Chaco

Der Chaco, eigentlich >Gran Chaco, ist eine der Großlandschaften in Südamerika nördlich der argentinischen Pampa. Der Gran Chaco teilt sich in den südlichen Chaco Austral zwischen dem Río Salado und dem Río Bermejo, dem mittleren Chaco Central zwischen dem Río Bermejo und dem Río Pilcomayo und dem nördlichen Chaco Boreal zwischen dem Río Pilcomayo und dem Andenvorland. Wenn in mennonitischen Kreisen vom Chaco die Rede ist, ist meist der Chaco Boreal gemeint, denn hier wanderten seit 1927 die Mennoniten ein. Zuerst kamen die Einwanderer aus Kanada und gründeten die Kolonie >Menno, ab 1930 kamen Mennoniten aus Russland, die nach der Flucht 1929 in Deutschland Zuflucht gefunden hatten, und gründeten die Kolonie >Fernheim, ab 1947 kamen mennonitische Flüchtlinge, die am Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland gekommen waren. Sie gründeten die Kolonie >Neuland.
Der Gran Chaco ist eine riesige Aufschüttungsebene zwischen den Ausläufern des Brasilianischen Berglandes im Osten und den Anden im Westen. Die Geosynklinale, die zwischen diesen Bergmassiven entstand, auch Chacotrog genannt, hat sich im Lauf der Zeit mit Sedimenten aus den Gebirgen aufgefüllt, und heute noch strömen die Gewässer von den Anden in den Río Paraguay, der den nördlichen Chaco im Osten begrenzt.
Der Chaco hat ein arides Klima mit einer Regenzeit im Sommer und einer Trockenzeit im Winter, wobei die Regenmenge von Osten nach Westen abnimmt. Darauf hat sich die Vegetation eingestellt. Weite Strecken sind mit Trockenwald bedeckt, dessen Pflanzen auch lange Trockenzeiten überstehen können. Dieser so genannte Busch wird von Grasfluren unterbrochen, Kämpe genannt. Die Besiedlung weiter Teile des Chaco hat dieses ursprüngliche Landschaftsbild stark verändert. Auf den Kämpen legten die eingewanderten Siedler ihre Dörfer an, und weite Strecken des Busches sind gerodet worden.
So eigenartig wie die Vegetation ist auch die Tierwelt des Chaco, die sich dem Klima angepasst hat. Typisch für die Vogelwelt sind Strauße, Papageien und Geier und an den Lagunen, wie die Teiche genannt werden, eine Vielzahl von Wasservögeln. Ameisenbären, Gürteltiere und einige Pekari-Arten sind typisch für den Chaco. Als Raubtiere kommen der Puma und der Jaguar vor.
Die Ureinwohner des Chaco sind die Indianer, die sich in mehrere Stämme mit eigenen Sprachen unterteilen. Sie waren Nomaden, Jäger und Sammler und hatten eine der Umwelt angepasste Kultur entfaltet. Durch viele Einflüsse von außen, die Missionare, der Chacokrieg und die Einwanderer mit sich brachten, haben auch die Indianer ihre Lebensweise stark verändert. Die meisten von ihnen sind sesshaft geworden und haben sich der Zivilisation angepasst. Viele von ihnen leben heute in ihnen zugewiesenen Siedlungsgebieten oder in den Zentren der Mennonitenkolonien.
Peter P. Klassen
Arena, Pastor: Etnobotánica Lengua-Maskoy, Asunción, 1981; Nordenskjöld, Erland: Indianerleben, Leipzig, 1912; Kanter, Helmuth: Der Chaco und seine Randgebiete, Hamburg, 1936; Klassen, Peter P.: Immer kreisen die Geier, 3. Aufl., 1994; Krieg, Hans: Indianerland, Stuttgart 1929; Putzer, Hanfriet: Geologie von Paraguay, Stuttgart, 1962.