Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Hausmittel
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Hausmittel

Als Hausmittel bezeichnet man medizinische Maßnahmen, die von einer Generation zur anderen überliefert werden, um körperliche Beschwerden mit einfachen Mitteln lindern zu helfen. Sie stammen aus den Erfahrungen des einfachen Volkes, sind aber auch vielen Ärzten bekannt und werden oft von diesen sogar empfohlen. Oftmals verwendet man bei Erkrankungen bestimmte Nahrungsmittel, Tees, Wickel sowie warme oder kalte Bäder.
Auch die >Mennoniten in Paraguay griffen lange Zeit häufig auf Hausmittel zurück, da in den >Kolonien kaum Ärzte zur Verfügung standen. Auch heute noch finden Hausmittel Gebrauch. Aber nicht immer wurde gegen eine Krankheit etwas unternommen. In manchen Fällen hielt man die Krankheit einfach aus und wartete ab, bis alles wieder vorüber war nach dem Motto: Die Krankheit kam alleine, so wird sie auch wieder von alleine gehen. Außerdem waren in den ersten Jahrzehnten viele Siedler so arm, dass den kinderreichen Familien oft einfach das Geld fehlte, sich von einem Arzt behandeln zu lassen.
Mennonitische Einwanderer brachten verschiedene Hausmittelrezepte mit nach Paraguay oder sie ließen sich die bekannten Kräuter und Essenzen schicken. Zu den schon bekannten Hausmitteln kamen noch weitere hinzu, die von der einheimischen Bevölkerung übernommen wurden, die sich gut in der Verwendung von Kräutern als Heilmittel auskannte.
Unter den Hausmitteln gibt es medizinisch wirkungsvolle Behandlungen, andere richten weder Schaden an noch helfen sie, weitere dagegen können den Genesungsprozess eher gefährden. Einige Hausmittel, die bei den Mennoniten angewandt wurden bzw. zum Teil noch Anwendung finden, sind Aderlass: Bei Bluthochdruck wurde am abgebundenen Oberarm ein Schnitt in eine Vene gemacht und Blut ablaufen gelassen, um so den Blutdruck zu senken; Alkohol: Er fand Anwendung bei Grippe, bei Schlangenbissen und Malaria, Verletzungen, Prellungen und Verstauchungen; Aloepflanzen: Behandlung bei Verbrennungen, Geschwüren und Hautverletzungen; Distelwurzel: Sie wurde abgekocht und zur “Blutreinigung” wurde bei Geschwüren mehrmals täglich eine Tasse getrunken; Essig: Anwendung mit Umschlägen bei Knochenbrüchen, Verrenkungen, Verstauchungen und Gliederschwellungen; Frischer Kuhmist: Bei starken Entzündungen wurde frischer Kuhmist auf die Augen geschmiert, wodurch die Entzündung genommen wurde; Hühnereiweiß: Bei Augenentzündung wurde das Eiweiß geschlagen, auf ein Tuch gebracht und die Augen wurden damit bedeckt; Lehm: Aufgeweichter Lehm wurde auf Schlangenbisse oder Geschwüre geschmiert; Mischungen aus Rahm, dicker Milch und Essig: Diese Mischungen wurden auf Schlangenbisse gelegt um zu kühlen und das Gift “herausziehen” zu lassen. Auch entzündete Augen wurden damit behandelt; Paratodo-Baum: Der Tee aus der Rinde soll wirksam gegen Malaria sein; Sandsäcke: Sandsäcke wurden erwärmt und bei Rückenschmerzen zur Linderung auf den schmerzenden Teil gelegt; “Schlagwasser” (Franzbranntwein): Ein Allheilmittel, das äußerlich und innerlich gegen allerlei Leiden angewandt werden kann, vor allem gegen Bauchschmerzen. Einige Tropfen auf Zucker oder in Wasser verdünnt, werden mehrmals täglich eingenommen. Der Bauch kann damit genauso gut massiert werden; Seifenwasser: Geschwüre oder Verletzungen wurden in Seifenwasser gebadet, um die Wunde zum Heilen zu bringen; Zuckerrohrsirup: Er wurde bei Verbrennungen auf die Wunde gestrichen; Wagenschmiere (Teer): Sie wurde bei Geschwüren, Abszessen und Entzündungen der Haut aufgetragen und sollte die “Hitze” herausziehen; Wasserdampftherapie mit Eukalyptusöl: Bei Erkältungen eine Handvoll Eukalyptusblätter in heißes Wasser geben, etwas Eukalyptusöl in heißes Wasser tropfen und für einige Minuten diesen Dampf einatmen (inhalieren).
Uwe S. Friesen
Martin W. Friesen: Neue Heimat in der Chacowildnis. 2. Auflage. Asunción: Imprenta Modelo, 1997, S. 297-328; Regine Breuninger de Guenther: Geschichte des Gesundheitswesens der Kolonie Menno von 1927 - 1980; [Masch. Schrift], 2006.

   
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