Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Taufe
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Taufe

Die Taufe als religiöse Handlung gab es schon im Judentum in vorchristlicher Zeit in Form der Proselytentaufe, als rituelle Waschung und in der Johannestaufe. Im Neuen Testament wird die Taufe in engste Verbindung mit der Heilsbotschaft und Nachfolge Jesu gebracht. Paulus sieht in der Taufe das Sterben und Auferstehen Jesu Christi und seiner Nachfolger abgebildet (Römer 6, 3 ff.). Petrus bringt die Taufe in Verbindung mit der Sintflut und nennt sie ein Bundeszeichen des guten Gewissens mit Gott, das die Rettung aus dem Gericht und ihre Annahme durch den Glauben bedeutet (1. Petrus 3, 21).
Doch schon bald verlor sich das biblische Verständnis in der christlichen Kirche und nach einigen Jahrhunderten wurde die Kindertaufe eingeführt.
Die Täufer im 16. Jahrhundert suchten der Taufe wiederum die neutestamentlichen Werte einzuräumen. Sie praktizierten die Glaubenstaufe. Dies führte zu ihrer Benennung als Täufer, Taufgesinnte, Wiedertäufer und Anabaptisten.
Die >Täufer lehrten, dass die Taufe nur nach Buße und Bekehrung an Personen vollzogen werden dürfe. Die Kindertaufe hatte für sie keinen Wert und wurde in ihren Schriften oft als ein “Gräuel” bezeichnet. Im >Schleitheimer Bekenntnis wird die Kindertaufe als des Papstes höchster und erster Gräuel benannt. Weil Christus die Taufe ausdrücklich befohlen hat (Matth. 28.18f), ist die Taufe vorrangig ein Gehorsamsakt und nicht ein Sakrament, wie in der katholischen Kirche gelehrt wurde. Weiter wurde der Taufe der Wert eines Bundes beigemessen, in dem sich der Gläubige Christus und seiner Gemeinde auf Leben und Tod verpflichtet.
Auf der Züricher Disputation am 17. Januar 1525 (Also vier Tage bevor die erste Glaubenstaufe am 21. Januar 1525 von Grebel an Blaurock vollzogen wurde) führten die Täufer (Grebel, Manz u. a.) aus: Die Taufe solle nur den Gläubigen gegeben werden, denen vorher das Evangelium gepredigt worden sei, die es verstünden, die Taufe selbst begehrten, den alten Adam töten und in einem neuen Leben wandeln wollten. ... Nach dem Beispiel der Apostel solle man nur alte und verständige Leute taufen. Weil man nicht also getauft sei, gelte die Kindertaufe nichts und solle man sich wiederum taufen lassen.
Balthasar Hubmaier beschreibt 1525 die Taufe als nichts anderes als ein öffentliches Bekenntnis und Zeugnis des inwendigen Glaubens und Pflichten, mit der sich der Mensch auch auswendig bezeugt.
Das >Schleitheimer Bekenntnis von 1527 entscheidet im ersten Artikel: Zum ersten von der Taufe: Sie soll gegeben werden allen denen, so gelehrt sind die Buße und die Änderung des Lebens und glauben in der Wahrheit, dass ihre Sünden durch Christum hinweggenommen seien; und all denen, so wollen wandeln in der Auferstehung Jesu Christi und mit ihm begraben wollen sein in den Tod, auf dass sie mit ihm auferstehen mögen; und all denen, so es in solcher Meinung von uns begehren und fordern durch sich selbst. Mit dem werden ausgeschlossen alle Kindertaufen, des Papstes höchster und erster Gräuel. Dafür haben wir Gründe und Zeugnisse der Schrift und den Brauch der Apostel, desselben wollen wir uns einfältiglich und doch festiglich behalten und versichert sein.
>Menno Simons äußert sich folgendermaßen: Sehet, das ist dann des Herrn Wort und Willen, dass alle diejenigen, die Gottes Wort hören und daran glauben, sollen getauft werden, dass sie hinfort nicht mehr nach ihrem eigenen Willen, sondern nach Gottes Willen leben wollen. Dass sie um das Zeugnis Jesu bereit sind, zu verlassen Haus, Gut, Land, Leib und Leben, und um dasselbe zu leiden Hunger, Trübsal, Verfolgung, Kreuz und Tod. Ja, sie begehren das Fleisch mit seinen Lüsten zu begraben und mit Christo aufzuerstehen in einem neuen Leben.
