Lexikon der Mennoniten in Paraguay - Trachom
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Trachom

Trachom ist eine schlimme Augenkrankheit, besonders unter Kindern, die in der Ansiedlungszeit häufig auftrat.
Diese Erkrankung der Augenbindehaut ist in der Medizin als ägyptische Augenkrankheit bekannt. Der Erreger ist clamydia tracomatis.
Bekannt ist diese Erkrankung schon sehr lange in den arabischen Ländern. Hitze, Wind, Sand, wenig Wasser und fehlende hygienische Kenntnisse waren die Ursachen für das “Überleben” dieser Erkrankung. Nach Informationen der in der ganzen Welt tätigen Christoffel-Blindenmission ist diese Erkrankung immer noch häufigste Ursache von Erblindung durch Erkrankungen.
Um das Mittelmeer herum, am Balkan und auch in der Ukraine war diese Krankheit verbreitet. So waren auch die Mennoniten in der Ukraine davon betroffen. Wirksame Medikamente gegen diese Erkrankung gab es erst während des letzten Weltkrieges. Bis dahin wurden die Folgen der Erkrankung so weit wie möglich eingedämmt, und zwar durch das “Ausquetschen” der Bläschen an der Innenseite der Augenlider. Allerdings entstanden dadurch Narben, die sich an der Bindehaut des Oberlides zusammenzogen. Dadurch wurde der Lidrand des Oberlids mit seinen Wimpern nach innen zum Augapfel gezogen. Nun scheuerten die Wimpern bei jedem Lidschlag und jeder Augenbewegung an der Hornhaut des Auges, was sehr unangenehm war und im schlimmsten Fall zu Erblindungen führen konnte. Da diese Erkrankung sehr ansteckend ist, hatten viele noch nicht betroffene Länder ganz strenge Einreise- oder auch Einwanderungsbedingungen. Von den aus Moskau eingetroffenen Flüchtlingen (>Flucht über Moskau) in Deutschland im Jahre 1929 wollten viele am liebsten nach Kanada, doch hierfür waren Trachom-Anzeichen Grund zur Absage.
Unter den Einwanderern im >Chaco hat diese eingeschleppte Erkrankung besonders gewütet. Betroffen von der akuten Infektion waren vor allem Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren. Andere Personenkreise erkrankten seltener. Immer wieder war die akute Erkrankungsphase Grund zum Fernbleiben vom Schulunterricht. Die Kinder wachten morgens mit total verklebten Augenlidern auf und konnten diese nur schwer öffnen. Lokal war alles, was man machen konnte, das Auflegen von Kompressen mit Borsäurelösung (nicht schmerzhaft). Dort aber, wo die typischen kleinen Blasen an der Innenwand der Augenlider schon entwickelt waren, wurden diese von den Ärzten ausgequetscht, und das tat sehr weh. Für viele Einwohner Fernheims ist dieses die schlimmste Erinnerung an ihre Kindheit im Chaco.
Verbreiten konnte sich diese Erkrankung besonders leicht durch die unendlich vielen kleinen Fliegen, “Moschtjes”, dadurch, dass sich die Kinder untereinander Körperkontakt hatten, und besonders auch, weil Wasser zum Händewaschen fehlte. Man wusch sich der Reihe nach in der Schüssel die Hände und alle benutzten ein und dasselbe Handtuch zum Abtrocknen. Der von Russland mitgebrachte Wascher, Rukomonjik, wäre schon, wenn vorhanden, ein eindämmendes Mittel gewesen.
Es gibt keine Angaben darüber, dass diese Erkrankung auch bei den Indianern aufgetreten ist, auch nicht bei den Lateinparaguayern.
Schließlich wurde auch für dieses Übel ein Medikament gefunden bzw. entwickelt. Die deutschen Gesundheitsbehörden teilten noch im Jahre 1941 mit, dass sie gegen diese Erkrankung, die in Deutschland nicht heimisch war, ein wirksames Medikament hätten. Es war das Albucid, das man auch hier in Paraguay kaufen konnte. Damals konnte man es in >Loma Plata schon kaufen und zwar in einem Almacén (Laden).
Von Deutschland kam dann nichts mehr, doch bald darauf brachte der amerikanische Arzt Dr. John >Schmidt das Sulfatiazol, das wohl genau so wirksam war. Danach mussten, soweit bekannt, keine Augen mehr “ausgequetscht” werden. Man hatte dazu den Blaustein, der eine leichte Desinfektionswirkung hat, benutzt. Die übertragbare Augenbindehautentzündung blieb noch weiter ein immer wieder auftretendes Übel. Dank systematischer Untersuchungen in den Schulen, Impfungen usw. kam es nie wieder zu schweren Formen wie in der Anfangszeit.
Rudolf Dyck

   
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