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Mennoblatt

Peter Rahn schreibt für das Mennoblatt Nr. 20 vom Oktober 1958 folgende Sätze: Die 2. Gruppe [mennonitische Einwanderer, die aus Russland kamen und im paraguayischen Chaco eine neue Heimat fanden] mit dem Gruppenführer Gerhard Schartner kam am 25. Mai desselben Jahres [1930] an. Diese Gruppe brachte auch eine typographische Ausrüstung mit, um eine Druckerei einzurichten. Es mag die kleinste gewesen sein, die man damals in Deutschland auftreiben konnte, aber immerhin, sie war da, und nun wollte man sie auch in Betrieb setzen. In den beiden Gruppen waren wohl gute Bauern mitgekommen, aber keine Sachverständigen für eine Druckerei. Da fehlte es denn an einem, der sich für so etwas interessierte. Da wandte sich Bruder Schartner an mich mit der Bitte, ob ich nicht einmal einen Versuch machen wollte. Ich sagte zu. In einer Ecke unter dem Schattendach unseres ersten Hauses - in Lichtfelde richtete ich eine primitive Druckerei ein. Da von Deutschland nur zwei Größen von Typen mitgekommen waren, machte ich aus gelbem Quebrachoholz einen Kopf für eine kleine Zeitschrift: “Menno-Blatt”.
Unterdessen war am 20. Juli 1930 die 3. Gruppe mit dem Gruppenführer Nikolai >Siemens eingetroffen. Bruder Siemens zeigte großes Interesse für die eben gegründete Sache. Familie Siemens wohnte aber in Friedensruh (Nr. 6), und es war für Bruder Siemens nicht leicht, meistens zu Fuß die 12 km bis Lichtfelde zu gehen, wo die Druckerei war. Man wünschte damals, dass Bruder Siemens sich die Schriftleiterarbeit übernehmen sollte, und er hat es sich schwer werden lassen bei den ärmlichen Verhältnissen, die damals herrschten. Es musste nämlich auch nebenbei die Wirtschaft aufgebaut werden, und außer ihm war in der Familie keine männliche Arbeitskraft. Zu der Ausrüstung der Druckerei gehörten außer den schon erwähnten Sachen reichlich Papier, Druckerschwärze und das Nö-tigste um drucken zu können. Wir druckten reichlich Exemplare und sandten sie als Probenummern in alle Welt: USA, Kanada, Deutschland, Argentinien und wo wir sonst Adressen wußten, die einigermaßen Hoffnung gaben, Geld dafür zu bekommen...
In diesen schlichten Verhältnissen entstand das Menno-Blatt (heute Mennoblatt). Für die ersten 25 Jahre war Nicolai Siemens der Schriftleiter. Als interessierter Beobachter und Geschichtsschreiber hat er das Mennoblatt zu einer bedeutenden Informationsquelle gemacht, vor allem auch für die vielen Gönner der neuen Ansiedlung im zentralen Chaco von Paraguay.
1956 wurde die Schriftleitung Peter P. >Klassen übergeben. 34 Jahre lang hat er das Blatt redigiert. Peter Klassen war im Bereich der Kolonie und da vor allem in der Schule engagiert und daher mit der ganzen Arbeit bekannt. Er war die geeignete Person, dem Blatt sein Gepräge und seine Bedeutung zu geben. Neben dem informativen Charakter des Blattes diente es dazu, Diskussionen anzuregen und die Veränderungen und Entwicklungen der Gesellschaft zu analysieren und dazu Stellung zu nehmen.
1993 übergab Peter P. Klassen die Verantwortung für das Blatt an Hans Dürksen. Sechzehn Jahre lang führte er mit viel Hingabe, Fleiß und Weitsicht gemeinsam mit einigen Mitarbeitern die Gestaltung der jeweiligen Ausgabe. Das Mennoblatt wurde während dieser Zeit auch den Umständen entsprechend aktualisiert. Es erschien mit 12 Seiten, das Papier wurde besser und die Aufmachung ansprechender. Neue Rubriken kamen hinzu und Lesermeinungen und Leserbriefe wurden integriert. Bessere Druckvorgänge und die Digitalisierung ergaben für die Gestaltung des Mennoblatts neue Möglichkeiten.
Im Jahr 2007 übernahm Ronald Unruh die Leitung. Gegenwärtig wird das Blatt an mehr als 2.000 Adressen verschickt. Im Zeitalter der Information ist es eine Herausforderung, ein inhaltlich attraktives Blatt zu veröffentlichen. Von daher gehört es zu den Zielen des Mennoblattes, weniger Tagesnachrichten zu publizieren, sondern eher auf Geschehnisse einzugehen, die die Zeit überdauern. Besondere Ereignisse sollen kommentiert und bewertet werden. Außerdem soll das Mennoblatt eine Bühne für einen offenen und konstruktiven Austausch über aktuelle Themen und Fragen schaffen. Das Mennoblatt soll dazu beitragen, dass das Zusammenleben mit anderen Kulturen gefördert wird.    .
In diesem Sinne sind die Kooperative und die Zivilgesellschaft der Kolonie Fernheim die Trägerschaft dieses auch geschichtlich wertvollen Blattes. Sie finanziert den größten Teil der
Kosten. Den Rest zieht man über Abonnements ein. Dass das Mennoblatt mittlerweile im 79. Jahrgang erscheint, zeugt davon, dass das Blatt geschätzt und gerne gelesen wird.
Ronald Unruh

   
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