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Schwarzes Telefon

Unter den Gegenständen, die die Russlandmennoniten 1930 mit in den >Chaco brachten (>Fernheim), befand sich auch eine Kiste mit 20 Telefonapparaten und eine Zentrale mit 40 Anschlüssen. Sie wurden jedoch erst zwischen 1945 und 1948 mit Unterstützung nordamerikanischer Mennoniten über das >MCC eingerichtet. Schneisen wurden durch den Busch geschlagen, Telefonpfosten aus Quebracho- oder Palosanto-Holz aufgestellt und die Drähte installiert. Dieses Telefonsystem wurde etwas später auch in >Menno und >Neuland eingeführt.
Anfänglich bekam jeder Dorfschulze einen Apparat, und er hatte dann die Nachrichten aus anderen Ortschaften an die Dorfbewohner weiterzuleiten. Eine Frau beschreibt diese Situation: Eine Freude für die ganze Familie war, als wir ein Telefon bekamen, weil Vater Dorfschulze war. Wir rannten alle ans Telefon, wenn´s endlich für uns klingelte. Die Nachricht galt dem Nachbarn, was zusätzlich noch mehr Freude bedeutete, denn so konnten wir noch beim Nachbarn etwas plaudern (Menno Aktuell Nr. 36, 25. März 2000, Seite 22). Später bekamen auch viele andere Bewohner Telefonapparate.
1960 wurden die Apparate an die Bürger in Menno für Gs.1.000.- pro Stück verkauft. Ab 1961, nach Fertigstellung der Leitungen, konnten viele nützliche Gespräche geführt werden. Anstatt jetzt zu Fuß, mit dem Pferdewagen oder per Auto zu den Nachbarn oder zu den Nachbardörfern bzw. ins Koloniezentrum zu reisen, um Angelegenheiten zu besprechen, konnte man jetzt die Nachrichten über das Schwarze Telefon vermitteln. Es wurden Informationen weitergeleitet, Patienten beim Hospital angemeldet, Regendaten abgegeben, Einladungen zu Feiern und Versammlungen bekannt gegeben, Neuigkeiten ausgetauscht und vieles mehr. Weil manche Leute diese Kommunikationsmöglichkeit missbrauchten, musste von der Verwaltung oft vor unnützem Gebrauch der Leitungen gewarnt werden.
Mehr als 40 Jahre war diese Telefonverbindung die einzige schnelle Fernverbindung zwischen den Dörfern und >Kolonien im Chaco. In den 1990er Jahren war die Zahl der schwarzen Telefone bis auf über Tausend angestiegen. Allein in Menno waren 1.165 Apparate in Funktion. Um das Jahr 2000 wurde das als Schwarzes Telefon bekannte Verbindungsnetz endgültig von modernen Fernmeldediensten, die schon seit einigen Jahren allmählich in den Kolonien Einzug gehalten hatten, ersetzt.
(>Telefon)
Uwe S. Friesen
(Schreiber unbekannt) Mennoblatt 19 (1945) 11, S. 6; Leonard Kliewer: Mennoblatt 31 (1960) 10, S. 6-7 und 31 (1960) 11, S. 6-7; Kennert Giesbrecht: Menno Aktuell 3 (2000) 35, S. 12; Patricia Hiebert: Menno Aktuell 3 (2000) 36, S. 22.

   
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