Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Rakko, Wilhelm
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Rakko, Wilhelm

Wilhelm Rakko (1912 - 2006) wurde in Waldheim, Ukraine, geboren und starb nach einem erfüllten Leben in Brasilien. In Russland hatte er die Grundschule in Waldheim und die Zentralschule in Halbstadt besucht. Zunächst wurde er als Feldscher (Sanitäter) ausgebildet und absolvierte später in Odessa ein Medizinstudium.
In der Folgezeit übte er den Arztberuf an mehreren Stellen des Landes aus.
Im Jahr 1933 heiratete er Anna Dück, eine Krankenschwester. Zwei Kinder, Elfriede und Arnold, wurden ihnen geboren. Als sich die deutschen Truppen 1943 aus der Ukraine zurückzogen, flüchtete auch die Familie Rakko. In Deutschland wurden sie eingebürgert und Dr. Rakko zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches war er über zwei Jahre in amerikanischer Gefangenschaft.
Obwohl Dr. Rakko mit seiner Familie nach Kanada auswandern konnte, entschied er sich auf Bitten des >MCC, als Arzt in die neu gegründete Siedlung >Neuland im paraguayischen >Chaco zu gehen. Hier leistete er beim Aufbau des Krankenhauses Concordia Pionierarbeit. Nach seinen Vorschlägen wurde das Krankenhaus gebaut und 1951 eingeweiht. Eine Krankenschwesternausbildung wurde eingerichtet, um Krankenschwestern für das eigene Hospital auszubilden. 30 Jahre wirkte er hier als Arzt und stand den Patienten Tag und Nacht zur Verfügung, da er der alleinige Arzt am Ort war. Seine Frau unterstützte ihn dabei als Hebamme und Oberschwester. Mennoniten und Indianer sowie Lateinparaguayer kamen aus einem weiten Umkreis, um im Hospital Concordia Hilfe zu suchen.
Als Rakko 1978 in den Ruhestand ging, zogen er und seine Frau zu ihren Kindern nach Brasilien, die dort mit ihren Familien lebten. Ein tragisches Ereignis trübte ihren wohl verdienten Ruhestand, als ihr Sohn Arnold Rakko auf einer Reise auf mysteriöse Art und Weise verschwand und nie mehr auftauchte. Viele Jahre lebten sie in ihrem Haus in Curitiba und nahmen rege am Gemeindeleben teil. 1996 starb seine Frau Anna. Ein Jahr blieb er noch in ihrem gemeinsamen Haus wohnen, dann zog er für ein Jahr ins mennonitische Altenheim Betesda. Doch die letzten sieben Jahre wohnte er bei seiner Tochter Elfriede und deren Ehemann Heinz Ehlert. Am 15. Januar 2006 entschlief er im Krankenhaus S. José dos Pinhais.
Für die >Kolonie Neuland haben Dr. Wilhelm Rakko und seine Frau Anna, geb. Dück, drei Jahrzehnte lang sehr wertvolle Dienste im Bereich der Gesundheitspflege geleistet. Zusammen mit dem Oberschulzen Peter >Derksen, der 25 Jahre im Dienst blieb, war Dr. Rakko eine der tragenden Säulen in der Kolonie, die Stand hielten und an die Zukunft der Kolonie glaubten, als der größte Teil der Neuländer die Kolonie verließ, um im Ausland bessere Verdienstmöglichkeiten zu suchen.
Jakob Warkentin
Elfriede Rakko Ehlert: Mennoblatt 78 (2006) 4, S. 9f; Walter Regehr (Hg.): 25 Jahre Kolonie Neuland. Karlsruhe, 1972.

   
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