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Märtyrerspiegel

Der Märtyrerspiegel ist eine Sammlung von Märtyrergeschichten, Briefen, Berichten und offiziellen Akten aus der Anfangszeit der Täuferbewegung. In der Form, wie wir ihn heute kennen, wurde er erstmals im Jahre 1660 von Thieleman Jansz van Braght, dem Ältesten der Täufergemeinde Dordrecht, in holländischer Sprache herausgegeben. Das Werk besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil enthält die Märtyrergeschichten seit der Apostelzeit bis zum Jahre 1500. Im zweiten Teil stehen die >Täufer im Mittelpunkt. Der Tod von 801 Täufern wird darin geschildert. Daneben gibt es eine Anzahl nicht mit Namen genannter Märtyrer. 613 der genannten Märtyrer kommen aus den Niederlanden, die anderen aus verschiedenen Ländern Europas. Einige spätere Ausgaben sind mit charakteristischen Zeichnungen des holländischen Künstlers und Kupferstechers Jan Luiken versehen. 1748 erschien die erste Ausgabe in deutscher Sprache, gedruckt in Ephrata, Pennsylvania. Das Buch umfasste 1.512 Seiten.
Als Quellen für seine Sammlung benutzte Thieleman Kirchengeschichtsbücher (besonders für den ersten Teil), dann ein Anzahl von kleinen Märtyrerbüchern, die bereits in niederländischen Täufergemeinden geschrieben worden waren, weiter die Berichte von Täufergemeinden aus Deutschland und der Schweiz und endlich das Material aus mehreren Stadtarchiven mit den Verhören und der Verurteilung der Täufer. Das Buch fand eine starke Verbreitung in den Täufer- und Mennonitengemeinden der ganzen Welt, vor allem unter den Amischen. Nach der Bibel und dem Gesangbuch war es wohl das meist benutzte Buch unter den Mennoniten in der Vergangenheit gewesen. Heute ist es mehr eine Forschungsquelle für Historiker. In Paraguay wird es wenig gelesen. Nur bei den >konservativen und >Amischen Mennoniten ist es neben der Bibel immer noch eines der meist geschätzten Bücher.
Gerhard Ratzlaff
Thieleman Jansz van Braght: Der blutige Schauplatz, oder Märtyrerspiegel der Taufgesinnten oder wehrlosen Christen. Ontario u. a.: Pathway Publishing Corporation, 1967; Stichwort “Märtyrer” in: Christian Hege u. Christian Neff (Hg.): Mennonitisches Lexikon. Dritter Band. Weierhof [Selbstverlag] 1958; Stichwort “Martyrs’ Mirror” in: Cornelius J. Dyck und Dennis D. Martin: Mennonite Encyclopedia, III. Scottdale, Pennsylvania: Herald Press, 1957, S, 527-528; John S. Oyer u. Robert S. Kreider: Mirror of the Martyrs. Pennsylvania: Good Books, Intercourse, 1990; John S. Oyer u. Robert S. Kreider: Historias de Inspiración y Coraje. Santa Fé de Bogotá u. a.: CLARA y SEMILLA, 1997.

   
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