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Licht den Indianern

Eine Flüchtlingsgruppe von Russlandmennoniten kam im April 1930 in den >Chaco Paraguays und gründete die >Kolonie >Fernheim. Schon bei der ersten Begegnung mit den “Wilden” kam bei vielen der Gedanke auf, eine Missionsarbeit unter diesen Indianern anzufangen. 1932 trafen sich deshalb Vertreter der drei Gemeinden Fernheims, doch musste man wegen des >Chacokriegs dieses Vorhaben aufschieben. Am 17. September 1935 fand die Gründungssitzung des Missionsbundes >Licht den Indianern (LdI) statt, auf der das Statut und das Motto “Dass die Heiden Miterben seien” angenommen wurde.
Die ersten Missionare waren Abram Unger und Abram und Anna >Ratzlaff. Nach einem ersten fehlgeschlagenen Ansiedlungsversuch kaufte das Missionskomitee 1936 ein Landstück von 8.500 ha mit einem guten Brunnen, das unter den Indianern als >Yalve Sanga (= Gürteltier-Lagune) bekannt war. Nach 10-jähriger mühsamer Pionierarbeit wurde das erste Tauffest am 24. 02. 1946 in Filadelfia gefeiert, bei dem sieben Enlhet-Männer sich taufen ließen (>Enlhet).
Schon 1936 kamen Gruppen des Chulupí-Stammes (>Nivaclé) vom Río Pilcomayo in die Mennonitensiedlungen. LdI sah sich mit einer Erweiterung der Missionstätigkeit überfordert und bat die Missionsbehörde der Mennoniten Brüdergemeinden in den USA (Board of Missions and Services, BOMAS), diese Missionsarbeit zu übernehmen. Im Jahr 1946 kamen zwei kanadische Ehepaare, Bernhard und Susie >Epp und Jakob und Helene >Franz, nach Paraguay. 1958 wurden die ersten zehn Nivaclé-Männer getauft.
Durch weitere Zuwanderung und neue Kontakte stieg die Zahl der indianischen Bevölkerung, unter der Missionsarbeit getan wurde, und Gemeinden entstanden.
Im Jahr 1961 gab BOMAS die Verantwortung der Missionsarbeit zurück an LdI. Gleichzeitig übernahm das MCC zusammen mit den mennonitischen Kolonien die sozial-wirtschaftliche Arbeit; sie gründeten die >Indianer-Beratungs-Behörde (IBB), später in >Asociación de Servicios de Cooperación Indígena-Menonita (ASCIM) umbenannt.
Im Jahr 1963 kam Dr. Jakob >Loewen im Auftrag des >MCC in den Chaco, um das Siedlungsunternehmen zu beraten und die Bibelübersetzung in die Wege zu leiten. Missionar Dietrich Lepp wurde mit seinem Informanten Nito Acevedo mit der Übersetzung in die Enlhet-Sprache, und Gerhard Hein mit seinem Informanten Andrés Rivas für die Nivaclé-Sprache beauftragt. Die Amerikanische Bibelgesellschaft übernahm Koordination und Finanzierung des Drucks. Im Jahr 1970 wurden 3.000 zweisprachige (Enlhet-Spanisch) Exemplare des Neuen Testaments an LdI überreicht, und 1973 konnten 1.000 zweisprachige (Nivaclé-Spanisch) Exemplare des Neuen Testaments gedruckt werden. Die Übersetzung der ganzen Bibel in die Nivaclé-Sprache kam 1994 und die in die Enlhet-Sprache 1995 zum Abschluss.
Predigerkurse, Bibelwochen und erste Ansätze einer systematischen Unterweisung führten 1975 zur Gründung des Instituto Bíblico Indígena (IBI) in Yalve Sanga. Der erste Leiter war Prediger Jakob Penner. Finanziell wurde das IBI von einem schweizerischen Freundeskreis unterstützt. Durch die Zusammenarbeit der drei Missionskomitees im Chaco (LdI, >MMKfP und >EMC) stand das IBI allen Indianervölkern zur Verfügung. Heute erhalten dort neun Ethnien biblische Unterweisung: >Enlhet-Norte, Enxet-Sur, >Nivaclé, Toba Maskoy, Sanapaná, Angaité, Guaraní Ñandeva, Guarayo, >Ayoreo.
Die Indianergemeinden haben über die Jahre ihre Eigenständigkeit erreicht und werden von LdI nun beratend begleitet. Der Gemeindeverband der Enlhet besteht aus sieben Gemeinden mit etwa 2.200 Gliedern, 95 Predigern und 80 Diakonen. Die Nivaclé-Konferenz zählt zehn Gemeinden mit 2.100 Gliedern, 60 Predigern und 37 Diakonen. Die Guaraní-Ñandeva-Konferenz besteht aus sieben kleinen Gemeinden mit etwa 300 Gliedern und 15 Predigern. Die anderen Ethnien werden von der >Menno Indianer Mission (MIM) und der Neu-Stämme Mission begleitet, mit denen LdI eng zusammenarbeitet.
2006 überarbeitete LdI das Statut und änderte seinen Namen zu Obra Misionera Evangélica Menonita (OMEM). Die Herausforderung für das Missionswerk besteht heute darin, den jungen Indianergemeinden zu helfen, an Hand der Bibel in ihrer Kultur eine eigene Theologie und Gemeindearbeit zu entwickeln. >Mennonite Brethren Mission and Service International
Jakob Lepp
Hans Wiens: Daß die Heiden Miterben seien: Die Geschichte der Indianermission im paraguayischen Chaco. Hg. Konferenz der Mennoniten Brüdergemeinden Paraguays. Asunción, 1989; Stichwort “Licht den Indianern” in: Cornelius J. Dyck und Dennis D. Martin: Mennonite Encyclopedia, V. Scottdale, Pennsylvania: Herald Press, 1990; Sieghard Schartner u. Wilmar Stahl: Wer ist mein Nächster? Filadelfia, 1986; Indianermission im zentralen Chaco; David Hein: “Die Ayoreos, unsere Nachbarn”. Filadelfia, 1989; Gerd G. Giesbrecht: Ich sah der Lengua Hütten. Erfahrungen und Beobachtungen in der Missionsarbeit. Asunción, 2000.

   
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