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Fundación Indígena para el Desarrollo Agropecuario

Die indianische Stiftung für landwirtschaftliche Entwicklung (FIDA) wurde 1990 gegründet und im Jahre 1997 staatlich anerkannt. Die Mitglieder dieser Stiftung sind elf Indianersiedlungen und die >ASCIM. FIDA vermittelt Kredite für Ackerbau und Viehzucht und organisiert Aufkauf, Verkauf und Verteilung von Lebensmitteln an die indianischen Konsumläden. Außerdem betreibt die Stiftung eine Bäckerei, eine Tankstelle und verfügt über einen Traktor und einen Bulldozer. (>Indianerkulturen, >Indianische Gemeinden, >Interethnisches Zusammenleben).
Eduard Klassen
Fundamentalismus
Der Begriff “Fundamentalismus” ist mittlerweile so vieldeutig geworden, dass seine Brauchbarkeit angezweifelt werden muss. Ursprünglich stammt der Begriff vom Gedanken der Fundamente und Grundlagen her. Populär wurde er dann als Konzept und als Bewegung in Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine Serie von theologischen Publikationen, genannt The Fundamentals. Diese Serie entstand im Streit um die aufkommende Evolutionstheorie Darwins und den so genannten Affenstreit.
Sehr bald verband sich in Amerika mit dem Begriff “Fundamentalismus” eine sehr wörtliche und legalistische Auslegung der Heiligen Schrift. Bedenklicher noch wurde eine Symbiose von angeblichen Bibelprinzipien und politischer Machtausübung im Zeichen einer ‘christianisierten’ Gesellschaft.
Auf dem europäischen Kontinent hat der Begriff “Fundamentalismus” zumindest im protestantischen Bereich wesentlich schwächere politische Untertöne gehabt. Hier ging es eher um Auseinandersetzungen im Bereich der Bibelwissenschaft. Die konservative Front, die sich seit der Aufklärung der so genannten historisch kritischen Methode in der Bibelforschung widersetzte und an einer radikalen Inspirationslehre festhielt, wurde meist mit der Bezeichnung Fundamentalismus bedacht.
Mit dem aufkommenden radikalisierten Islam am Ende des 20. Jahrhunderts, der iranischen Revolution unter Ayatollah Khomeini und dem theokratischen Regime in Afghanistan, den Terrorbewegungen unter Hamas und Bin Laden etc. begann man zunehmend global von ‘islamischem Fundamentalismus’ oder allgemein von ‘religiösem Fundamentalismus’ zu reden. Auch der eher konservative Kurs des Vatikans unter den Päpsten Karol Wojtyla und Joseph Ratzinger mit einigen radikalen ethischen Forderungen wird vielfach als fundamentalistisch bezeichnet.
Bei den >Mennoniten in Paraguay allgemein herrscht kein übereinstimmendes Kriterium darüber, was gerade als Fundamentalismus zu bezeichnen ist. In Selbst- und Fremdbezeichnung würden einige darunter ein so genanntes radikales Bekenntnis zur Bibeltreue verstehen, das sich mit den Stichworten Irrtumslosigkeit, Unfehlbarkeit, Verbalinspiration identifiziert. Andere würden den Begriff eher soziologisch oder politisch benutzen, z. B. im Zusammenhang mit radikalen ethischen Forderungen zum Aufbau einer christlichen Gesellschaft oder einer mennonitischen >Kolonie. Vielfach wird er, wie auch anderenorts, schlicht und einfach als Kampfesfahne verwendet, um das Gegenüber zu diskreditieren.
In der Frage der Bibelwissenschaft und der Erziehungslehre ist es allerdings, besonders in den mennonitischen Chacokolonien, zu ernsthaften Auseinandersetzungen gekommen, die mit dem Stichwort Fundamentalismus in Beziehung gebracht wurden: Die Debatte liberal-bibeltreu hat in den Sekundarschulen, in Lehrerkollegien und dem Lehrerseminar zu gesunden, manchmal aber auch traumatischen Auseinandersetzungen geführt.
Als Fazit muss m. E. festgestellt werden, dass sowohl die Fremdbezeichnung “Fundamentalismus” als auch die Selbstbezeichnung “Bibeltreue” vage und etwas problematisch sind und mit größter Zurückhaltung benutzt werden sollten. Beide Begriffe ließen sich auch im paraguayisch-mennonitischen Kontext durchaus neu positiv füllen, wenn man unter Fundamentalismus vor allen Dingen die historischen und theologischen Grundlagen des christlichen Glaubens verstehen würde und wenn Bibeltreue ausgeweitet würde auf eine praktische Verpflichtung zum Glaubensgehorsam Jesu Christi gegenüber und zur Unterstellung aller Lebensbereiche unter die Gottesherrschaft im Rahmen der Gemeinde der Glaubenden.
Alfred Neufeld

   
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