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Wegebau

Der Unterhalt der Wege in den mennonitischen Siedlungen in Paraguay gehörte zum festen Bestandteil der Selbstverwaltung. Gut befahrbare Wege wurden als eine der Grundbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinschaften gesehen. Aus dem Grund hat man mit eigenen finanziellen Mitteln innerhalb der Siedlungsgebiete Wege eingeschnitten und seit der Gründung der jeweiligen Gemeinschaften auch selbstständig unterhalten. Jede mennonitische Kolonie hat sich ihre eigene Wegmaschinen angeschafft, um die Wege innerhalb der Siedlung zu unterhalten. In einigen wenigen Fällen haben einige Kolonien auf Grund kurzfristiger Kooperationsverträge gemeinsam mit der paraguayi-schen Regierung die Wege in der Kolonie unterhalten. Insgesamt werden in den fünf Kolonien die in der ACOMEPA zusammengeschlossen sind, etwa 4.510 km Wege unterhalten. Davon sind in der Kolonie Menno 2.600 km, Fernheim 900 km, Neuland 500 km, Volendam 300 km und Friesland 210 km.
Die Situation in den jeweiligen Kolonien sieht in diesem Themenbereich ziemlich ähnlich aus. Als Fallbeispiel kann die Kolonie Neuland genommen warden. Als die Mennoniten im paraguayischen >Chaco ansiedelten, gab es hier kaum Wege. Die freien Kämpe und die Wanderwege der Indianer dienten im Chacoinneren als Wege für die Siedler. Dieses Fehlen von Kommunikationswegen aus dem Chaco hinaus war auch eines der größten Hindernisse bei der Entwicklung der Siedlungen. Denn bei der Gründung einer neuen Siedlung ist es von großer Wichtigkeit, dass man das neue Siedlungsgebiet auf Zufahrtsstraßen erreichen kann.
So war es auch noch bei der Gründung der >Kolonie >Neuland 1947. Es gab auf dem neu erworbenen Land zugewachsene Wegschneisen aus dem >Chacokrieg. Diese Schneisen mussten neu geöffnet werden. Das war schwerste Männerarbeit, denn die Wege mussten mit Spaten, Axt und Schaufel befahrbar gemacht werden. Sobald das Zentrum der Kolonie festgelegt war, ging man daran, einzelne Dörfer mit dem Zentrum durch Wege zu verbinden. Oft wurde die Richtung dadurch bestimmt, dass man bei bedecktem Himmel abends am Zielort ein großes Feuer entfachte und an dem weit sichtbaren Widerschein der tief liegenden Wolken die Richtung festlegte.
Nach und nach übernahmen Wegbaumaschinen die Arbeit. Die maschinelle Ausrüstung ermöglicht es heutzutage, kilometerlange Weg in verhältnismäßig kurzer Zeit zu bauen. Gut befahrbare Wege sind ein Zeichen des Fortschritts. Für den Wegebau der Kolonie Neuland steht ein gut ausgerüsteter Maschinenpark zur Verfügung: drei Motorgräder, eine Scheibenegge, ein Traktor, zwei Erdschippen, vier Nivellierungsmaschinen und zwei Lkws für den Wassertransport.
Die Erdwege sind bei jedem Wetter befahrbar. Die Wege müssen aber ständig bearbeitet werden. Das verursacht hohe Ausgaben für die Siedlungsgemeinschaft. So werden in der Kolonie Neuland ca. 20 % der Beitragsgelder in den Wegebau investiert.
Heinrich Braun /Hans Theodor Regier
Gerhard Ratzlaff: Die Ruta Transchaco: Wie sie entstand. Asunción, Paraguay, 1998.

   
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