Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Gebetsstunden
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Gebetsstunden

Betet ohne Unterlass!, schreibt Paulus an die Gemeinde zu Thessalonich im 1. Brief, Kapitel 5, 17. Gebete binden Christen zusammen. Menschen, die an Jesus Christus glauben, beten. Sie beten in Zeiten der Not; denn Not lehrt beten. Sie legen Fürbitte für ihre Mitmenschen ein und sie danken für ihre Glaubensgenossen.
In den Jahren 1927 und 1930 fanden die Mennoniten der >Kolonien >Menno und >Fernheim ihre neue Heimat im >Chaco von Paraguay. 1947 wurde die Kolonie >Neuland gegründet. Es wurde besonders für die Freiheit gedankt, die man hier im Chaco von Paraguay erlebte. Besondere Fürbitte wurde für die Verwandten eingelegt, die noch in Russland in der Verbannung geblieben waren.
An den Samstagabenden gab es in Fernheim nur ein Programm: die Gebetsstunde für Jung und Alt. Gemeinsam wurde der Abschluss der Arbeitswoche in den Dörfern und in Filadelfia mit einer Gebetsstunde gefeiert. Die Jugend fühlte sich von den älteren Brüdern und Schwestern angenommen, und sie beteten auch laut, so wie diese es taten. Die Samstagabende zählten zu den schönsten Zeiten der Gemeinschaft. Sehr viel wurde für die Erlösung durch Jesus gedankt.
Man betete sehr viel für die Missionsarbeit unter den Lengua-Indianern. Der Schriftleiter des >Mennoblattes Nikolai >Siemens schreibt hierzu: Viel haben wir um Arbeiter für unser junges Missionsfeld gebetet. Wunderbar hat der Herr unsere Gebete erhört. Heute stehen Geschwister Ratzlaff, Schwester Wiens, der ledige Bruder Unger und Geschwister Giesbrecht in der Arbeit (Nr. 8, Aug. 1937). Es ging ihnen darum, dass die Heiden Miterben im Reiche Gottes seien, nach Epheser 3,6. Das gemeinsame Gebet war das unzerstörbare Fundament für die Missionsarbeit.
Sehr oft beteten immer wieder dieselben älteren Brüder und Schwestern, was den Jüngeren sehr viel half, das Beten zu lernen.
Zur Einleitung einer Gebetsstunde wurde oft ein Psalm gelesen, der zur Hinführung und der Anleitung im Beten diente. Weil die Gebetsstunden von allen gläubigen Bürgern reihum geleitet wurden, lernten viele das freie Auftreten und das laute, öffentliche Gebet. Es wurde immer laut und verständlich gebetet. Besonders schön war es, wenn die Teilnehmer Lieder zum Singen vorschlugen. Jemand aus der Versammlung stimmte das Lied an. Das ist auch heute noch in den Dörfern üblich. Leute, die noch auf dem Hof der Schule oder Kirche standen, wurden durch das Singen in den Versammlungsraum hereingesungen.
Manches wurde im Laufe der Jahre anders. Das heißt nicht, dass Veränderungen schlecht sind.
Viele Jahre hatte die Gebetszeit, in der der Einzelne laut beten konnte, auch während der Gemeindestunden ihren Platz. Dann wurden große und größere Kirchen gebaut, und die einzelnen Beter im großen Raum waren schwer zu verstehen.
An die Mikrophone haben wir uns noch nicht gewöhnt, um von dort aus zu beten. Die Gebetszeiten haben sich mehr auf kleine Gruppen konzentriert, wobei sich meist vier Personen zusammenstellen und dann eine Gebetszelle bilden. In der Kirche zusammen zu beten, geschieht eher durch stille Gebete, wo alle zur gleichen Zeit beten. Hat man früher am Samstagabend laut gebetet, so hat sich diese Gewohnheit auf die kleinen Gruppen verlagert. Dabei treffen sich etwa 15 bis 20 Personen - und alle haben Zeit zum Beten.
Gerd G. Giesbrecht

   
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