaff, Gerhard. Die Ruta Transchaco

    Bildmaterial:
  1. Fotos Aéreas, 1968. Beratungsdienst Fernheim. Landbüro.
  2. Satellitenbilder. Beratungsdienst Fernheim. Landbüro.
  3. Proyecto Sistema Ambiental del Chaco, Tomo I, MAG-BGR, Asunción 1998.
  4. Lexikon zur Bibel, Hrsg Rienecker, Fritz. 9. Auflage, 1983. Brockhaus Verlag - Wuppertal.
  5. Zürcher Bibel, 1972.


Fussnoten:
Ing. Agr. Rosali Goerzen ist im Beratungsdienst der Kolonie Fernheim für den Forstbereich zuständig.
P.Klassen, 1983.
W.Quiring, 1934.
R. Käthler, Informationsblatt, Juli 1997.
Wilhelmy und Rohmeder, 1963.
P. Klassen, 1983.
D. Sawatzky, 1991.
D. Sawatzky, 1991.
Gerhard Dyck, 1991.
D.Sawatzky, 1997.
R. Käthler, Informationsblatt 1997
Protokoll - Beratungsdienst, R. Goerzen, Feb. 1998
Mennoblatt, Juni 1998
Protokoll-Beratungsdienst, R. Goerzen, 1998
H. F.Wiens, Informationsblatt, Nr.1,1999
R. Käthler, Informationsblatt Nr.7,2001