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Friesland

Im Jahr 1937 wurde 60 km östlich des Río Paraguay in San Pedro die >Kolonie Friesland gegründet. Der Name “Friesland” wurde von der gleichnamigen Region in den Niederlanden abgeleitet.
Die klimatischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Kolonie >Fernheim, die 1930 von Flüchtlingen aus Russland gegründet worden war, waren problematisch. Es war heiß und trocken und Heuschrecken zerstörten immer wieder die Ernten. Dazu kamen noch zivile Unstimmigkeiten unter den Kolonisten, die zu Spannungen und harten Auseinandersetzungen führten. Dies alles führte dazu, dass ungefähr ein Drittel der Bewohner Fernheims im Juli 1937 die neu gegründete Kolonie im zentralen >Chaco verließ und sich mit Ochsen- und Maultierfuhrwerken nach Ostparaguay begab, in der Hoffnung, hier bessere Möglichkeiten zu finden.
Auf einem Landkomplex von 6.911 ha siedelten 135 Familien mit ca. 750 Personen an. Dieses Land bestand zu ca. 40 % aus Urwald, 45 % Kamp und 15 % Unland. Es wurden neun Dörfer mit 146 Hofstellen gegründet: Korniesheim, Großweide, Central, Grünfeld, Rückenau, Landskrone, Waldheim, Rosenberg und Blumenau. Etwa 25 Jahre später wurden auf dem so genannten Primavera-Land, das man den Hutterern abgekauft hatte, die Dörfer Hohenau, Ibate, Isla Margarita und Tirol angelegt.
Trotz der offensichtlichen Vorteile, die die Umsiedlung nach Ostparaguay mit sich bringen sollte, machte sich auch in Friesland bald das Fehlen eines geeigneten Absatzmarktes bemerkbar. Die vom >Chaco her bekannte Baumwolle wollte nicht gedeihen. Nach dem Pflichtanbau, um das neu gekaufte Land zu bezahlen, ging die Anbaufläche von 292 ha im Jahre 1944 auf 9 ha 1950 zurück. Man pflanzte für den Eigenbedarf und suchte Bareinnahmen als Handwerker, Fuhrunternehmer, Viehzüchter und Angestellter. Die Ungewissheit dieser Jahre nahm vielen Kolonisten jegliche Hoffnung und veranlasste viele Friesländer auszuwandern. Die Auswanderer konzentrierten sich auf Brasilien, Kanada, Deutschland, Fernheim und Argentinien. In den Jahren 1950 bis 1970 verließen 964 Personen die Kolonie Friesland.
Am 12. November 1947 wurde von 74 Personen die Sociedad Cooperativa Agrícola Friesland Ltda. (CAF) gegründet. Das Ziel der Kooperativsgründung war, die gemeinsame Zusammenarbeit in der wirtschaftlich schwierigen Situation zu verbessern. Das beinhaltete unter anderem die Förderung der Landwirtschaft, der Viehzucht und der Industrie. Die technische Produktionsberatung und die jeweilige Vermarktung haben sich zu einem grundlegenden Zweig entwickelt.
Zu Beginn der sechziger Jahre konnte auf Grund großer Anstrengungen und des wirtschaftlichen Fortschritts dann die Ackerbaufläche durch Landkauf vergrößert werden. Im Jahr 2008 wohnen in Friesland ca. 228 Familien, das sind 642 Einwohner. Die Kolonie besitzt insgesamt ca. 65.000 ha Land. Davon sind 32.000 ha auf CAF-Titel und der Rest auf Privattitel. Die Ackerbaufläche vergrößert sich jedes Jahr. Ein großer Teil der Fläche ist gepachtetes Land. Laut einer Statistik aus dem Jahre 2006 kommt der größte Anteil der Bruttoeinnahmen vom Ackerbau. Danach kommen die Bereiche Viehzucht, Industrie und Handel, Gehälter und Milchwirtschaft.
Beate Penner
www.friesland.com.py; Gerhard Ratzlaff (Hg.): Auf den Spuren der Väter: Eine Jubiläumsschrift der Kolonie Friesland in Ostparaguay: 1937-1987. Asunción, 1987.

   
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