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Primavera-Landkauf

Bei der Gründung der >Kolonie >Friesland im Jahre 1937 konnten die Siedler auf Kredit 6.911 ha Land erwerben, so dass jede der 145 Familien eine Wirtschaft nach dem “Viertelsystem” erhielt, d. h. etwa eine Drei-Viertel-Wirtschaft = 3 Viertel zu je 15 ha = 45 ha. Eine volle Wirtschaft wären 4/4 = 60 ha gewesen. Reserveland gab es nicht. Bis 1952 wurden 889 ha Land hinzugekauft, so dass die Kolonie damals 7.800 ha besaß. In der Kolonie waren Hofstellen außerhalb des Dorfes nicht erlaubt. Das Ansteigen der Bevölkerungszahl und Heiraten führten somit automatisch zu Teilungen nach dem Viertelsystem.
Solange die meisten Bauern von ihren Fuhrdiensten (>Tschumaker 1946 - 1956) lebten, ergaben sich hieraus keine Probleme. Als aber >Tschumaker wieder Bauern wurden und die >Auswanderung gestoppt werden konnte, zeigte sich, dass 1960 über 90 % aller Wirtschaften bereits zu klein waren und keine ausreichende Grundlage mehr für einen Bauernhof boten. >Friesland war mit 7.800 ha die kleinste der Kolonien. >Volendam z. B. hatte 32.000 ha und >Fernheim 250.000 ha.
Da bot sich plötzlich die Gelegenheit, direkt an Frieslands Ostgrenze Land zu kaufen. Das Herzstück war das “Primavera” (Frühling) genannte Landstück der Hutterer. In zwei Jahren (1960 - 1962) kaufte die Verwaltung rund 10.400 ha (in sechs Landkäufen) und vergrößerte die Fläche >Frieslands von 7.800 ha auf 18.200 ha. Damit konnten zu kleine Wirtschaften (1/4 Wirtschaften) zusammengelegt und neue Wirtschaften vermessen werden, und es blieb noch etwas Reserveland für die Zukunft übrig. Der Wert dieser Landkäufe betrug 230.000.- US$.
Ohne den Zukauf von Primavera hätten junge und alte Friesländer damals wegen Landmangel auswandern müssen. Hatte man aber Land, d. h. Urwald, musste er gerodet werden, und das Roden eines Hektars kostete sechsmal mehr als das Land selbst! Hatte man mehr Ackerland, brauchte man Sitzpflüge und Traktoren und für die größere Produktion Lagerungsmöglichkeiten (Silos) u. a. m. Und für alles gab es nur einen Weg: Kredite und immer wieder Kredite, weil man kein Eigenkapital besaß. Auch muss man hier bedenken, dass die Friesländer als ehemalige “Abwanderer” aus >Fernheim unter sich einen starken Kern ausgeprägter Individualisten mit sehr kritischer, ablehnender Einstellung gegenüber Kooperative und Verwaltung hatten. Während die Kritiker z. B. Ende 1969 bloß einen “unübersehbaren Schuldenberg” sahen, war dies für andere Frieslands großer Kolonieschatz: Mit viel Mühe und Sorgen erworben durch Verpflichtungen für Werte, die noch z. T. auf den Schultern der Kolonie lagen, ohne die es aber für Friesland keine Zukunft hätte geben können!
Schließlich haben treue und verständige Partner (>MCC, USA und >EZE, BRD) Friesland entscheidend geholfen, so dass die Kolonie sich um die Mitte der sechziger Jahre endlich wirtschaftlich stabilisieren konnte. So brachten im Jahr 1967 22 Gemeinden in den USA und in Kanada durch Vermittlung des MCC 142.000.- US$ als Anleihe auf 12 Jahre zu 6 % Zinsen zur “Nachfinanzierung für Primavera” (Bruderschaftsleihe) auf, und von der >EZE erhielt Friesland als Entwicklungshilfe von 1964 bis in die siebziger Jahre über 2 Millionen DM.
Friesland wurde in den sechziger Jahren mit Primavera “Träger des Nationalen Weizenplanes (Kombination: Weizen - Soja)”; Folge: Übergang von der bisherigen “Hackkultur” zur mechanisierten Landwirtschaft in Paraguay; Pilotprojekt: Import der ersten Metall-Silo-Anlage von Paraguay (5 Silozellen von je 300 t = 1.500 t); Aufstellung der ersten genossenschaftlichen Weizenmühle; >Nachbarschaftshilfe: Beteiligung an der Kolonisationspolitik der Regierung: Reforma Agraria Integral. >San Alfredo: Erste Ansiedlung von Lateinparaguayern (1965). Der Zukauf von Primavera hatte also zu einem ersten wirtschaftlichen Aufschwung der Kolonie geführt, der sich auch auf die gesamte Wirtschaft im Umfeld der Kolonie positiv auswirkte.
Alfred Fast sen.

   
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