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Schöpfungslehre               

Die Einwanderung der kanadischen deutschsprachigen Mennoniten aus Manitoba 1927 nach Paraguay geschah größtenteils aus Sorge um die Zukunft der eigenen Schulen. Die Gründer der Kolonie >Menno und später auch von >Sommerfeld und >Bergthal, >Nueva Durango und >Rio Verde waren stark davon geprägt, den traditionell christlichen Geist in den Schulen zu bewahren und diese vor der Verstaatlichung zu retten. Ob der amerikanische Streit um die Evolutionstheorien in Schultextbüchern dabei auch eine Rolle gespielt hat, lässt sich heute nicht ausmachen, ist aber durchaus denkbar.
Die Russlandflüchtlinge, die die Kolonie >Fernheim sowie später >Friesland, >Volendam und >Neuland gründeten, waren im russischen Sowjetstaat sehr stark mit der Evolutionstheorie und mit atheistischer Leugnung des biblischen Schöpfungsberichts konfrontiert worden. Bei der Gründung von deutsch-mennonitischen Schulen in Paraguay steht das Anliegen des Bibelunterrichts und einer christlichen Weltanschauung sehr stark im Vordergrund. So lässt sich ein stärkerer Einfluss der so genannten Evolutionstheorie in den Schultextbüchern, die in mennonitischen Schulen Paraguays verwendet wurden, kaum nachweisen.
Das beginnt sich in den 1970er Jahren zu ändern, als die Integration ins nationale Schulsystem gezielt angestrebt und gefördert wird. Nun sind Schulen und Gemeinden stärker gezwungen, eine Position zu den Textbuchversionen, die sowohl aus Deutschland als auch vom paraguayischen Erziehungsministerium kommen, zu Fragen der Schöpfung und Entstehung der Welt zu entwickeln.
Bei einigen Lehrern war die ältere Position der theistischen Evolution, wie sie etwa von Erich Sauer vertreten wurde, beliebt. Auch das Baptistenseminar aus Buenos Aires, dessen mennonitische Absolventen einen bedeutsamen Einfluss auf das mennonitische Schulsystem ausübten, war eher dort anzusiedeln.
Zunehmend aber machte sich der biblisch fundierte Kreationismus mit seinen neueren wissenschaftlichen Forschungsarbeiten in Gemeinden und Schulen bemerkbar. Autoren wie Arthur Wilder Smith, ‘Herkunft und Zukunft des Menschen’, Francis Schaefer oder Werner Gitt als schöpfungsgläubiger Naturwissenschaftler, gewannen an Bedeutung. Gitt evangelisierte erfolgreich 2004 in den Kolonien und hatte Großveranstaltungen mit Universitätsstudenten in Asunción.
Die Frage um Schöpfung und Evolution ist immer wieder auch eng gekoppelt an die Frage des Umgangs mit biblischer Literatur und an die höhere Literaturkritik. Die mennonitischen Gemeinden und theologischen Seminare haben da auf Grund ihrer Glaubensbekenntnisse und ihrer Haltung zur Bibel sehr zurückhaltend gewirkt. Zwar wird wissenschaftliche Hermeneutik und Textkritik sowie Griechisch und Hebräisch in den mennonitischen Seminaren Paraguays unterrichtet, aber die Hypothesen der klassischen Bibelkritik und Quellenscheidung werden meist abgelehnt. Historisch haben sich die mennonitischen Gemeinden andererseits immer möglichst aus dem fundamentalistischen ‘Kampf um die Bibel’ herauszuhalten versucht. Die Frage der Unfehlbarkeit, Autorität und Inspiration der Heiligen Schrift wird als ein Glaubensartikel gelehrt und gelebt.
Alfred Neufeld

   
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