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Abendmahl

Die >Täufer im 16. Jahrhundert gaben der Feier des Abendmahls einen neuen Sinn. Über die Jahrhunderte war in der katholischen Kirche das Abendmahl (die Messe) als die Wiederholung des Opfertodes Jesu verstanden worden, in der sich Brot und Wein in Fleisch und Blut Jesu Christi verwandeln würden. Die Täufer verstanden das Abendmahl als ein Gedächtnismahl des Todes Christi, weiter aber auch als ein Bundesmahl der Gemeinschaft Jesu und ein Liebesmahl der Gläubigen untereinander. In den Schleitheimer Beschlüssen (>Schleitheimer Bekenntnis) vom 24. Februar 1527 heißt es: In dem Brotbrechen sind wir eins worden und also vereinbart: Alle, die ein Brot brechen wollen zum Gedächtnis des gebrochenen Leibes Christi und alle, die von einem Trank trinken wollen zu einem Gedächtnis des vergossenen Blutes Christi, die sollen vorerst vereinigt sein in einem Leib Christi, das ist in die Gemeinde Gottes, an welcher Christus das Haupt ist, nämlich durch die Taufe.
Für >Menno Simons war das Abendmahl ebenfalls ein Vermahnungszeichen und Gedächtnis davon, dass der Sohn Gottes Jesus Christus uns durch das unbefleckte Opfer seines unschuldigen Fleisches und Blutes erlöst hat.
Nur getaufte Gemeindeglieder durften nach der Praxis der Täufer am Abendmahl teilnehmen. Das wird im Wesentlichen auch bei den Mennoniten in Paraguay so gehalten. Allgemein wird heute in den >Gemeinden das offene Abendmahl praktiziert, aber es gibt auch Gemeinden mit geschlossenem Abendmahl, d. h. es nehmen nur Glieder der lokalen Gemeinde daran teil.
Allgemein hält man bei den mennonitischen Gemeinden in Paraguay an der hohen Bedeutung des Abendmahls fest. Es ist eine besondere Feier, bei der man seine Stellung zu Gott und den Mitmenschen prüfen soll, um dann erst an der Feier teilzunehmen. Bei den >traditionellen Mennoniten findet die Abendmahlsfeier zweimal im Jahr statt. Dem Abendmahl geht am Sonntag vorher im Gottesdienst eine gemeinsame Vorbereitung voraus, wo in der Predigt darauf hingewiesen wird, sich - wo notwendig - mit dem Bruder/der Schwester zu versöhnen. Dem Sonntag nach dem Abendmahl folgt ein Dankgottesdienst für das Erlösungswerk Christi. Bei den fortschrittlichen Mennoniten wird das Abendmahl öfter - vier bis achtmal - im Jahr gefeiert. Jede Gemeinde bestimmt über die Häufigkeit des Abendmahls.
Als Einsetzungsworte gelten allgemein Matthäus 26, 26-28 und 1. Kor. 11, 23-29. Für die Abendmahlsfeier werden auch Texte aus den anderen Evangelien herangezogen. Dabei wird für das Brot als Symbol für den gebrochenen Leib Jesu gedankt, und dann wird es von den Diakonen (oder auch Predigern) an die Gemeindeglieder verteilt. Bei den traditionellen Mennoniten verteilt der Gemeindeälteste das Brot an die Teilnehmer, indem er es ihnen auf ein über die Hand gebreitetes Tuch legt. Anschließend wird für den Wein als Symbol des vergossenen Blutes Jesu gedankt. Dabei gebrauchen einige Gemeinden fermentierten Wein, andere Traubensaft, einige gemeinsame Becher, die rund gehen, andere wiederum individuelle Kelche. Es gibt diesbezüglich keine allgemein verbindliche Regel oder Liturgie.
Die Abendmahlsfeier schließt vielfach mit einem Lobgesang in Form einer Gebetsgemeinschaft für das Erlösungswerk und einer Aufforderung zur treuen Nachfolge ab.
Gerhard Ratzlaff
Hans-Jürgen Goertz: Umstrittenes Täufertum. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1975, S. 11-137; Clarence Bauman: Gewaltlosigkeit im Täufertum. Leiden, Netherlands: E.J. Brill, 1968, S. 235-241; Franklin H. Littel: Das Selbstverständnis der Täufer. Kassel: J. G. Oncken Verlag, 1966, S. 146-149; J. C. Wenger: Die Täuferbewegung. Kassel: Oncken Verlag, 1984, S. 79-83; Daniel Geiser: Das Leben wagen – Die Zukunft gewinnen. Agape Verlag, 1986, S. 104-113; Stichwort “Abendmahl” in: Christian Hege u. Christian Neff (Hg.): Mennonitisches Lexikon. Erster Band. Weierhof [Selbstverlag] 1913, S. 6-10.

   
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