Deckel des Jahrbuches 2009 Begleitwort zu dieser Nummer | Jahrbuch 2009

Der Vorstand des Vereins für Geschichte und Kultur der Mennoniten in Paraguay hat die Mennonitische Weltkonferenz, die vom 14.-19. Juli 2009 in Asunción stattfand, zum Thema des Jahrbuchs gemacht. Referate und Bibelarbeiten sowie ein umfangreicher Bildbericht sollen den Teilnehmern Erfahrungen und Erkenntnisse in Erinnerung rufen und den Mitgliedern der Heimatgemeinden, die zu Hause geblieben waren, einen Eindruck von der Einheit und Vielfalt der Mennoniten in aller Welt vermitteln. Wir hoffen, dass der 10. Jahrgang unseres Jahrbuchs das besondere Interesse der Leser findet.

Nancy Heisy aus den USA, die bisherige Präsidentin der Mennonitischen Weltkonferenz, forderte die Zuhörer an Hand von Philipper 2, 1-13 auf, gemeinsam den Weg Jesu Christi zu gehen und sich dabei vom Geist Christi leiten zu lassen. Der Geist Christi aber führe dazu, dass die wohlhabenden Christen sich mit den armen Gläubigen solidarisierten und ihnen ihre Hilfe anböten. Die Mennoniten sollten aber auch stets bereit sein, sich in Frage stellen zu lassen und sich nicht in den eigenen Mauern zurückzuziehen. Die Einheit in der Vielfalt zu erkennen, das sei die Herausforderung dieser Konferenz.

Chris Marshall, Professor an der Victoria Universität in Neu Seeland, hob in seiner Bibelarbeit nach Epheser 4,1 -6 besonders die Begriffe „Gnade“, „Frieden“ und „Liebe hervor, die den ganzen Brief einrahmten. Glauben und Werke, Theologie und Ethik müssten aufeinander abgestimmt sein. Einigkeit im Geist sei nur dann erreichbar, wenn die Wesenszüge des christlichen Charakters sichtbar würden, nämlich Demut, Sanftmut, Geduld und Langmut. Die Gemeinde solle eins sein, denn sie sei keine menschliche Erfindung , wohl aber „die einzige Art menschlicher Gemeinschaft, die nicht durch Rasse, Klasse, Geschlecht, Gesetz, Kultur und Beruf bestimmt“ sei.

Einen eindrücklichen und sehr fundierten Vortrag hat Katharina Neufeld, Leiterin des Museums der Russlanddeutschen in Detmold, Deutschland, über die Mennoniten in der Sowjetunion in der Zeit von 1930 bis 1990 gehalten. Sie beginnt mit der Enteignung der Bauern, beschreibt dann die Zeiten der Verfolgung und Repression, analysiert die Situation der Deutschen in der Sowjetunion wäh rend des Zweiten Weltkrieges und thematisiert am Schluss die Phase der Assimilation und Ausreise nach Deutschland. Aufgelockert wird der Vortrag durch authentische Berichte einzelner Zeitzeugen.

Aus der Sicht der Betroffenen beschreibt und analysiert Heinz- Dieter Giesbrecht den Einsatz des MCC in Paraguay in den Jahren 1930 bis 1980. Dabei unterscheidet er vier Phasen: Das MCC als paternalistischer Wohltäter in der Zeit der Ansiedlung¸ das MCC als Gegner der deutsch-völkischen Bewegung in Fernheim; der diplomatische Einsatz des MCC als Flüchtlingsagentur während und nach dem Zweiten Weltkrieg. und schließlich das MCC als Initiator und Projektpartner beim Aufbau und der Erhaltung sozialer und diakonischer Dienste in Paraguay. Seine Darstellung ist gut fundiert und ausgewogen im Urteil..

Im Rahmen der workshops waren zwei Vorträge für die Lehrer vorbereitet worden. Aus Zeitgründen konnte der Vortrag von Carlos Romero nur verteilt, nicht aber vorgetragen werden. Seine Analyse über die Bedeutung mennonitischer Bildungsanstalten ist es aber wert, dass sie einem größeren Interessentenkreis zugänglich gemacht wird. Jakob Warkentin weist in seinem Referat über den Wertewandel im Bildungswesen der Mennoniten in Paraguay nach, dass dieser Wandel nicht allein durch Appellation, sei es von der Kanzel oder vom Lehrerpult aus bewirkt wird, sondern vor allem durch den Wandel im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich beeinflusst wird. Nach dieser Vorbemerkung nennt er 11 Merkmale, die den Wertewandel im Bildungswesen der Mennoniten in Paraguay charakterisieren.

Zum Abschluss der Konferenz fordert der neue Präsident der MWK Danisa Ndlovu die Teilnehmer in einer Predigt auf, gemeinsam den Weg Christi zu gehen. Er ruft den Zuhörern zu. „Nun, Brüder und Schwestern, geht auf dem Weg Christi und praktiziert, was nur möglich ist durch die Gnade Gottes – praktiziert die Selbstlosigkeit. Geht und lebt in Demut. Geht und praktiziert die aufopfernde Liebe. Geht mit offenen Augen, um die Nöte und Gelegenheit zum Dienst vor und um euch zu sehen.“

Beate Penner gibt einen umfassenden und anschaulichen Bericht von der Mennonitischen Weltkonferenz. Sie informiert und orientiert, scheut aber auch nicht das eigene Urteil. Ergänzt wird dieser verbale Bericht durch einen sehr differenzierten Bildbericht, der von Beate Penner, Uwe Friesen und Dyane Regier zusammengestellt worden ist.

Eine sehr gute Ergänzung zu den Ausführungen von Katharina Neufeld im er sten Teil dieses Jahrbuchs ist die Erzählung „Der Batjko“ von Peter P. Klassen. Das Bild des Anarchisten „Machno“ wird von seinen Anhängern in Frankreich und in anderen Ländern ganz anders gezeichnet als von den Mennoniten in der Ukraine, die ihn als Bandenführer und Mörder erlebt haben.

Beate Penner analysiert in kurzen Skizzen die Rolle der mennonitischen Frau in den Ansiedlungsjahren, ist sich aber dessen bewusst, dass sich die Zeiten und damit auch das Selbstverständnis der Frauen in Paraguay verändert hat.

Einfühlsam beschreibt Uwe Friesen die Gefühle einer mennonitischen Frau, die als Kind in den paraguayischen Chaco gekommen ist, in Puerto Casado ihre Mutter verloren hat und nun nach Jahrzehnten das Grab ihrer Mutter am Paraguayfluss besucht.

Mehrere Buchbesprechungen schließen das Jahrbuch ab. Wer auf der MWK den Büchertisch des Vereins für Geschichte und Kultur der mennoniten in Paraguay besucht hat, wird erstaunt gewesen sein, wie viele Bücher da von und über die Mennoniten in Paraguay zum Kauf angeboten wurden. Es bleibt zu hoffen, dass das Lesebedürfnis der Mennoniten in gleichem Maße zunimmt.

Allen Mitarbeitern dieses Jahrbuches sei herzlich gedankt dafür, dass sie ihre Vorträge und Beiträge für diese Veröffentlichung zur Verfügung gestellt haben.

Jakob Warkentin