Doch die Täufer dachten nicht einheitlich über die Bedeutung der Taufe. Als Beispiel diene Hans Denck. Er betonte vor allem die Nachfolge Christi. Von ihm stammt der viel zitierte Ausspruch: Niemand kann Christus wahrlich erkennen, es sei denn, er folge ihm nach im Leben. Taufe (und auch Abendmahl) stellte er unter die “Zeremonien”, die an und für sich gut seien, aber denen zu viel Wert beigemessen werde. Dabei denkt er zwar zuerst an die Kindertaufe, aber auch an die Erwachsenentaufe bei den Täufern. Denck schreibt: Zeremonien sind an sich nicht Sünde. Wer aber meint, dadurch die Seligkeit zu erlangen, es sei durch Taufen oder Brotbrechen [Abendmahl], der hat einen Aberglauben.... Wer sich um die Zeremonien sehr kümmert, gewinnt doch nicht viel. Denn auch wenn man alle Zeremonien verlöre, so hätte man doch keinen Schaden. Es wäre besser, sie entbehren zu müssen, als sie zu missbrauchen.
Und weiter schreibt Denck 1527 an die Obrigkeit in Basel: Die Kindertaufe ist ein Menschengebot und steht in der Christen Freiheit. Es schadet keinem Gläubigen, dass er in der Kindheit getauft ist, und Gott fragt nach keiner anderen Taufe, ... Wer nun vom neuen tauft, der sehe zu, dass er nicht diene, ehe er ordnungsmäßig berufen ist.
Auf Grund dieser toleranteren Haltung konnte sich Denck, so wie einige andere Täufer, nicht dem Schleitheimer Bekenntnis anschließen. Das hat dann schon bei den Täufern zu bedauerlichen Auseinandersetzungen geführt, die Denck als friedliebender Mann um jeden Preis vermeiden wollte. Doch wurde er herausgefordert, seine Stellung schriftlich darzulegen. Dencks Ansicht über die Taufe hat sich in der Geschichte der Täufer/Mennoniten nicht durchgesetzt, wenn sie auch immer wieder einmal hier und da neu aufbricht.
Wenig Bedeutung maßen die Täufer der Taufform bei. Sie wird in den ersten Jahrzehnten nicht diskutiert. In der Regel übte man die Begießungstaufe. Mit Wasser scheint man dabei nicht gespart zu haben, denn von Blaurock heißt es, dass er mit einem “Schöpfeimer” taufte und in Zürich trug man das Taufwasser mit einem “Mehlkübel” in den Versammlungsraum. In wenigen Ausnahmen wurde auch die Taufe im Fluss geübt. Menno Simons hat wohl durchgehend mit einer Hand voll Wasser getauft, wie er gelegentlich schreibt.
Doch schon nach wenigen Jahrzehnten wurde die Taufform zu einem Streitpunkt unter den Täufern/Mennoniten. Flamen und Friesen stritten darüber, ob man den Täufling mit einer Hand voll Wasser begießen solle oder die Finger ins Wasser tauchen und den Täufling mit Wasser besprengen. Auch tritt in Holland und in Hamburg im 17./18. Jahrhundert die Untertauchungsform auf, setzt sich bei den Mennoniten zu der Zeit jedoch nicht durch. Doch von den Täufern in England (>Baptisten) wird sie nach holländischem Muster aufgegriffen und als ausschließlich biblische Norm eingeführt. Baptistische Schriften in Russland bewirkten, dass die 1860 gegründete Brüdergemeinde die “Untertauche” (Tauchtaufe) einführte und sie wie die Baptisten als exklusive Norm praktizierte. Das führte zu Spannungen und Entfremdung unter den Mennoniten (Brüdergemeinde und Mennonitengemeinde), die stellenweise über 100 Jahre dauerte und bei den Russlandmennoniten (Umsiedlern) bis heute noch nicht überwunden ist.
Manchmal stand auch zur Diskussion, ob man vorwärts, rücklings, ob man einmal oder dreimal untertauchen solle. Bei einigen Hutterern in den USA wird heute folgende Taufform praktiziert: Der Täufling kniet brusttief im Wasser, der Täufer gießt dem Täufling dreimal eine Hand voll Wasser aufs Haupt gemäß der Taufformel ”Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes” und anschließend wird das Haupt des Täuflings feierlich ins Wasser gesenkt. (Die >Mennonitengemeinde in Asunción verfährt in den Fällen, wo sie die Untertauche übt, in ähnlicher Weise).
So bestehen heute noch verschiedene Taufformen unter den Mennoniten, aber sie sind kein (oder kaum noch) Trennungsgrund mehr für die Gemeinden. Man ist sich einig: Die Taufe erfolgt nach Buße und Bekehrung auf ein persönliches Bekenntnis und symbolisiert einen Gehorsamsschritt und eine Selbstverpflichtung zur Nachfolge Christi.
Gerhard Ratzlaff
Heinold Fast (Hg.): Der linke Flügel der Reformation. Bremen: Carl Schünemann Verlag, 1962; Mennonitische Geschichtsblätter. Jahrg. 7, 1950, 31-42; Stichwort “Taufe” in: Christian Hege u. Christian Neff (Hg.): Mennonitisches Lexikon. Vierter Band. Karlsruhe [Selbstverlag], 1967, 283-288.

   
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